Der Königsweg: Gendersensibles Marketing
Während genderneutrales Marketing darauf abzielt, jegliche geschlechtsspezifischen Zuordnungen in der Werbung und Produktgestaltung zu eliminieren, ist das Ziel bei Gender-sensiblem Marketing, eine inklusive Ansprache für alle Geschlechter zu schaffen. Es berücksichtigt die Vielfalt der Geschlechtsidentitäten und zielt darauf ab, individuelle Bedürfnisse und Vorlieben unabhängig vom Geschlecht anzusprechen.
Wie lässt sich Gender-sensibles Marketing gestalten?
Stereotype vermeiden: Gender-Marketing sollte ausschließlich bei Produkten und Dienstleistungen angewendet werden, die tatsächlich geschlechtsspezifische Vorteile bieten. Ein solches Produkt können zum Beispiel Schwangerschaftsvitamine sein. Da Schwangerschaft eine Erfahrung ist, die ausschließlich Personen mit weiblichen Fortpflanzungsorganen betrifft, ist eine gezielte Ansprache dieser Zielgruppe nicht nur sinnvoll, sondern auch notwendig.
Buyer Personas aktualisieren: Diese sollten kontinuierlich an aktuelle Gegebenheiten und sich verändernde Kundenbedürfnisse angepasst werden. Dabei sollte stets die Vielfalt der Geschlechtsidentitäten berücksichtigt und die Ansprache entsprechend individualisiert werden. Ein Beispiel: Ein Modeunternehmen arbeitete bislang mit den Buyer Personas „Geschäftsmann Michael“ und „berufstätige Mutter Annette“. Die Ergebnisse einer Marktforschung führten dazu, dass neue Personas erstellt werden: „Kim, die nicht-binäre Person, die Wert auf Nachhaltigkeit legt“ und „Ragnar, der modebewusste Mann, der Komfort und Stil schätzt“. Diese neuen Personas berücksichtigen eine breitere Palette von Geschlechtsidentitäten und Lebensstilen und ermöglichen es dem Unternehmen, seine Marketingstrategien und Produktangebote entsprechend anzupassen. Im Ergebnis führt dies unter anderem dazu, dass das Unternehmen als Marke wahrgenommen wird, die Diversität und Inklusion wertschätzt.
Veraltete Klischees vermeiden: Eine moderne Marketingkommunikation sollte die Vielfalt und Individualität der Menschen widerspiegeln, ohne in stereotype Darstellungen zu verfallen. Ein Beispiel: Ein Spielzeughersteller, hat sich entschieden, seine Werbekampagnen neu zu gestalten. Traditionell wurden bei ihm Spielzeuge bislang nach Geschlecht kategorisiert: Puppen für Mädchen, Bausteine für Jungen. In seiner neuen Kampagne spielen Kinder aller Geschlechter gemeinsam mit einer Vielzahl von Spielzeugen: Auch Mädchen bauen mit Bausteinen komplexe Strukturen, auch Jungen umsorgen liebevoll Stofftiere. So fördert die Kampagne die Botschaft, dass alle Kinder das Recht haben, mit jedem Spielzeug zu spielen, das ihre Interessen und Fähigkeiten fördert.
Bei Produktentwicklung und Werbung auf Diversität achten: Die Individualität der Menschen sollte bereits bei der Produktentwicklung berücksichtigt werden – und natürlich auch später in der Werbung. Wichtig ist das Bewusstsein, dass weder alle Männer noch alle Frauen gleich sind. Ein Beispiel: Ein Kosmetikunternehmen bringt eine neue Hautpflegelinie auf den Markt. Statt die Produkte traditionell als „für Männer“ oder „für Frauen“ zu vermarkten, entscheidet sich das Unternehmen für eine diversitätsbewusste Herangehensweise. Es entwickelt Produkte, die auf verschiedene Hauttypen und -bedürfnisse ausgerichtet sind – und nicht auf ein bestimmtes Geschlecht. Die Werbekampagne zeigt folglich Menschen unterschiedlicher Geschlechter, Altersgruppen und Hautfarben, die die Produkte verwenden. Durch diese Strategie betont das Kosmetikunternehmen, dass Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht nach Produkten suchen, die ihre spezifischen Hautprobleme ansprechen. Es spricht eine breitere Zielgruppe an und positioniert sich als Marke, die die Individualität und Vielfalt ihrer Kunden wertschätzt.
Fazit
Das Konzept des Gender-Marketings, bei dem Zielgruppen nach Männern und Frauen unterteilt werden, muss überdacht werden. Während für bestimmte Produkte eine solche Einteilung nicht nur sinnvoll, sondern auch erforderlich ist, führt eine Marketingstrategie, die sich auf veraltete Geschlechterstereotype stützt, heute nicht mehr zum Erfolg. Vielmehr ist es wichtig, die Individualität und Vielfalt der Zielgruppen zu würdigen. Mithilfe von Gender-sensiblem Marketing spricht das Unternehmen die passenden Zielgruppen an, ohne Stereotype zu verwenden.
Über die Autorin
Josephine Wick Frona ist Head of Marketing DACH beim Plattformanbieter HubSpot.
In ihrer Position leitet sie das deutschsprachige Marketingteam und ist damit für die Bereiche PR & Brand, Social Media, Co-Marketing, Product Marketing und Revenue Marketing verantwortlich.
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Artikelbild: http://www.depositphotos.com
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Vielleicht geht es in unseren Breiten auch nur deshalb Bergab, weil wir über die wirklich wichtigen Dinge nicht mehr nachdenken, um es allen Gerecht zu machen.
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