Kleidung, Elektronikartikel, Schmuck, Instrumente – kaum ein Produktsegment ist nicht von Produktfälschungen betroffen. Die Plagiate, die man früher eher auf Schwarzmärkten gefunden hat, fanden in den vergangenen Jahren zusehends ihren Weg auf seriöse Online-Plattformen wie Amazon oder auch Ebay. Für die Marktplätze stellen die Produktfälschungen ein ernstes Problem dar. Besonders ärgerlich ist es aber für die Hersteller der Originale.
Eine schöne Uhr sollte es werden, die Martin Renner (Name von der Redaktion geändert) seiner Freundin vor knapp einem Jahr schenken wollte. Auf Ebay Kleinanzeigen entdeckte er bei seiner Online-Recherche dann ein verlockendes Angebot: Eine Uhr der Marke Paul Hewitt zu einem sehr günstigen Preis. Beim Verkäufer erkundigt er sich deshalb, in welchem Zustand sich die Uhr befinde und ob der originale Karton noch vorhanden sei – schließlich sollte es ein Geschenk werden. Die Lieferung, wie der Verkäufer erklärt, beinhalte nur die Uhr. „Deshalb ist der Preis auch so günstig angesetzt“, so die Begründung. Martin Renner war trotzdem an der Uhr interessiert – doch der niedrige Preis macht ihn stutzig, weshalb er per PayPal zahlt. Als die Uhr dann einige Tage später bei ihm ankommt, war ihm schnell klar: Das kann kein Original sein. Renner sah sich nochmal auf der Plattform um und entdeckte einige Angebote, die ähnlich günstig waren. Paul-Hewitt-Uhren zu unschlagbaren Preisen. Können die echt sein?
Wohl kaum, wie auch unsere Nachfrage beim Hersteller damals ergab. Man sei „stark“ von Produktfälschungen betroffen, erklärte Tobias Kuhlmann, Team Leader Legal bei Paul Hewitt. „Vor ungefähr zwei Jahren sind wir auf das Problem aufmerksam geworden.“ Vor allem die markanten Armbänder und Uhren mit dem Anker werden kopiert. Und die Produktfälscher werden immer schneller, so der Eindruck beim Uhrenhersteller: „Wir beobachten, dass die Produktfälscher immer schneller auf unsere Neuheiten reagieren und sich daher innerhalb kürzester Zeit ‚alternative‘ Modelle im Netz und insbesondere auf den gängigen Plattformen finden lassen.“ Man könne fast schon von einer Professionalisierung bei Plagiatsherstellern sprechen, so Kuhlmann.



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