Generalistische und spezialisierte Marktplätze ticken unterschiedlich
Generalistische Marktplätze verfügen in der Regel über eine große Reichweite, ein hohes Vertrauen der Kundschaft und erlauben Händler:innen einen einfachen Markteintritt in verschiedenste Produktkategorien. Aufgrund der Vielzahl von Anbieter:innen ist die Konkurrenz dort jedoch sehr hoch, und es ist entsprechend schwer, ein gutes Ranking zu erzielen. Auf großen, generalisierten Marktplätzen besteht außerdem die Gefahr einer Wettbewerbsverzerrung durch Anbieter:innen aus aller Welt, die sich nicht an in der EU bestehende Regeln und Richtlinien halten (oder halten müssen).
Spezialisierte Marktplätze können kundenspezifische Aspekte wie Demografie und Kaufkraft sowie nationale Anforderungen deutlich besser berücksichtigen. Händler:innen haben es hier einfacher, ein besseres Ranking zu erzielen und es findet in der Regel keine Wettbewerbsverzerrung durch den Weltmarkt statt. Die größte Herausforderung für Betreiber:innen spezialisierter Marktplätzen ist es, für ausreichenden Traffic zu sorgen.
Dafür benötigt es diverse Faktoren, über einige sprachen wir bereits: Das Berücksichtigen der Ziele und Bedürfnisse von Händler:innen und Kund:innen, die richtigen Drittanbieter:innen, ständige Qualitätskontrollen, effektive Suchtools, unkomplizierte Bezahlvorgänge, schnelle Lieferzeiten, einen hervorragenden Service, eine strategische und technologische Einbindung des Marktplatzes sowie die Fähigkeit, Wachstumschancen zu erkennen.
Marktplätze bieten Chancen, nicht Kannibalisierung
Und nicht nur Händler:innen, sondern auch Verbraucher:innen profitieren von spezialisierten Marktplätzen. Die Suche nach dem richtigen Artikel kann auf großen Marktplätzen schnell zu einem aufwendigen und langwierigen Prozess werden. Ein kuratiertes Sortiment erleichtert Kund:innen die Produktauswahl und senkt gleichzeitig das Risiko eines Fehlkaufs. Verbraucher:innen belohnen es, wenn ein Marktplatz ihren Bedürfnissen entspricht. Das macht unsere globale Verbraucherumfrage „Status quo der Online-Marktplatz-Akzeptanz“ deutlich: 70 Prozent der Deutschen gehen davon aus, dass sie Marktplätze in Zukunft in gleichem Umfang oder noch stärker nutzen.
Was mir in diesem Zuge häufig begegnet, ist die Sorge vieler Händler:innen, dass die Einführung von externen Produkten einen unerwünschten Wettbewerb auf der eigenen Plattform nach sich zieht und sie auf ihren Beständen sitzen bleiben. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall, wie auch eine Studie von McKinsey belegt: Unternehmen, die einen Marktplatz eröffnet haben, hatten in den vergangenen Jahren eine 1,7-fach höhere Wahrscheinlichkeit, ihren Marktanteil zu vergrößern.
Wenn Unternehmen diesen Mythos der Marktplatz-Kannibalisierung hinter sich lassen, dann erkennen sie die Chancen des Marktplatzmodells: Eine schnelle Skalierbarkeit zur Einführung von Produkten oder Dienstleistungen, mit denen sie die Wünsche ihrer Kund:innen erfüllen und flexibler auf die sich verändernden Bedürfnisse reagieren können. Das ist heute sehr wichtig, denn wenn Verbraucher:innen auf einer Website nicht das finden, was sie suchen, dann ist die nächste Website nur einen Klick entfernt.
Vielen Dank für das Gespräch!
Über Georg Sobczak
Georg Sobczak verantwortet als Regional Vice President DACH bei Mirakl die Wachstumsstrategie des SaaS-Anbieters für B2C- und B2B-Onlinemarktplätze in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sobczak verfügt über mehr als zehn Jahre Erfahrung in der Entwicklung von Vertriebs-, Markteinführungs- und Wachstumsstrategien sowie ein tiefgreifendes Verständnis von SaaS-Geschäftsmodellen. Bevor er 2021 zu Mirakl stieß, war er unter anderem für den Launch und Aufbau der DACH-Region bei Criteo und Pixmania tätig.
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Außerdem frage ich mich, ob Firmen, die Marktplätze anbieten, gendert werden müssen. Dass eine einzelne Person einen (erfolgreichen) Marktplatz betreibt, halte ich für ziemlich ausgeschlossen. DIE Firma ist weiblich, warum dann das ganze Gendern?
Das Berücksichtigen der Ziele und Bedürfnisse von Händler:innen und Kund:innen, die richtigen Drittanbieter:i nnen - das geht runter wie Stacheldraht
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Die Redaktion sollte wirklich überdenken, ob das übergriffige Gendern in solchen Texten zielführend ist und sich vielleicht wieder auf die vernünftige und korrekte deutsche Schreibweise besinnen...
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Antwort der Redaktion
Hallo Paul M.,
vielen Dank für Ihr Feedback. Wir freuen uns, dass Sie Ihnen der Beitrag gefällt.
Es handelt sich um ein Interview mit Herrn Sobczaks, der gendergerechte Kennzeichnungen in seinen Antworten verwendet hat. Wir freuen uns, wenn sich von unseren Inhalten möglichst alle gern angesprochen fühlen und befürworten daher eine gendersensible Sprache. Wir bemühen uns, einen sprachlichen Spagat zu finden. Ihr Feedback hilft uns dabei, in zukünftigen Beiträgen die richtige Balance zu finden.
Beste Grüße
die Redaktion
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