Hohe Kosten und potenzielle Willkür: Amazon-Händler hadern mit erweiterter A-bis-z-Garantie

Veröffentlicht: 04.06.2024
imgAktualisierung: 04.06.2024
Geschrieben von: Tina Plewinski
Lesezeit: ca. 4 Min.
04.06.2024
img 04.06.2024
ca. 4 Min.
Ein Amazon-Händler in Sorge, der sich die Haare rauft
© Erstellt mit DALL-E
Mit der Erweiterung seiner A-bis-z-Garantie sorgt Amazon bei seinen Händlern für viel Wirbel, Fragen und auch Ängste.


In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass Amazon seine bekannte A-bis-z-Garantie künftig auch auf Sach- oder Personenschäden ausweitet, die durch fehlerhafte Produkte von Marktplatz-Sellern verursacht werden. Durch diesen Schritt nimmt der Konzern Händlerinnen und Händler noch stärker in die Pflicht – darüber scheint weitläufig Einigkeit zu bestehen. 

Ein Blick in die ersten Reaktionen und Kommentare im SellerCentral zeigt: Unternehmen haben offenbar nicht nur Fragen, was die Feinheiten der Umsetzung angeht, sondern fürchten aufgrund der Neuerung auch eine unfaire Verfahrensweise durch Amazon, einen Missbrauch durch die Kundschaft und höhere Kosten.

Vorwurf: Neue Regelung könnte Missbrauch Vorschub leisten

Immer wieder tauchten in der Vergangenheit Berichte von Händlerinnen und Händler im SellerCentral auf, die sich um unliebsame Erfahrungen mit der A-bis-z-Garantie drehten: Dabei baten diese oft um Hilfe aus den Reihen „erfahrener Hasen“ im Geschäft, weil sie beispielsweise mit Entscheidungen des Marktplatzbetreibers nicht zufrieden waren. 

Vor diesem Hintergrund verwundert es eher nicht, dass von Befürchtungen zu lesen ist, dass Amazon bei Problemen häufig zugunsten der Kundinnen und Kunden entscheiden könnte und die Seller das Nachsehen haben. Auch das potenzielle Risiko des Missbrauchs durch Käuferinnen und Käufer steht dabei offenbar im Raum.

Insbesondere die Frage, wann ein Produkt tatsächlich „nachweislich“ fehlerhaft ist, wird in den Kommentaren unter anderem diskutiert. Wenn Amazon vorliegende Fälle nach eigener Einschätzung als „legitim“ einstuft, sei dies lediglich eine Meinung und nicht zwangsläufig eine neutrale Bewertung der Sachlage, so die Sorge.

Weitere Themen:

 

Grenzen und Kosten rund um die Versicherungspflicht

Auch die von Amazon angesprochene Versicherungspflichtgrenze wirft unter den Sellern Fragen auf. Zwar gibt der Konzern hier unter anderem eine konkrete Höhe von 5.000 Euro als Schwellwert für die deutsche Amazon-Website an, doch gerade eine andere Formulierung lässt die Händlerinnen und Händler aufhorchen: „Wenn der Bruttoerlös aus Ihren Transaktionen in einem Monat die geltende Versicherungspflichtgrenze übersteigt oder anderweitig von uns verlangt wird, müssen Sie innerhalb von dreißig (30) Tagen eine öffentliche Haftpflichtversicherung abschließen.“ Konkret die Textstelle „oder anderweitig von uns verlangt wird“ wird offenbar als irritierend empfunden, da hier möglicherweise einer Art Willkür Platz geschaffen werde. 

Während einige Händlerinnen und Händler ganz allgemein anfallende Versicherungskosten als Problem empfinden, verweist ein anderer Nutzer darauf, dass es wohl eher problematisch sei, „dass Amazon plant, die Legitimation selbst vorzunehmen und die Händler im Voraus zu belasten, bevor die eigene Versicherung geprüft hat, ob die Ansprüche rechtens sind“. In Folge käme auf Seller eine womöglich kompliziertere Auseinandersetzung mit den Versicherern zu.

Auch müssten Seller in Erfahrung bringen, ob ihre Versicherer, soweit sie einen solchen bereits in Anspruch genommen haben, die Anforderungen erfüllen können, die im Rahmen der erweiterten A-bis-z-Garantie von Amazon gestellt werden – oder ob in der Praxis lediglich die empfohlene Allianz Abhilfe schaffen kann. 

