„Schon über 10.000 Arbeitsstunden geleistet“
OHN: Wenn alle Anträge einzeln abgeglichen werden müssen, ist das doch ein enormer bürokratischer Aufwand. Kann man beziffern, wie viel Mehraufwand das aktuell für die deutsche Ebay-Niederlassung bedeutet?
Tilmann Kuhla: Rechnet man alle Teams zusammen, sind allein für diese Vorgänge schon über 10.000 Arbeitsstunden geleistet worden. Wir haben tatsächlich Mitarbeiter, die machen im Moment nichts Anderes und es gibt Mitarbeiter, die werden wahrscheinlich bis Oktober auch nichts anderes machen, als die Bescheinigungen der Händler zu überprüfen. Daher ist uns auch daran gelegen, dass nicht alle Händler, die bislang keine Bescheinigung eingereicht haben, erst kurz vor Toresschluss im September aktiv werden. Wir sprechen hier von einem sehr hohen Volumen.
OHN: Ist der alleinige Ansprechpartner für die Händler, die vom Handel ausgeschlossen wurden – möglicherweise ja auch zu Unrecht, weil es beim Finanzamt zu einem Fehler kam – das Finanzamt oder bietet Ebay eine Möglichkeit, hier auch zum Ansprechpartner zu werden?
Tilmann Kuhla: Wir reden mit den Behörden, wenn es uns möglich ist und sind auch dankbar über Rückmeldungen von Händlern, wenn es in dieser Hinsicht Probleme gibt. Wenn wir eine Bescheinigung von einem Händler haben, dann können wir auch Rücksprache mit den Finanzämtern halten. Wir können aber nicht proaktiv auf die Behörden zugehen und Auskünfte einholen, wenn wir „nichts in der Hand“ haben. Aber natürlich mischen wir uns ein, wo wir können, weil uns ja sehr daran gelegen ist, dass die Händler bei uns auch handeln können.
Letztlich ist es aber doch so: Wenn ein Händler umsatzsteuerlich schon alles richtig macht, dann ist es ganz einfach, die Bescheinigung vom Finanzamt zu erhalten. Diese erhält man innerhalb weniger Tage, lädt sie bei Ebay hoch und wir bestätigen innerhalb weniger Tage, sofern alles in Ordnung war. Der Aufwand für den einzelnen Händler ist letztlich überschaubar.
Maria Simon: Daher sollten das die Händler auch möglichst zeitnah hinter sich bringen. Wenn wir noch im September zehntausende Zertifikate pro Woche erhalten, dann kommen wir natürlich mit der Bearbeitung irgendwann nicht mehr hinterher. Und die Finanzämter bei der Ausstellung vermutlich auch nicht. Wir wissen, dass dieser ganze Papierprozess eine Zumutung ist, müssen aber nun, genau wie die Händler und die Behörden, mit der Situation umgehen. Es wäre wünschenswert gewesen, wie in Großbritannien einen elektronischen Abgleichprozess zur Verfügung zu stellen.
OHN: Man hört durchaus eine gewisse Unzufriedenheit mit dem Gesetz – in der Form, wie es letztlich umgesetzt wurde – heraus.
Tilmann Kuhla: Das ist ja kein Geheimnis. Wir hätten uns – und darauf hatten wir den Gesetzgeber auch hingewiesen – ein elektronisches Abfragesystem gewünscht, was dazu geführt hätte, dass wir die notwendigen Informationen direkt von den Finanzbehörden hätten abfragen können und damit für die Händler kein Aufwand entsteht.
OHN: Warum wurde der Vorschlag denn abgelehnt?
Tilmann Kuhla: Weil es technisch zu schwierig sei und es zu lange dauern würde, ein entsprechendes System zu entwickeln. Und ja, natürlich wäre das, auch auf unserer Seite, ein großer Aufwand gewesen, aber der hätte auf jeden Fall deutlich unter 10.000 Stunden gelegen.
Um das noch einmal deutlich zu sagen: Ebay ist nicht gegen das Gesetz. Wir sind absolut dafür, dass alle ihre Steuern zahlen und gleiche Voraussetzungen haben. Wir wären aber dafür gewesen, das Gesetz so umzusetzen, dass es für Händler, die sich compliant (also regelkonform, Anm. d. Red.) verhalten – und das ist der sehr überwältigende Anteil der Händler – einfacher wäre, das Gesetz einzuhalten. Dafür gab es letztlich keine Lobby und wohl auch nicht die Zeit. Das Gesetz wurde mit hohem Druck durchgesetzt. Die Bedenken haben wir auch im Gesetzgebungsverfahren vorgetragen. Mehrfach! Im Übrigen auch zusammen mit unseren Wettbewerbern.
