Endlich Eigeninitiative
Und das ist tatsächlich eine hervorragende Neuigkeit. Mark Zuckerberg macht die Probleme des Netzwerks zur Chef-Sache, zeigt Eigeninitiative. Denn bislang, und das hat er offenbar eingesehen, hat Facebook in den Diskussionen der vergangenen Monate keine gute Figur gemacht. Bei Einflussnahme von außen wurde abgeblockt, Probleme wie Hassrede und rechtswidrige Inhalte wurden weggeschoben, dafür seien schließlich Behörden zuständig. Einflüsse wie das umstrittene Netzwerkdurchsetzungsgesetz in Deutschland zwingen bislang eher zur Aktivität als dass man selbst wirklich aktiv werden wollte.
Vorwerfen lassen muss sich Zuckerberg, dass er zu lang tatenlos dabei zugesehen hat, wie der Ton auf Facebook zusehends verrohte und wie sich sein Baby in eine Richtung entwickelte, die er weder vorsah noch wünschte. In seiner „Neujahrsansprache“ sinniert er etwa über Zentralisierung und Dezentralisierung. Facebook, Twitter und andere sollten eigentlich eine dezentralisierende Macht sein, die die handhabe in die Hände der Menschen zurückgibt. Doch die Realität zeigt: Wenige große Tech-Firmen und Staaten, die diese für die Kontrolle ihrer Völker nutzten, haben eher das Gegenteil erreicht.
Zuckerberg erwartet ein „ernstes Jahr“, in dem Selbstverbesserung im Fokus steht – für ihn und für Facebook. Nach vielen Lippenbekenntnissen möchte man ihm endlich glauben. Denn der Vorsatz, Facebook zu reparieren, ist sein ganz persönlicher für das neue Jahr. Facebook und seine Stellung in der Welt sind Zuckerberg wieder wichtig. Die Chancen, dass er seinen Vorsatz erfüllt, stehen nicht schlecht: Seit 2009 wollte er jeden US-Bundesstaat besuchen, 365 Meilen laufen, eine künstliche Intelligenz für sein Haus entwickelt, 25 Bücher lesen und Mandarin lernen – all das hat er geschafft. Seien wir einfach mal optimistisch, dass künftig wieder gilt: „Time spent on Facebook is time well spent.“
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