Stellen Sie sich vor, Donald Trump würde in Großbuchstaben vertwittern, dass die USA ja gar nicht so groß und wichtig für die geopolitische Entwicklung sind. Oder Clemens Tönnies, der überzeugt erklären würde, dass in seinen Schlachtbetrieben ja vergleichsweise wenig Schweine zu Billighack verarbeitet würden. Oder stellen Sie sich vor, wie Kalle Rummenigge seinen FC Bayern zu einem kleinen Licht im europäischen, wenn nicht gar deutschen Fußballgeschäft stilisieren würde. Davon abgesehen, dass das in diesen Zeiten wahrscheinlich nicht einmal viele Menschen überraschen würde – über den Inhalt solcher Aussagen würden in den sozialen Netzwerken aber mindestens mal unzählige schlechte „Ich habe einen Witz, aber..“-Beiträge durch die Feeds wandern.
An diesem Mittwoch mussten – endlich, möchte man meinen – Jeff Bezos, Tim Cook, Mark Zuckerberg und Sundar Pichai vor dem US-Kongress für ihre Geschäftspraktiken geradestehen – und durften viel geraderücken. Oder was sie so für „gerade“ halten. Da durfte dann zum Beispiel Jeff Bezos geraderücken, dass Amazon ja nun wirklich nicht so riesig und marktbeherrschend ist. Schließlich gibt es ja viel größere Konzerne wie Walmart und überhaupt sei man ja sowieso nur für ein Prozent des weltweiten Handelsvolumens verantwortlich. Dass ein Prozent von 25 Billionen US-Dollar immer noch relativ viel ist, sei mal dahingestellt. Das wohlgemerkt vom reichsten Menschen der Welt.
Einen Tag nach der Anhörung haben die Konzerne ihre Quartalsergebnisse präsentiert und zwischen fünf und zwölf Milliarden US-Dollar Gewinn vermeldet. Sie haben es schon schwer.
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