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(ich betreibe selbst einen Online-Shop)
dass ein großer Teil gerade der ausländischen Händler die deutsche Ust-Nr. beantragt hat ist doch nur Augenwischerei. Oder glaubt hier ernsthaft jemand, dass jemand in z.B. aus China agierend, jeden Umsatz melden wird. Es gibt keine Möglichkeiten der Kontrolle, kein funktionierende s System. Und wenn es zu Unstimmigkeiten kommt ist die Sanktioniereung doch eine Fars. Ebay könnte den Verkäufer sperren. Der meldet am nächsten Tag unter "neuem " Namen (ein Buchstabe in der Namensänderung würde wohl genügen, die behördlichen Bescheinigungen werden getunt, weil Ebay die Originalität eh nicht überprüfen wird oder kann) und von vorne los geht das Spiel !
alles zahnlose Papiertiger die da installiert werden.
Deutschland ist auch hier Vorreiter im eigene Leute "fi..." und alle Welt hat"s leichter...
mit Gruß aus der Rhön
Helmut Dietz
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Und das alles an der Steuer vorbei.
MfG
Hoffmann
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Zumindest NICHT für den Händler.
Für den Händler ist es ganz schnell erledigt.
Er beantragt die Bescheinigung beim Finanzamt, scant sie nach Erhalt ein und lädt diese in Ebay hoch.
Ich brauchte für alles zusammen maximal 20 Minuten Arbeitszeit.
Für eBay ist es natürlich ein enormer Aufwand!
Jedoch scheint der ganze Aufwand die einzige Möglichkeit zu sein, die "schwarzen Schafe" vom Markt zu verbannen, welche eben nicht die Steuern abführen, wie es die ordentlichen Kaufleute machen.
Und die schwarzen Schafe sind auch diejenigen, welche die Preise drücken.
Denn deren Preise beinhalten nicht die Umsatzsteuer und zum Teil auch nicht die Einkommensteuer , welche indirekt beim ordentlichen Kaufmann mit in die Kalkulation einfließen muss.
Ich glaube und hoffe, dass alle Verkäufer und auch eBay einen Vorteil davon haben werden. Denn wenn nur noch ordentliche Kaufleute bei eBay verkaufen, können die Preise wieder auf Normalniveau klettern.
So "verdienen" Händler und eBay endlich dass, was Sie "verdienen". :)
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den das was Olaf Scholz der Finazminister gemacht hat war überfällig, gerade bei den Chinesen, die überwiegeng zu Dumpingpreisen hier in Deutschland anbieten. Auch mal ein Thema für ebay und co.
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Beim Durchstöbern von ebay-Angeboten aus dem Inland fällt immer wieder auf, in welcher Zahl es hier gewerblich tätige Händler gibt, die als Privatperson anbieten, wo aber beispielsweise von der Anzahl der Artikel und gelegentlich auch noch von mehreren Accounts erkennbar ist, dass hier kein Privatverkauf vorliegt, sondern dass es sich um eine gewerbliche Tätigkeit handelt. diese Anbieter haben einen vielfachen Vorteil, da sie weder Verpackungsgese tz, Rückgaberegeln, steuerliche Vorschriften und Abgaben noch sonstiges berücksichtigen müssen. Ohne gesetzlichen Zwang reagieren die großen Plattformen nach meinem Dafürhalten nicht, da sowohl von nicht erfaßten Händler aus Drittländer wie auch angeblich "privat" tätigen Personen aus dem Inland die Gebühren (und nur darauf wird Wert gelegt) kassiert werden. Wir als Händler begrüssen die Bescheinigungsv ariante, die allerdings nur einen Einstieg in weitere Händlergerechti gkeit darstellen kann. Dem redlich tätigen und bei einem inländischen Finanzamt erfaßten Händler dürfte es kein Problem sein, hier rechtzeitig für die Bescheinigung Sorge zu tragen. Probleme und Aufschreie dürften meist nur aus dem nicht erfaßten Lager kommen.
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Im Januar habe ich die vom Finanzamt erstelle Bescheinigung bei ebay hochgeladen... daraufhin wurde diese abgelehnt, weil sie angeblich nicht der Vorlage entsprach. Nach etlichen emails und sogar Fotovergleichen mit der Blanko Vorlage und der vom Finanzamt ausgestellten Bescheinigung.. .die identisch sind... wieder die Ablehnung von ebay. Das geht jetzt seit 4 Monaten so hin&her mit dem ebay "Kundenservice" . Mittlerweile ist die Gültigkeit der Bescheinigung abgelaufen. Ich habe einfach Besseres zu tun, als den ebay Mitarbeitern das Lesen beizubringen...
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