Alarmierend: Fast alle Produkte aus China verstoßen gegen europäisches Recht

Veröffentlicht: 20.01.2025
imgAktualisierung: 20.01.2025
Geschrieben von: Christoph Pech
Lesezeit: ca. 2 Min.
20.01.2025
img 20.01.2025
ca. 2 Min.
Temu auf dem Smartphone
wavemoviesmw / Depositphotos.com
Ein Großteil der Produkte von chinesischen Marktplätzen verstößt gegen europäische Vorschriften. Die EU ist gefordert.


Es sind alarmierende Zahlen: Eine Inspektion der europäischen Marktaufsichtsbehörden ist zu dem Ergebnis gekommen, dass 85 bis 95 Prozent aller Produkte, die bei Temu, Shein und AliExpress gekauft werden, nicht der europäischen Gesetzgebung entsprechen. Das berichtet Ecommerce News. Das heißt im Umkehrschluss: Kaum ein Produkt, das über die chinesischen Marktplätze kommt, dürfte in Europa verkauft werden. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam vor einigen Monaten auch der deutsche Zoll.

Unwirksam und gefährlich

„Produkte von Shein, AliExpress und Temu sind für die Verbraucher oft riskant“, heißt es von den Aufsichtsbehörden. Die Art der Verstöße ist dabei höchst unterschiedlich. Laut niederländischen Behörden sind Produkte oft unwirksam, funktionieren nicht richtig oder können gesundheitlich schädlich sein.

Als Beispiele werden Spielzeuge mit losen Teilen genannt, die Kinder verschlucken können, oder Elektronik, die Feuer fängt oder Fehlfunktionen verursacht. Häufig fänden sich auch verbotene Stoffe wie Blei in den Produkten. Zudem fehle es bei den Händler:innen oft an Vertretungen mit Sitz in Europa, obwohl dies gesetzlich vorgeschrieben ist. Ein weiteres Problem sind Produktfälschungen.

Gemeinsames Vorgehen bei Paketkontrollen gefordert

Die niederländischen Marktaufsichtsbehörden und der niederländische Zoll fordern ein gemeinsames Vorgehen bei der Kontrolle von Paketen, die von chinesischen Plattformen stammen. Nicht nur die Behörden, sondern auch die Käufer:innen und die Beteiligten der Lieferketten müssten an dieser Stelle Verantwortung übernehmen. Im Visier der EU-Kommission ist Temu schon seit Längerem.

Dass der Vorstoß aus den Niederlanden kommt, ist kein Zufall. Chinesische Marktplätze wie Temu und Shein sind bei europäischen Kund:innen mittlerweile enorm beliebt. Mehr als eine Milliarde Pakete pro Jahr werden derzeit über die Niederlande in die Europäische Union eingeführt. Aufgrund der schieren Menge zeigen sich die niederländischen Behörden extrem besorgt, da es unmöglich wird, sie alle angemessen zu kontrollieren.

Nach Angaben des niederländischen Zolls ist das Paketaufkommen im elektronischen Handel in den Niederlanden von 172 Millionen Paketen im Jahr 2021 auf 1,4 Milliarden Pakete 2024 gestiegen. Dies entspreche etwa 40 Prozent der gesamten E-Commerce-Einfuhren in die Europäische Union.

Veröffentlicht: 20.01.2025
img Letzte Aktualisierung: 20.01.2025
Lesezeit: ca. 2 Min.
Artikel weiterempfehlen
Christoph Pech

Christoph Pech

Christoph schreibt über KI, digitale Innovationen und Payment-Lösungen – immer mit einem Blick auf smarte Technologien.

KOMMENTARE
10 Kommentare
Kommentar schreiben

Siegfried
25.01.2025

Antworten

Es ist immer wieder erstaunlich, dass sich kaum jemand um dei Chinesische Marktplätze wie Temu und Shein sowie Ali kümmert, man versucht nur den kleinen Handel in Deutschland auszulöschen mit dem Büromonster Deutschland und EU!
K.I
23.01.2025

Antworten

Meinung: da können doch auch alle Abmanhn Vereine und Anwälte verpflichtet werden diese Händler zu melden. Die suchen doch den ganzen Tag mit ihrer speziell entwickelten Software nach deutschen Händlern die abgemahnt werden können. Einfach die Software auf chinesische Händler umstellen!
Sascha Ballweg
24.01.2025
… und die Abmahnvereine und Anwälte verklagen dann jemanden, der seinen Sitz in China hat? Finde den Fehler :/
cf
27.01.2025
Das wäre sicher ein riesiger Umsatz für die Anwält - wenn die Strafverfolgung ins Ausland mal möglich wäre.... Wenn die Anwälte sich dann aus "Nettigkeit" auch mehr auf diesen Markt konzentrieren würden und die inländischen kleinen Shops etwas "zurückstellen", dann würde es auch wieder Spaß machen einen Shop zu betreiben...
Carmen Sch.
23.01.2025