Kontensperrungen werden auch hier zum Thema

Weiterhin ins Auge sticht die Sorge, dass es im Fall uneindeutiger Zwischenfälle schlimmstenfalls womöglich zu Kontensperrungen kommen könnte. Sind sich Händlerinnen bzw. Händler und Amazon nicht einig, dürfte der Marktplatzbetreiber gerade mit Blick auf seine angepriesene Kundenfreundlichkeit eben am längeren Hebel sitzen.

Ob sich die Befürchtungen rund um die Erweiterung der A-bis-z-Garantie am Ende tatsächlich bewahrheiten oder ob sie am Ende zu ärgerlichen, aber weniger dramatischen Einzelfällen führt, wird sich wohl erst in den kommenden Wochen und Monaten zeigen. Bis dato ist es zumindest ein Thema, das die Händlerschaft beschäftigt. 

Veröffentlicht: 04.06.2024
img Letzte Aktualisierung: 04.06.2024
Lesezeit: ca. 4 Min.
Artikel weiterempfehlen
Tina Plewinski

Tina Plewinski

Tina fokussiert sich auf Amazon, Marketingstrategien und digitale Plattformen – inklusive der Schattenseiten wie Online-Kriminalität.

KOMMENTARE
9 Kommentare
Kommentar schreiben

Rath
08.06.2024

Antworten

Auf ebay.de und besonders auf ebay.com läuft ähnliches. Die Versandzeiten ins Ausland sind deutlich zu kurz angegeben (selbst wenn Economic ausgewählt und Premium verschickt wird). Trotz Sendungsverlauf , der besagt, dass es im Zoll hängt, wird einfach erstattet. Kunde erhält Ware dann wenig Tage später zum Nulltarif, weil ICH nicht pünktlich gelifert habe (zu ebay unabänderbaren Versandlaufzeiten).
Trotz Sendungsverlauf mit eingetragenem Empfängernamen wurde auch bereits erstattet. Ebay.com ist derart kulant, dass ich es seitdem vermeide, dass Kunden über diese Plattform bei meinen ebay.de-Angebot en etwas kaufen können. Zumal ich keinen Vertrag mit ebay.com habe und von ebay.de immer nur die Aussage kommt, man könne da nix machen...
Drago
08.06.2024

Antworten

Es bleibt nur eines kehrt Amazon den Rücken. Das ist die einzige Sprache, die die verstehen würden.
Ich verstehe aber auch nicht, dass die gesamte Händlerschaft bei amazon sich nicht organisiert und diesen Garagenbuchhänd ler Jeff Bezos nicht in seie Schranken verweist.
Geboren um zu betrügen und andere fertig zu machen. Ganz ehrlich: Ebay hätte gereicht.
Den Amazonkonzern braucht keiner. Dann lieber ne Nummer kleiner und bei ebay und Co letztlich mit weniger Stress mehr verdient.
Kim
08.06.2024

Antworten

„oder ob in der Praxis lediglich die empfohlene Allianz Abhilfe schaffen kann.“

Es wäre löblich, wenn die Allianz ein solches Produkt anbieten würde. Auf Nachfrage wissen die allerdings überhaupt nichts von ihrem Glück. Es gibt scheinbar keine Kooperation, Absprache oder ein entsprechendes Produkt das die Forderungen von Amazon erfüllt.
Petra
05.06.2024

Antworten

Es ist doch offensichtlich, dass Amazon keine Händler mehr auf der Plattform möchte. Das Ziel von Amazon ist es, nur noch Hersteller zu haben oder selber als Händler aufzutreten. Dann bleibt nähmlich die gesamte Marge bei Amazon und es ist einer weniger in der Verdienstkette.

