Die Geschichte vom Wahlbetrug ist wahrscheinlich Donald Trumps letzte große Amtshandlung als US-Präsident. Schon vor der Wahl – und erst recht seit ihrem Ausgang – bemüht Trump die Theorie, dass die Wahl verschoben wurde. Beweise gibt es dafür nicht, seine angestrengten Gerichtsverfahren werden reihenweise eingestellt. Einer von Trumps größten Multiplikatoren ist dabei YouTube, wenn das Portal dies auch nicht beabsichtigen dürfte. Eine Untersuchung des Projekts transparency.tube zeigt, dass Behauptungen über Wahlbetrug auf dem Videoportal ein Millionenpublikum finden, wie der Spiegel berichtet.
Insgesamt wurden 4.865 YouTube-Videos untersucht, die zwischen dem 3. und 10. November hochgeladen wurden und in denen das Wahlergebnis diskutiert wird. Die Forscher teilten für ihre Untersuchung das Material in zwei Kategorien: Solche Inhalte, die von Wahlbetrug reden und solche, die der Aussage widersprechen. Beruhigend: Videos, die den behaupteten Wahlbetrug dementieren oder ihn zumindest neutral behandeln, wurden 274 Millionen Mal abgerufen – das entspricht 66 Prozent. Weniger beruhigend: 34 Prozent der Aufrufe stammen von Nutzern, die einen Wahlbetrug propagieren – das entspricht 137 Millionen Aufrufen. YouTube selbst stellt gegenüber dem Wall Street Journal das Positive heraus: „Die meistgesehenen Videos zum Thema Wahlbetrug kommen von etablierten Medien und die Mehrheit der Suchanfragen und Empfehlungen führen zu Inhalten glaubwürdiger Quellen“.
Die Analyse trifft keine Aussage über die tatsächliche Zahl der Aufrufe. Wie der Spiegel anmerkt, können schon wenige Videos zu sehr vielen Aufrufen führen. Die Forscher haben auch keine Daten über die Zahl der unterschiedlichen Nutzer. Theoretisch können auch weniger Nutzer Videos mehrfach aufrufen. YouTube habe im Vergleich zu Twitter und Facebook wenig unternommen, um Desinformationen zu unterbinden, kritisiert Alex Stamos von der Universität Stanford.
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