Antworten

Bei Ali kann man schon seit zig Jahren bestellen, das hat niemanden interessiert, jetzt gibt es Temu und es ist plötzlich schlimm. Außerdem bekommt man die identischen Artikel bei Amazon und co., nur 4x so teuer und das juckt auch keinen.
Sascha Ballweg
21.01.2025

Antworten

Wenigstens die GPSR muss zu 100 % umgesetzt und geprüft werden. Dazu müssen bei Verstößen auch die Marktplätze auch in eine Marktplatzhaftung genommen werden. Auch Amazon und ebay. Denn da sieht es nicht viel besser aus als auf Temu, Shein etc. und anders wird man dem Problem einfach nicht Herr. Meldet man Heute einen Verstoß, wird das von Amazon und ebay einfach ignoriert oder bestenfalls auf die sehr lange Bank geschoben. Dies aber auch von den Deutschen Behörden, vermutlich weil diese die gemeldeten Verstößen auch nicht mehr in den Griff bekommen. Im Grunde müsste man die Waren bereits vor dem passieren des Ozeans kontrollieren und gar nicht erst auf den Weg bringen, denn auch containerweise Entsorgung kostet, wenn sie im eigenen Hafen stattfinden muss.
SH
21.01.2025

Antworten

"fordern ein gemeinsames Vorgehen bei der Kontrolle von Paketen, die von chinesischen Plattformen stammen" => Bei der Anzahl von Beanstandungen wäre 100% Kontrolle angesagt bis die Beanstandungen in den einstelligen Bereich sinken. Egal ob das einen Riesenstau an Paketen gibt. Aber wir haben nur noch Bücklinge und Schwächlinge gegenüber China in unserer gesamten Politik. Läuft für China und deren Ziel das westliche Modell durch den „chinesischen Weg“ abzulösen. Wann wird nun unser erster nationaler Volkskongress den ersten chinesischenstämmigen Bundeskanzler wählen?
ralf
21.01.2025

Antworten

Wow, kann man da nur Sagen. Wie heißt es doch so schön: Interessiert wie, als ob in China ein Sack Reis umfällt. Den Chinesen interessiert es als ob in Europa ein Sack Kartoffeln umfällt. Wer hätte das Gedacht, wenn man Hersteller und Händler in Europa verpflichtet, dass damit Chinaware nicht sicherer wird. Warum sollte ein Chinesicher Hersteller sich auch dafür interessieren? Wenn A der eigene chinesische Markt größer ist, als der der gesamten EU und B ich als Chinesischer Hersteller , die USA und der gesamte Rest der Welt als Markt zur Verfügung habe? Der EU Markt hat nur 3 % der gesamten Weltbevölkerung. Warum soll ich also als Chinesischer Händler/Hersteller meine Produktion umstellen und die Bürokratie mitmachen? Entweder man liefert als Chinese nicht mehr dahin oder ignoriert es, da weder die Strafverfolgung nach China noch der europäische Zoll in der Lage ist, die Lieferung meiner Produkte zu stoppen. Als Chinesischer Geschäftmann freut man sich über jede weitere EU-Verordung, lähmt es doch die Konkurrenz innerhalb des Europäischen Marktes und macht deren Produkten teurer. So teuer, das man als EU Geschäftsmann weder im Weltmarkt noch im eigenen EU Markt mit der Konkurrenz von ausserhalb mithalten kann. So schädigt man nicht nur die hiesige Wirtschaft, sondern zwingt europäische Unternehmen den Standort ausserhalb der EU zu verlegen. Auf Kosten der Wirtschaft, Arbeitsplätze und der Umwelt. Danke EU. Dafür geht aber der Staubsauger nicht Flammen auf. BTW. Meine Mutter hat noch den Vorwerk-Staubsauger aus den 70zigern in Betrieb. Also noch vor 1981 und der hat bis heute noch nicht einmal gebrannt. Wie ist das möglich, wenn es damals noch keine GPSR gab?
Frank2
21.01.2025

Antworten

Dann sollen se endlich die Plattformen schließen, dann kann der Zoll sich auf die regulären Importe konzentrieren...
cf
21.01.2025

Antworten

Echt? Ich hätte niemals gedacht, dass die Produkte nicht konform sind oder sich die Händler womöglich erdreisten die ganzen EU-Verordnungen nicht einzuhalten... Wenn das jetzt erst auffällt, dann weiß ich auch nicht mehr weiter. Seit Jahren laufen diese Geschäfte so und die EU erlässt fleißig weiter Verordnungen an die sich aufgrund der Abmahngefahr nur inländische Unternehmen halten und alle anderen machen fröhlich weiter und freuen sich über steigende Umsätze, da die Menschen die immer teurer werdenden inländischen Onlineshops nicht mehr bezahlen können/wollen. AUFWACHEN!!!