„Amazon geht dahin, wo es Geld verdienen kann“
OnlinehändlerNews: Amazon ist mit seiner Plattform auch im B2B-Geschäft aktiv – wie können sie sich dagegen behaupten?
Jens Dissmann: Wir haben ja ein anderes Modell. Amazon sagt: „Lieber Lieferant, wenn du deine Produkte über mich verkaufen möchtest, kannst du das tun, dafür möchte ich einen prozentualen Anteil haben“ – so arbeiten wir nicht. Wir sind Vertragspartner und kaufen die Produkte ein. Was Amazon aufgrund seiner Marktpositionierung nicht kann, ist die Neutralität. Vernetzen liegt auch nicht im Interesse von Amazon – das ist aber unserer Meinung nach eine wichtige Komponente des B- und des C-Teile-Handels. Unsere Plattform bietet hier weitreichende Möglichkeiten, da grenzen wir uns deutlich ab. Auch die System-Anbindung ist bei uns völlig anders: Wir sind ganz ganz tief in den Systemen unserer Partner drin: Wir haben eine Mandanten-Verwaltung, Exklusivkataloge und mehr – Komponenten, die nicht im Interesse von Amazon liegen und dort auch nicht zur Verfügung stehen. Außerdem haben wir eine europäische Perspektive – Amazon hingegen geht dahin, wo es mit dem Amazon-Modell Geld verdienen werden kann.
Lovis Kauf: Was uns zusätzlich von anderen Anbietern unterscheidet, ist unsere Sortimentsbreite, die Möglichkeit zur einfachen Internationalisierung und Managed Supply, den unser Lieferantenmanagement prüft, um Kundenanforderungen optimal gerecht zu werden.
„Wir sind im Dialog mit Alibaba“
OnlinehändlerNews: Bleiben wir bei den Big Playern – ist nicht Alibaba inzwischen der größte Herausforderer auch auf dem B2B-Markt?
Jens Dissmann: Alibaba ist ein Gigant. Ich empfinde es aber derzeit noch nicht als unmittelbaren Konkurrenten, aber die Plattform ist spannend und bemerkenswert. Der Gründer Jack Ma sagt ja in etwa „Ich brauche gar keinen Handel mehr. Digitalisierung ermöglicht es, dass ich konfigurierten Supply direkt an den Nachfrager bringe.“ Und Alibaba ist eine Plattform mit vielen Komponenten, die das ermöglichen: Die haben Logistik-, Lager-, Bezahl-Funktionen etc. Unsere Überzeugung ist aber eine andere: Wir sagen, die Vernetzung zwischen Angebot und Nachfrage und das gegenseitige Kennen der Akteure im Markt spielt eine sehr bedeutsame Rolle. Wir glauben, dass es auch eine lokale Komponente ist und Unternehmen nicht immer international Sourcen wollen. Für viele Unternehmen ist es ein wichtiges Anliegen, das regionale Gefüge durch Handel zu beflügeln. Als Nachfrager ist mir ja vielleicht daran gelegen, ein Ökosystem um mich herum aufzubauen. Wir sind auch im Dialog mit Alibaba und verfolgen mit großem Interesse die momentanen Aktivitäten.
Virales Wachstum als Ziel
OnlinehändlerNews: Kooperationen sind ein Teil – wie geht es mittelfristig weiter mit den Mercateo-Plattformen?
Jens Dissmann: Wir versuchen, die Automatisierung dort voranzutreiben, wo sie für uns sinnvoll ist. Außerdem wollen wir mehr und mehr systemische Anbindung bei Anbietern nutzbar machen, da sind starke Suchfunktionen zum Beispiel von essentieller Bedeutung. Eine der USPs von Mercateo ist ja die katalog- und plattformübergreifende Suche, die wir auch über unsere Partner anbieten können. Außerdem versuchen wir auch über die Vernetzung die Viralität anzustoßen: Ein Anbieter bringt seine eigene Nachfrage, weil er erkennt, dass beide etwas davon haben, wenn sie die Plattform nutzen. Wir haben zum Beispiel einen Anbieter, der an über 100 Nachfrager Mails rausgeschossen hat, um auf unserer Plattform ein Business zu gestalten. Und die Konversionsrate war ausgesprochen hoch. Da wollen wir hin: Virales Wachstum. Aber das ist ein langer Weg.
OnlinehändlerNews: Vielen Dank für das Gespräch.
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