Ohne Schlüssel kein Eintritt: Passwörter
„Du kommst hier nicht rein!“ lautete der Titel des OnlinehändlerMagazins von Anfang 2019. Während es dort noch um die Frage ging, wie es eigentlich um das digitale Hausrecht von Shopbetreibern steht, passt dieses Motto auch im Rahmen der Zugangssicherung: Wer keinen Zugang hat, soll auch nicht reinkommen – können. Das gilt im Online-Shop gleichermaßen für die Konten von Kunden als auch für das Backend oder den Händler-Bereich, da hier regelmäßig zahlreiche Einstellungen vorgenommen oder Bestellungen bearbeitet werden können. Um eine taugliche Zugangssicherung sicherzustellen, kommt es dabei zum einen auf das Passwort an sich an, zum anderen aber auf das „Drumherum“.
Schatz!123: Gute Passwörter gehen anders
Ein einfaches Passwort, möglicherweise auch noch mit Klein- und Großbuchstaben sowie Zahlen – das geht jedenfalls in die richtige Richtung. Ungünstig wird es, wenn die Bequemlichkeit siegt. Das kann sich auf verschiedene Arten zeigen, etwa wenn das Passwort für eine Vielzahl von Seiten genutzt wird oder der Inhalt eher generisch ist und damit auch das Passwort zahlreicher anderen Personen darstellt.
Es nützt jedoch wenig, ein ellenlanges Passwort mit Sonderzeichen zu wenden, das dann vermutlich für Dritte kaum zu erraten, für sich selbst aber auch kaum zu merken ist. Dabei stellt sich nun eine wichtige Frage: Was macht ein sicheres Passwort überhaupt aus?
Auf die Länge kommt es an...
Ein sicheres Passwort ist so lang, wie es nur geht. Mehr Zeichen bedeuten mehr Möglichkeiten, die ein Hacker bzw. dessen System durchgehen muss. Einen Königsweg gibt es hinsichtlich der Passwortlänge aber kaum. Acht Zeichen stellen ein gutes Minimum dar, aber die ideale Länge hängt am Ende auch stark davon ab, was geschützt werden soll. Gängige Schlüssel für Wlan-Netzwerke beispielsweise haben oftmals 15 und mehr Stellen.
...so wie auf den Inhalt...
Dabei sollte man sich jedoch nicht nur auf das Alphabet beschränken, sondern alle Zeichen nutzen, die zur Verfügung stehen. Das umschließt Groß- und Kleinschreibung, Zahlen und Sonderzeichen – selbst ein Leerzeichen kann genutzt werden, wenn die Voreinstellungen dies erlauben.
Wenn es sonst ein gutes Zeichen ist, dass die Wörter, welche man benutzt, in Wörterbüchern auftauchen, gilt dies für Passwörter hingegen nicht. Hier ist es beispielsweise eine Hilfe, Buchstaben teilweise durc5 Zah!en od3r Ze1chen zu ersetzen. Auf Namen und Daten von Angehörigen, Haustieren und ähnlichem sollte schließlich ebenfalls verzichtet werden, genauso wie auf das bloße Anhängen oder Voranstellen von Sonderzeichen und Zahlen. Wer ist damit sich selbst einfacher machen will, tut dies auch für potentielle Unbefugte.
...und das „Drumherum“.
Recht einleuchtend ist, dass das Passwort nicht für mehrere verschiedene Dienste genutzt werden sollte. Kommt es zu einer Datenschutzpanne oder wird das Passwort entschlüsselt, liegt der Zugang andernfalls gleich zu mehreren Accounts offen.
Wie aber steht es um die Empfehlung, Passwörter regelmäßig zu ändern? Dieses Verfahren ist in vielen Unternehmen verbreitet und wird oft auch Privatpersonen angeraten. Tatsächlich wird davon in den letzten Jahren aber Abstand genommen: Das National Institute of Standards and Technology (NIST) in den USA empfiehlt dieses Vorgehen schon seit 2017 nicht mehr, und auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik führt die regelmäßige Änderung in seinem IT-Grundschutz-Kompendium nicht mehr auf. Die häufige Folge regelmäßiger Änderungen sind nämlich schwache oder fortlaufende Passwörter – immerhin muss sich jedes Mal ein neuer Begriff gemerkt werden. Im Ergebnis führt das zu einem schwächeren Gesamtschutz.

Davon abgesehen, gilt: Passwörter sollten nicht weitergegeben, und sofern nötig, nur an äußert sicherer Stelle notiert werden. Sie sollten stets unbeobachtet eingegeben und im Falle des Bekanntwerdens für Dritte selbstverständlich geändert werden. Eine gute Vorsorge für abhanden gekommene Passwörter ist dabei ebenfalls wichtig. Für diesen Fall stellen die jeweiligen Plattformen unterschiedliche Möglichkeiten zur Verfügung, ein vergessenes Passwort zu ändern. Beliebt sind etwa Sicherheitsfragen wie „Wie heißen ihre Kinder?“. Oft handelt es sich bei den Antworten auf solche Fragen zwar um solche, die man selbst gut kennt – wie in diesem Beispiel könnten sie aber auch durch Dritte auf einfachste Weise über soziale Medien recherchiert werden. Hier sollte stattdessen auf eine Zwei-Faktor-Authentifizierung gesetzt werden, bei welcher die Identifizierung beispielsweise über eine Nachricht an die Handynummer erfolgt.
Wie merken? Passwort mit System
Befolgt man diese Vorgaben an möglichst sichere Passwörter, verliert man aber früher oder später den Überblick, und womöglich auch den Verstand. Daher kann es hilfreich sein, seine Passwörter mit einem System zu organisieren, und/oder ein System zur Verwaltung zu nutzen. Um sichere Passwörter auf einem System beruhend zu kreieren, gibt es verschiedene Methoden, die natürlich auch nach eigenen Bedürfnissen abgeändert werden können. Zwei davon stellen wir hier vor:
- Die Spruch-Methode
Grundlage des Passwortes ist ein Satz, der idealerweise auch eine Zahl enthält. Aus den Anfangsbuchstaben wird dann das Passwort abgeleitet. Hier sollte für jede Plattform natürlich ein anderer Satz gewählt werden.
Beispiel: Ich handle online in meinem Shop und auf vier Marktplätzen! → IhoimS+a4M!
- Die Karten-Methode
Eine weitere Möglichkeit stellt die Verwendung von Passwort-Karten dar. Hier gibt es verschiedene Anbieter und auch kostenfreie Versionen, wie beispielsweise von Ines IT oder Deutschland sicher im Netz e.V. Mit Hilfe der Karte findet eine Codierung statt – wie genau, das entscheidet sich nach dem genutzten System. Hier sollte man die Karte allerdings meist auch dabei haben, um auch unterwegs das Passwort bilden zu können. Dabei kann eine solche Karte auch selbst hergestellt werden.
Schließlich können auch Tools zur Passwort-Verwaltung, sog. