Darum launcht Amazon einen eigenen Marktplatz in Polen
Amazon-Experte Gerrit Heinemann hat diesen Schritt in einer Analyse von Amazons internationaler Strategie bereits prognostiziert. „Im Grunde ist dieser Start ja gar keiner, denn es gibt ja jetzt schon nennenswerte Cross-border-Umsätze“, erklärt er. „Das war ja auch der Grund für Amazon, mit einer eigenen Webseite in eigener Sprache an den Start zu gehen. Und eine eigene Gesellschaft für Polen wird auch bald folgen, das is so sicher wie das Amen in der Kirche.“ In Sachen Logistik ist der E-Commerce-Riese schon längst präsent: Amazon betreibt in Polen bereits neun Fulfillment-Standorte mit rund 18.000 festangestellten Mitarbeitern – mehr als in Deutschland. „Sicherlich wird der Prime-Standard für Bestellungen mit den direkt verfügbaren Amazon-Warenlagern schneller zu halten sein, als beim Markteintritt in den Niederlanden und Schweden“, erklärt André Schell, Experte für europäische Marktplätze von Marketsupply.
Der polnische E-Commerce-Markt konnte in den vergangenen Jahren ein relativ gutes Wachstum verzeichnen, hinzu kommt eine im Schnitt junge rund 40 Millionen große Bevölkerung – also gute Bedingungen für große Umsätze im Online-Handel. Doch mit Allegro gibt es in Polen bereits einen Online-Marktplatz, der den E-Commerce dominiert – noch. Marktführer Allegro hat nach eigenen Angaben rund 100.000 kleine Händler und rund zwölf Millionen aktive Kunden. „Allegro ist derzeit für rund 40 Pozent des polnischen E-Commerce-Umsatzes verantwortlich. Wie sehr der Platzhirsch sein Klientel versteht, wird im Erfolg des Food-Geschäfts ersichtlich. Hier erwirtschaftet Allegro bereits Gewinne, während der vielversprechende Sektor für andere Anbieter noch immer ein Verlustgeschäft ist“, weiß Schell. Nach Amazons Ankündigung sank die seit Oktober an der polnischen Börse gehandelte Allegro-Aktie allerdings um sieben Prozent.
Kommentar schreiben