Video-Nutzer übernehmen Tics von YouTubern
Die Forschungsgruppe bezieht sich dabei unter anderem beispielhaft auf den erfolgreichen deutschen YouTube-Kanal „Gewitter im Kopf – Leben mit Tourette“ von Jan Zimmermann und Tim Lehmann. Zimmermann leidet am Tourette-Syndrom und zeigt in den Videos sein Leben mit den motorischen und vokalen Tics (unwillkürliche Bewegungen oder Lautäußerungen). Nutzer, die derartige Videos schauen, würden quasi die Tics der Betroffenen übernehmen und etwa „Du bist hässlich“ sagen. „In den vergangenen zwei Jahren wurde eine bemerkenswert hohe Zahl junger Patienten in unsere spezialisierte Tourette-Ambulanz überwiesen, die Symptome zeigen, die denen ähneln, die Jan Zimmermann in seinen Videos zeigt“, heißt es in der Studie.
Dabei handele es sich um sogenannte „funktionelle Tics“, die im Gegensatz zum echten Tourette-Syndrom eher plötzlich und oft erst später im Leben sowie vielfältiger auftreten. Die Studienautoren schlagen für das Krankheitsbild in ihrer Zusammenfassung als Bezeichnung „Massenkrankheit durch soziale Medien“(„mass social media-induced illness“, MSMI) vor.
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