Nele Kießling ist Schauspielerin, Dozentin, Moderatorin für Online-, Hybrid- und Live-Events sowie Trainerin. Sie hat in der Corona-Pandemie unter anderem mehrere Workshops für die digitale Performance in Video-Konferenzen entwickelt und diese mit Unternehmen, Verbänden und Institutionen wie dem Marburger Bund, dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales, dem Deutsche Roten Kreuz und der tecRacer Group durchgeführt. Im Interview erklärt sie, was in Video-Konferenzen der absolute Präsenz-Killer ist, warum die Jogginghose schwierig ist und wie digitale Meetings trotzdem gelingen.
Onlinehändler-News: Über ein Jahr Homeoffice mit Video-Konferenzen und Co. haben viele jetzt hinter sich – was ist Ihrer Erfahrung nach das größte Problem dabei? Und unterscheidet sich die Einschätzung von Angestellten und Vorgesetzten?
Nele Kießling: Zu Beginn der Pandemie gab es bei meinen Workshop-Teilnehmenden wesentlich mehr Doppelkinne von schräg unten oder ungemachte Betten im Hintergrund, als heute. Es hat sich viel getan in den letzten 15 Monaten. In Sachen Präsenz, Ausdrucksstärke und Kommunikationshaltung gibt es allerdings noch viel zu tun. Im digitalen Raum gelten einfach andere Regeln für Präsenz. Die nonverbale Kommunikation ist sehr viel eingeschränkter und damit wirken wir unnahbarer und sind schwerer „lesbar“. Gleichzeitig sind wir den Kolleg*innen so nah wie nie – durch den Blick in die private Umgebung oder die entlarvende Kamera-Nähe. Daraus leiten sich viele Menschen ab, sich lieber möglichst unauffällig zu verhalten. Das ist leider der absolute Killer für Präsenz in Video-Konferenzen. Darin sehe ich auch die größte Herausforderung für Video-Kommunikation: Nahbar bleiben und mehr von sich zeigen. Da nehmen sich Angestellte und Vorgesetzte nichts.

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