Auszahlungsstopp bei Marktplätzen: Neue Selbstverpflichtung soll KMU schützen

Veröffentlicht: 14.10.2025
imgAktualisierung: 14.10.2025
Geschrieben von: Redaktion
Lesezeit: ca. 3 Min.
14.10.2025
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Selektiver Fokus auf eine Frau mit Kreditkarte in der Hand, die auf den Laptop-Bildschirm am Tisch blickt, umringt von Kartons mit Produkten zum Versand
alebloshka / Depositphotos.com
Marktplätze müssen für vorschriftskonforme Zahlungen sorgen – mitunter zum Nachteil von Händler:innen. Das soll sich ändern.


Ebay, Temu, Onbuy sowie PayPal, Stripe und weitere Unternehmen haben sich in einer gemeinsamen Erklärung dazu verpflichtet, kleine Unternehmen bei Auszahlungen und mit Blick auf ihren Cashflow besser zu schützen.

Anlass sind Vorschriften, die die Marktplätze und Zahlungsanbieter mit Blick auf die Sicherheit und Rechtmäßigkeit von Geldtransfers erfüllen müssen. Dazu zählen etwa Identitäts-, Transaktions- und Sorgfaltsprüfungen oder Maßnahmen zum Schutz vor Betrug, zur Steuerkonformität sowie zur Geldwäscheprävention. In der Praxis kann die Umsetzung solcher Vorgaben dazu führen, dass die Plattformen zeitweise Zahlungen an Händler:innen einbehalten oder Konten einschränken. Das wiederum birgt mit Blick auf die Liquidität gerade für kleine und mittelständische Unternehmen Herausforderungen.

Leitlinien zum Einbehalten von Geldern

Eine Selbstverpflichtung soll nun die Interessen von KMU besser schützen. Die gemeinsame Erklärung umfasst 10 Punkte, darunter:

  • Transparenz: Wenn Gelder einbehalten werden, will man KMU unverzüglich, detailliert und nachvollziehbar über Gründe und Dauer informieren. Außerdem sollen Bedingungen und Änderungen klar und offen kommuniziert werden.
  • Freigabe: Es müssen verständliche Informationen dazu übermittelt werden, welche Schritte zur Freigabe der zurückgehaltenen Gelder nötig sind. Sobald keine berechtigten Gründe mehr bestehen oder Anforderungen erfüllt wurden, sollen Gelder schnellstmöglich freigegeben werden.
  • Prüfprozesse: Die Prozesse zur Einhaltung von Vorschriften will man so effizient wie möglich gestalten, damit der Cashflow von KMU dabei möglichst nicht beeinträchtigt wird.
  • Sanktionen: Strafen oder Rückforderungen dürfen nur auf Basis nachvollziehbarer und belegbarer Gründe erfolgen.
  • Einzelfallprüfung: Es muss ein Verfahren geben, um Beschwerden von KMU zeitnah individuell zu prüfen. KMU sollen zudem Entscheidungen anfechten und zusätzliche Beweise vorlegen dürfen.
  • Fairness: Die Anbieter verpflichten sich, KMU keine Finanzierungslösungen gezielt in Situationen anzubieten, in denen Gelder zurückgehalten werden.
  • Konstruktive Zusammenarbeit mit Behörden

KMU sollen ihre Rechte besser kennen

Initiiert wurde die Erklärung von der staatlichen Organisation Small Businesses Comissioner (SBC) in Großbritannien, berichtet das Fachportal ChannelX. Demnach ist die Verpflichtung auch dort gültig. „Diese Leitlinien sowie die Selbstverpflichtung dieser Unternehmen gegenüber kleinen Unternehmen werden dazu beitragen, dass diese ihre Rechte kennen, die nötige Unterstützung erhalten, verstehen, welche Faktoren die Zurückhaltung von Geldern beeinflussen, und ihnen helfen, die Chancen, die die Digitalisierung mit sich bringt, optimal zu nutzen“, so Emma Jones vom SBC.

Eve Williams, VP und General Manager von Ebay UK begrüßt das Vorhaben: „Manchmal müssen wir Zahlungen zurückhalten, entweder aufgrund gesetzlicher Vorschriften oder um unseren Käufern einen sicheren Marktplatz zu bieten. Dies sollte jedoch eher die Ausnahme als die Regel sein.“ Auch der gerade nach Deutschland expandierte Marktplatz Onbuy brachte dem Vorhaben große Zustimmung entgegen: „Wir sind überzeugt, dass kleine Unternehmen niemals im Unklaren über ihr Geld sein sollten, und dieser Leitfaden setzt den Standard, den alle Marktplätze einhalten sollten“, so CEO Cas Paton.

Wie wichtig solche Absichtserklärungen sind, zeigen Fälle aus der Vergangenheit. Beispielsweise kam es etwa Ende des vergangenen Jahres im Zuge von Nachweispflichten zur Geschäftsniederlassung in der EU zu Auszahlungsstopps bei Amazon. Der Online-Riese fehlt allerdings auf der Liste der Unterzeichner:innen im Vereinigten Königreich.

Veröffentlicht: 14.10.2025
img Letzte Aktualisierung: 14.10.2025
Lesezeit: ca. 3 Min.
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KOMMENTARE
4 Kommentare
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Ines Gröne
19.10.2025

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In Ergänzung: Ich bin eine ehrliche Händlerin. Meine Meinung: Warum soll ich in Mithaftung genommmen werden für Betrüger, die hier nichts zu suchen haben. Das ist doch die Aufgabe der Zahlungsdienstleister diese Leute auszusortieren, statt unsere Umsätze nicht mehr oder irgendwann auszuzahlen.
Ines Gröne
19.10.2025

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amazon droht auch schon wieder mit seiner DD+7 Regelung. Erfahrungsgemäß, habe ich das im August 2024 + Januar 2025 miterleben dürfen und es wurden wenigstens 6 Wochen Auszahlungverzug daraus. Erst mit Drohung eines Anwaltes, habe ich dann meine Umsätze ausgezahlt bekommen. Die Plattformen nutzen diese Regelungen für ihre eigenen Profite und wir Händler gehen mit unseren Vorleistungen leer aus. Wer denkt sich nur diesen Scheiß aus, der Plattformen zu Milliardären macht und wir Händler mit unserer Vorkasse im Regen stehen lässt.
K.I
14.10.2025

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Meinung: Amazon handelt wie Trump und seine Anhänger: jedem das seine, mir das allermeiste!
Frank Pagenkemper
14.10.2025

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Ich bin schon sehr erstaunt darüber, dass hier sogar der Chef von ONBUY zitiert wird. Die Plattform ist doch nach deutschen und europäischen Regeln von oben bis unten illegal. Ich habe nicht eine Regel dort gefunden, mit denen sich ansässige Händler quälen müssen. Da wird gegen jede Regel verstoßen, die mir gerade einfällt. Anbieterkennung: Fehlanzeige. FSK-Einhaltung bei Filmen: Fehlanzeige, Alterskennung bei Spielzeug: Fehlanzeige usw usw. Wie kann es sein, dass so ein Anbieter überhaupt hier in Deutschland freigeschaltet ist? Auf der Strecke bleiben wieder die zwangsläufig gesetzestreuen Händler. Und der Verbraucher ist auch noch dumm genug dort einzukaufen, weil es dorf vielleicht das ein oder andere Schnäppchen gibt. Wenn ich sowas sehe bekomme ich Pickel, weil es niemad stoppt.