Man kann dem ganz einfach entgegenwirken, indem man auf anderen Plattformen, die sich so nicht verhalten, und im eigenen Shop günstiger anbietet als bei Amazon. Die Kunden lernen dann dass Amazon teuer ist und schauen anderweitig im Netz. Auch wenn es nicht alle Kunden warnehmen, ist es doch ein so großer Prozentsatz, dass Amazon im Wachstum durch weniger Umsatz gebremst wird und andere wachsen können, so dass es wieder Konkurenz zwischen den Marktplätzen gibt. Meine Erfahrung ist, dass die Kunden etwa ab 7% günstiger als Amazon anfangen von Amazon abzuwendern.
Ralf Ternes
05.06.2024

Antworten

Sobald dies richtig bekannt ist, werden auf Kanälen wie Telegramm Lehrvideos darüber verbreitet wie man bei Amazon durch gefakte Schadensansprüc he an Geld kommt. So wie es mit "Rücksendungen" halt auch gemacht wird. Und ich fände es interessant, wenn die Redaktion mal sich dem Thema annehmen würde, dass bei allen Sendungen, die bei Amazon keine Sendungsnummer haben den Käufern angezeigt wird, dass die Sendung möglicherweise verloren gegangen ist. Seit Amazon dies anzeigt arbeitet die Post auf einmal viele viel schlampiger. Wenn es auch ein anderes Thema ist, kann man hier schön erkennen, was mit der neuen A-Z Garantie passieren wird. Daher habe ich Zweifel, dass Versicherer, wenn Sie genauer wüßten wie der Hase läuft, hier nichts absichern würden wollen. Als Versicherer würde ich da keinen Verkäufer wegen der neuen A-Z absichern wollen, da zu unkalkulierbar das Risiko. Amazon wird aber denen Zahlen vorlegen aus der Vergangenheit wo es die A-Z für Sach- und Personenschäden noch nicht gab. Die sehen für die Versicherer natürlich prächtig aus. Aber Versicherungsun ternehmen haben halt nicht die Erfahrung von Amazonhändler und werden hier vermutlich blauäugig zuschlagen, um später dann festzustellen, dass sie die Gebühren drastisch für den Versicherungssc hutz erhöhen müssen um noch was zu verdienen.
Stephan
05.06.2024

Antworten

die Haftung durch den Hersteller ist selbstverständl ich. Darf man mich als Hersteller dann dazu zwingen oder nötigen eine Versicherung abzuschliessen ? Es wird mit Sperre der Artikel gedroht . Was sagt das Kartellamt ?
K.I.
05.06.2024

Antworten

so wie Ron es schreibt haben wir es aktuell auch wieder einmal erlebt. Alle Politiker und Behörden schauen einfach nur hilflos zu wie dieses amerikanische Unternehmen macht was es will! Armes Deutschland nirgends mehr Fachkräfte! Alle lassen sich von Amazon vorführen und.....
Paul
05.06.2024

Antworten

Ob Auszahlungsrück stellungen von bis zu 6 Wochen, weil Käufer monatliche Rechnung bei AMA in Anspruch nimmt, die jetzt schon mißbräuchliche A-Z Garantie, oder für den Händler unkontrollierba res Verhalten bei Rücksendungskos ten - die neue A-Z Garantie ist nun die Krönung!

AMA profiliert sich mal wieder voll auf Kosten seiner Händler und beteiligt sich nicht im Geringsten an den Aufwendungen für einen besseren Service und Kundengewinnung . Ganz im Gegenteil - ständig steigenden Gebühren und immer höhere Kosten für Ads kommen nur einem zugute…

Zeit von dieser Plattform Abstand zu nehmen!
Ron
04.06.2024

Antworten

die a-z Garantie wird intensiv mißbräuchlich genutzt. Amazon weiß das, und fördert dieses Kundenverhalten mit immer neuen kleinen Schachzügen. Seit einiger Zeit, wird den Kunden sogar empfohlen das Geld zurückzuholen - wenn Amazon z.B. der Meinung ist, das irgendwas nicht stimmt. Der Händler hat hierbei kein Mitspracherecht . So wird seitens mancher Kunden, die behaupten, die Sendung sei nicht angekommenm, einfach das Geld erstattet. Trotz DHL Zustellnachweiß.

Selbstverständlich wird die erweitere A-Z daramtisch Mißbraucht werden, und dies schon in der ersten Woche der Verfügbarkeit.

Auf keiner anderen Plattform, wird der Kunde animimiert Versandbetrug zu versuchen wie auf Amazon - nicht aus Zufall, sondern weil es die Plattform unterstützt.