Todesschalter und Bot-Armee: Schwere Vorwürfe gegen TikTok

Veröffentlicht: 15.05.2023
imgAktualisierung: 15.05.2023
Geschrieben von: Hanna Hillnhütter
Lesezeit: ca. 3 Min.
15.05.2023
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TikTok App
© Mykolastock/Shutterstock.com
Ein ehemaliger Bytedance Mitarbeiter erhebt schwere Vorwürfe gegen TikTok.


Schon seit längerem wird TikTok, gerade aus den USA, immer wieder stark kritisiert. Auch ein Verbot der App war schon mehr als einmal im Gespräch. Ein ehemaliger Mitarbeiter des Konzerns erhebt nun schwere Vorwürfe. Unter anderem soll die chinesische Regierung Zugriff auf massenhaft Daten der App gehabt haben, wie Heise berichtete. 

Komitee mit „Bot-Armee“ gegen die Konkurrenz 

Yu, der bereits vor einiger Zeit entlassen wurde, erhebt jetzt schwere Vorwürfe gegen seinen Ex-Arbeitgeber. Der ehemalige Angestellte klagt gegen Bytedance, weil er der Ansicht ist, dass seine Entlassung unrechtmäßig war. Für TikTok selbst hat er nicht gearbeitet. 

Der ehemalige Mitarbeiter berichtete, dass es eine spezielle Einheit gab, ein sogenanntes „Komitee“, welches aus Mitgliedern der Kommunistischen Partei Chinas besteht und vollen Zugriff auf sämtliche Nutzerdaten hat. Dieses Komitee soll auch sämtliche Apps des Bytedance-Konzerns überwachen und Inhalte fördern, die für die mit den „kommunistischen Grundwerten“ der Partei übereinstimmen. Außerdem soll das Komitee eine „Bot-Armee“ geschaffen haben, die bestimmte Beiträge gepusht habe und geistiges Eigentum anderer Unternehmen gestohlen haben soll. Urheberrechtlich geschützte Inhalte von anderen Plattformen, wie Instagram und Snapchat, sollen geklaut worden sein, um die Apps des eigenen Unternehmens bekannter zu machen. Zudem soll das Komitee Zugriff auf sämtliche Daten, auch von amerikanischen Servern, gehabt haben. Der Standort der Daten spiele dabei keine Rolle, die Ingenieure hätten eine „Hintertür“ eingebaut, sodass auf alle Daten zugegriffen werden kann. 

Auch einen sogenannte „Todesschalter“ soll es gegeben haben, mit dem alle chinesischen Apps abgeschaltet werden können.

Reichweite für „Hass gegen Japan“

Der Ex-Mitarbeiter gibt zudem an, dass er auch in den chinesischen Büros des Unternehmens gearbeitet habe und mitbekommen habe, wie der Algorithmus von „Douyin“, der chinesischen Variante von TikTok manipuliert worden sei. So sollen Inhalte, die Hass gegen Japan schüren, besonders gepusht worden sein. Beiträge zu pro-demokratischen Demonstranten in Hongkong seien hingegen in der Reichweite eingeschränkt worden. 

Da Yu allerdings schon seit rund fünf Jahren nicht mehr bei Bytedance arbeitet, ist fraglich, ob die Angaben noch aktuell sind, oder ob sich die Zustände mittlerweile geändert haben. 

Yu, der in China geboren wurde und jetzt in den USA lebt, war einem Bericht der New York Times zufolge leitender Angestellter bei Bytedance in den USA. Er selbst gibt an, er habe bis November 2018 für das Unternehmen gearbeitet, Bytedance selbst sagt, Yu war lediglich von August 2017 bis Juli 2018 angestellt und habe an einer App gearbeitet, die aufgrund geänderter geschäftlicher Interessen eingestellt worden sei.  Laut eigener Aussage sei er entlassen worden, weil er Bedenken bezüglich der Praktiken des Unternehmens geäußert haben soll. In seiner Klage fordert er eine Entschädigung wegen des Verdienstausfalls. 

Veröffentlicht: 15.05.2023
img Letzte Aktualisierung: 15.05.2023
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Hanna Hillnhütter

Hanna Hillnhütter

Hanna hat die juristischen Entwicklungen im Blick – mit Fokus auf Abmahnungen, Wettbewerbsrecht und aktuelle EU-Verordnungen.

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