Werbung dann ausspielen, wenn der User zur Kampagne passt
Sie erwähnten eben „programmatische Standards“. Ihre Agentur hat sich auf sogenanntes Programmatic Advertising spezialisiert. Worum handelt es sich dabei genau?
Programmatic Advertising hat sich in den letzten fünf Jahren im Werbemarkt etabliert. Mit Programmatic Advertising können Händler potenzielle Neukunden und Bestandskunden gezielt und individuell mit passenden Anzeigen ansprechen. Es bietet die technische Infrastruktur, die es möglich macht, in Echtzeit die Nutzer mit Targeting und Retargeting anhand von Kaufabsichten und zu optimierten Media-Einkaufskonditionen anzusprechen. Kampagnen können so in der jeweiligen Zielgruppe auf konkrete monetäre Ziele wie Kosten pro Neukunde, pro Order oder Kosten-Umsatz-Relation ausgesteuert werden. Werbung wird demnach sehr kosteneffizient eingesetzt.
Wie funktioniert eine solche programmatische Kampagne genau?
In den Prozess fließen unterschiedliche Daten ein, die z. B. die Interessen oder Kaufabsichten des jeweiligen Users beinhalten können. Da diese Art der Werbeauslieferung auf einem Gebotsverfahren basiert, kann der Advertiser für jeden Kontakt festlegen, welchen Preis er bereit ist, jeweils zu investieren. Dadurch kann die Werbung nicht nur genauer, sondern auch kosteneffizienter ausgesteuert werden. Aktuell wird hierüber vor allem Display Advertising, also Banner-Werbung inklusive Online-Videoanzeigen, sowie auch Social Media Advertising ausgeliefert.
Im Hintergrund, für den Nutzer nicht sichtbar, können nun Agenturen, Werbetreibende oder Vermarkter auf die Werbeflächen bieten. Sie bieten nur, wenn der User zu ihrer Kampagne passt. Diese Entscheidungen beruhen auf verschiedenen Algorithmen und Daten und finden innerhalb von Millisekunden statt. Der Meistbietende erhält dann den Werbeplatz und kann sein Werbemittel ausspielen.
Welche Vorteile ergeben sich für Online-Händler, wenn sie programmatische Kampagnen statt „klassischer“ Kampagnen schalten?
Die Vorteile von programmatischen Kampagnen beziehen sich auf verschiedene Faktoren. So ermöglicht Programmatic Advertising eine feine Profilierung der relevanten Zielgruppe, wodurch eine nutzerbezogene Ansprache stattfindet. Bei klassischen Marketing-Aktivitäten gibt es eine umfeldbasierte Ansprache und nur grobe Annahmen zum Nutzerprofil. Das lässt sich darauf zurückführen, dass programmatischen Kampagnen eine Vielzahl an Daten zur Verfügung steht.
Ein weiterer wichtiger Vorteil ist, dass Programmatic-Advertising-Maßnahmen messbar sind und wertvolle Daten für die kontinuierliche Optimierung der Werbemittelausspielung genutzt werden können. Ein Nachteil von klassischen Werbemaßnahmen, z. B. in Print-Magazinen, ist, dass die Werbekampagne fest eingebucht wird und Werbemittel nach der Buchung nicht verändert werden können. Bei programmatischen Kampagnen kann das Werbemittel user-basiert ausgespielt werden. Das bedeutet, dass programmatische Kampagnen im Vergleich zu klassischen Kampagnen flexibler, besser messbar und effizienter sind. Dank automatisierter Prozesse kann Werbebudget gezielter eingesetzt werden und bessere Erfolge erzielen. Der richtige Nutzer wird zur richtigen Zeit mit der richtigen Botschaft bei möglichst geringen Kosten erreicht.
Die britische Datenschutzbehörde ICO kritisiert aktuell die Echtzeitauktionen des Programmatic Advertising, wie etwa Heise meldet. Wie beurteilen Sie dies? Auf welche Datenschutzmechanismen müssen Online-Händler beim Programmatic Advertising unbedingt achten?
Die ICO hat bemängelt, dass sich Nutzer nicht in jedem Fall darüber im Klaren sind, was mit ihren Daten passiert und will daher weitere Gespräche mit der Werbeindustrie führen – was natürlich absolut zu begrüßen ist. Online-Händler sollten sich von den Anbietern der Werbelösungen klar darlegen lassen, wie diese den Nutzern die Kontrolle über ihre Privatsphäre gewährleisten, und sich mit Verträgen zur Auftragsdatenverarbeitung befassen, um dies zu regeln.
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