Viele Händler fühlen sich von Amazon gegängelt
Die Doppelrolle, die Amazon im Online-Handel einnimmt, ist ein Faktor, den Kritiker und Wettbewerbshüter immer wieder aufgreifen: Da Amazon seinen Online-Marktplatz einerseits zig-Tausenden Händlern als einen der wichtigsten Vertriebskanäle zur Verfügung stellt, andererseits aber selbst auf diesem Marktplatz handelt, besteht für den Konzern in der Theorie grundsätzlich die Möglichkeit, die eigene Marktmacht zu missbrauchen – beispielsweise, indem sensible Händlerdaten für eigene Zwecke genutzt werden.
Auch dieser Faktor wurde im Rahmen der Abschlussarbeit in den Blick gerückt: „In Bezug auf einen möglichen Marktmachtmissbrauch durch Amazon sind die Händler mit großer Mehrheit der Meinung, dass Amazon die Daten ebenjener für eigene Zwecke missbraucht“, kommentiert Priehs mit Blick auf seine erhobenen Daten.
Diese Annahme der Händler begründe sich beispielsweise in der Erfahrung, die sie auf dem Amazon Marketplace gemacht haben: Laut der Auswertung waren bereits mehr als 70 Prozent der befragten Händler in der Vergangenheit schon mindestens einmal von einer (nach eigenen Aussagen) unbegründeten Löschung oder einer Deaktivierung von Angeboten betroffen. „Höchst beunruhigend ist dabei die Tatsache, dass Händler, die mit mindestens einem Produkt in direkter Konkurrenz zu Amazon stehen, deutlich häufiger betroffen sind als Händler, die nicht in Konkurrenz zu Amazon agieren – ein Indiz dafür, dass Amazon direkte Konkurrenten häufiger benachteiligt als Nicht-Konkurrenten.“
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