80 Prozent der Shein-Produkte sind rechtswidrig: Wo bleibt die europäische Lösung?

Veröffentlicht: 10.11.2025
imgAktualisierung: 10.11.2025
Geschrieben von: Christoph Pech
Lesezeit: ca. 2 Min.
10.11.2025
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Shein-Logo
Wirestock / Depositphotos.com
Frankreich kontrollierte 200.000 Shein-Pakete und fand zahlreiche Verstöße gegen EU-Standards. Wird jetzt auch Deutschland aktiv?


Die französischen Behörden haben eine großangelegte Kontrolle gegen die chinesische E-Commerce-Plattform Shein durchgeführt und rund 200.000 Pakete am Pariser Flughafen geprüft. Ziel der Aktion ist es, die Einhaltung von Produktstandards sowie Zollvorschriften sicherzustellen. Neben den Zollbehörden sind auch die Wettbewerbs- und Verbraucherschutzbehörden beteiligt.

Laut Finanzministerin Amélie de Montchalin wurden bereits zahlreiche Verstöße festgestellt. Dazu zählen unter anderem gefährliches Spielzeug, gefälschte Waren sowie nicht zugelassene Kosmetika. Die französische Regierung sieht in den festgestellten Verstößen eine ernsthafte Bedrohung für Verbraucher:innen und den fairen Wettbewerb. Handelsminister Serge Papin zufolge sei bei vorangegangenen Kontrollen festgestellt worden, dass 80 Prozent der überprüften Produkte von Shein nicht den EU-Normen entsprächen.

Ähnliche Maßnahmen in Deutschland?

Auch in Deutschland wird die Entwicklung aufmerksam verfolgt. Der Handelsverband HDE hat zu strengeren Kontrollen gegen asiatische Online-Plattformen wie Shein und Temu aufgerufen. Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des HDE, fordert ein konsequentes Vorgehen gegen Rechtsverstöße durch diese Anbieter, wie die Tagesschau berichtet. Insbesondere geht es um die Einhaltung von Produktstandards, den Schutz der Verbraucher:innen sowie die Sicherung fairer Wettbewerbsbedingungen.

Die französische Regierung geht rigoroser vor. Angesichts eines Skandals um Sexpuppen plante Frankreich kurzzeitig, die Plattform Shein vorläufig zu sperren. Davon hat die Regierung aber wieder Abstand genommen. Gleichzeitig fordert das Land ein entschlossenes Vorgehen auf europäischer Ebene. Die EU-Kommission hat daraufhin Unterstützung signalisiert, sieht jedoch aktuell von einer sofortigen Sperrung ab.

Europäische Antwort?

Die Maßnahmen Frankreichs werfen ein Schlaglicht auf den Umgang mit global agierenden E-Commerce-Plattformen, die zunehmend unter Verdacht stehen, gegen europäische Standards zu verstoßen. Während Frankreich mit seiner rigorosen Vorgehensweise ein Zeichen setzen will, herrscht auf europäischer Ebene Uneinigkeit über das weitere Vorgehen. Das kritisiert auch Händlerbund-CEO Tim Arlt: „Es kann nicht sein, dass kleine Händler an Verpackungspflichten scheitern, während Plattformen aus Drittstaaten unkontrolliert Waren ohne Sicherheitsstandards verkaufen. Europa muss endlich für gleiche Regeln für alle sorgen.“

Die Diskussion zeigt, wie schwierig es ist, effektive Maßnahmen gegen Regelverstöße internationaler Unternehmen zu ergreifen, ohne dabei den freien Warenverkehr innerhalb der EU zu beeinträchtigen. Dennoch wird die Forderung nach strengeren Kontrollen und klareren Vorgaben lauter. Die französische Regierung sieht die Notwendigkeit, nicht nur nationale Schritte zu ergreifen, sondern auch Druck auf die EU-Kommission auszuüben, um koordinierte Maßnahmen umzusetzen.

Veröffentlicht: 10.11.2025
img Letzte Aktualisierung: 10.11.2025
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Christoph Pech

Christoph Pech

Christoph schreibt über KI, digitale Innovationen und Payment-Lösungen – immer mit einem Blick auf smarte Technologien.

