Im Falle eines Angriffs ist Zeit der wichtigste Faktor
OnlinehändlerNews: DDoS-Attacken sind im Vergleich mit anderen Hacking-Methoden eigentlich recht simple Manöver. Wie kommt es, dass dennoch bisher kein universelles Mittel gegen diese gefunden wurde?
Lisa Fröhlich: Ein zentraler Grund ist der Umstand, dass sich die DDoS-Angriffe in ihrer DNA stetig weiterentwickeln. Dadurch erhöht sich das Anforderungsprofil an IT-Lösungen in Unternehmen.
Technisch gesprochen stieg die durchschnittliche Anzahl der Paketrate von 3,3 Millionen Paketen pro Sekunde 2022 gegenüber dem Vorjahr mit 990.000 Paketen pro Sekunde an. Zudem zog die durchschnittliche Gesamtbandbreite der Attacken von 1,4 Gbit/s (2021) auf 2,6 Gbit/s (2022) an. (Anmerkung der Redaktion: Mit Paketen bezeichnet man hier die angreifenden Dateneinheiten).
In letzter Konsequenz reichte den Angreifern mittlerweile ein Drittel der bisher benötigten Zeit - 55 Sekunden bis zur kritischen Last statt 184 Sekunden in 2021 -, um erheblichen Schaden anzurichten. Hinzukommen messbar steigende DDoS-Angriffszahlen im ersten Quartal 2023.
Im Falle eines solchen Angriffs ist Zeit einer der wichtigsten Faktoren, denn jede Sekunde, die vergeht, kann zu großen Schäden führen - durch manuelle Bewertungen von Vorfällen, unvorhergesehene Routing-Probleme oder überlistete Abwehrmechanismen.
In einem solchen Szenario reicht eine Time-to-mitigate (TTM) von nur einer Minute nicht aus, um einen kompletten Systemausfall zu vermeiden.
Wer sind die Hacker hinter DDoS-Attacken? Gibt es bekannte Gruppierungen oder überwiegen Einzeltäter?
Die Zeiten, in denen Cyberkriminelle vor allem durch Einzeltäter repräsentiert wurden, sind längst vorbei. Gerade in den letzten Jahren professionalisierten sich Hackerstrukturen weltweit: Hinter Gruppierungen wie NoName057, Killnet and Anonymous Sudan, verstecken sich in der Regel global vernetzte und dezentral agierende, hochmoderne pro-russische Hackergruppen, die in Teilen sogar von staatlichen Strukturen unterstützt werden.
Diese haben den NATO-Staaten offen den Cyberkrieg erklärt und zielen mehr denn je auf die kritischen Infrastrukturen in den jeweiligen westlichen Staaten ab.
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