Innerhalb weniger Tage sind die bekannten Produkt-Karussells aus Googles Suchergebnissen im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) fast vollständig verschwunden. Betroffen sind alle EU-Staaten sowie Norwegen, Island und Liechtenstein. Für Online-Händler:innen bedeutet das: Ein großer Teil der organischen Sichtbarkeit, die sie sich über Google Shopping aufgebaut haben, ist von einem Tag auf den anderen weg.
Reaktion auf den Digital Markets Act
Google hatte die Änderung bereits Anfang September angekündigt und begründet sie mit der Umsetzung des Digital Markets Act (DMA) der EU-Kommission. Der DMA verbietet großen Plattformen wie Google, eigene Dienste in Suchergebnissen zu bevorzugen – genau das hätten die kostenlosen Produktlistungen und -Karussells getan. Google bezeichnete den Umbau nach eigenen Angaben als die stärkste Verschlechterung der Suchqualität in der 29-jährigen Firmengeschichte. Ginny Marvin, bei Google für Ads-Kommunikation zuständig, bestätigte, dass der Schritt auf die DMA-Vorgaben zurückgeht.
Rückgänge von bis zu 100 Prozent
Das niederländische Analyseunternehmen Productrise beobachtet Produkt-Karussells täglich anhand tausender Suchanfragen. Gründer Hugo Huijer registrierte für Deutschland, Frankreich, die Niederlande, Belgien und Schweden Rückgänge zwischen 90 und 100 Prozent innerhalb weniger Tage – während dieselben Suchanfragen in Großbritannien, den USA und Australien unverändert blieben. Auch Daten von Semrush zeigen dasselbe Bild.
Karussells weg, Preisvergleicher rücken nach
Statt der gewohnten Produkt-Karussells und -Raster sehen Nutzer:innen in der EU nun vor allem Listen von Preisvergleichsportalen und anderen Aggregatoren – sogenannte „Aggregator Units“, wie Google sie in seiner Suchdokumentation nennt. Der Shopping-Tab ist zudem aus der Navigation der Google-Suche verschwunden. Einzig Shopping-Anzeigen sind laut Branchenbeobachtern weiterhin durchgängig sichtbar.
Kristian Kunz vom deutschen Portal SEO Südwest sieht dadurch den Wert eines Eintrags im Google Merchant Center deutlich sinken, weil die entsprechenden Produkte kaum noch angezeigt würden. Produkt-SEO verliere zumindest mit direktem Bezug zu Google Shopping an Relevanz.
Kleinere Händler stärker betroffen
Größere Online-Händler könnten durch die Umstellung tendenziell mehr direkten Traffic verzeichnen, so die Einschätzung mehrerer Branchenbeobachter. Für kleinere Shops dürfte es dagegen schwieriger werden, überhaupt noch Sichtbarkeit über Google aufzubauen. Der Umbau reiht sich damit in einen längeren Trend ein: Schon durch die zunehmende Präsenz von KI-Zusammenfassungen (AI Overviews) war der Anteil organischen Traffics am Gesamt-Traffic vieler Online-Shops zuletzt rückläufig.
Ob Google für die EU künftig ein alternatives, DMA-konformes Produktformat einführt oder die Karussells dauerhaft verschwinden, ist bislang offen.
Artikelbild: https://www.depositphotos.com
Christoph Pech
Christoph schreibt über KI, digitale Innovationen und Payment-Lösungen – immer mit einem Blick auf smarte Technologien.
Kommentar schreiben
Antworten
Ihre Antwort schreiben
Antworten
Ihre Antwort schreiben