KOMMENTARE
5 Kommentare
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Christopher Schneider
11.11.2025

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das nennt sich dann Bürokratieabbau. Wir online Händler ächzen unter der Bürokratielast, alle paar Monate kommt ein neues Monster und die EU hat es noch nicht mal geschafft, dass man all die leidigen Behördengänge verkürzt, digitalisiert usw. Geschweige denn ein einheitliches Abfallanmeldesystem zu schaffen. Einfach die Gesamtmenge melden und gut ist, statt in 28 EU Staaten einen Bevollmächtigten zu stellen, separat am besten wir Batterien, Elektroschrott und anderen Müll/Wertstoffe.
Sandra
11.11.2025

Antworten

Ich lach mich tot! Klar - jedes Jahr werden mehr Artikel "nicht-EU konform" sein. Aber - ganz einfache Lösung. Der Kunde will ja alles unbedingt ganz schnell. Und über Shein, Temu & Co. funktioniert das ja auch ganz gut mittlerweile, weil die Flut an Paketen gar nicht mehr zu bewältigen ist. Ich würde ganz einfach ALLE Pakete von da stoppen und erst weiterleiten, WENN sie tatsächlich geprüft sind. Wahrscheinlich müsste man dann direkt neben dem Flughafen eine Mülldeponie bauen, aber ich glaube, das wäre finanzierbar mit den ganzen Strafgebühren für die ausländischen Händler, Zölle, USt, etc. Also - ALLEs stoppen und erst NACH Kontrolle weiterleiten. So würde der europäische Kunde vor gefährlichen Produkten auch geschützt sein, die er selbst in China bestellt hat.
ralf
11.11.2025

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Entweder nicht 80 % EU Konform oder 80 % der EU Regelungen sind überflüssig. Logisch jedenfalls ist, je mehr Regelungen seitens der EU gemacht werden, desto weniger Waren werden Konform sein und der "Norm" entprechen und dem Verbraucher interessiert es null, denn dann würde man ja keine nicht EU Konforme Artikel rausfischen müssen. Ein Monster, welches man selber erschuf. Aber warum sollte sich der Rest der Welt um Regelungen von den 3 % der Weltbevölkerung nur im geringsten interessieren. Wie arrogant ist eigentlich die EU? Die 97 % bräuchten nur mal für einen Monat Lieferstopp zu machen.......
Robert
11.11.2025

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Beschreibe Europa und Deutschland in einem Satz: Alles ist bis ins kleinste Detail reguliert - aber es funktioniert dennoch nicht. Irgendwie klingt es doch einfach: Was nicht europäischen Regeln entspricht, darf nicht rein. Während sich die regelungswütigen Bürokraten der Legislative ihre Finger an immer abstruseren Regeln wund schreiben, vergessen sie es schlicht, der Exekutive genügend Ressourcen zu verpassen, um dem Irrsinn Einhalt zu gebieten. Es ist ja auch viel einfacher, einen europäischen Onlinehändler abzumahmen oder sonstwie anzuzählen, weil in seinen AGB ein Komma fehlt, als einen chinesischen Onliehändler vor den Kadi zu ziehen. Der übt sich derweil in "Flooding the zone with shit" und wäscht sich seine Hände in den schmutzig verdienten Euros - zu Lasten der ehrlichen, seriösen Händler:innen, die in der EU versuchen, alles einigermaßen richtig zu machen.
cf
11.11.2025

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Oh, das ist aber neu, dass die meisten Produkte und Webseiten die EU-Richtlinien nicht einhalten. Da müsste die EU doch mal etwas machen.... Ach Moment: Die EU hat ja schon tausende von Verordnungen ausgerufen. Warum hält sich da bloß keiner dran, wenn es doch irgendwo geschrieben steht? Total merkwürdig. Vielleicht sollte die Einhaltung doch mal geprüft werden, aber das ist aufwändig beim Zoll, Personal gibt es eh zu wenig - lass uns doch einfach das mit den Fähnchen machen... merkt schon keiner...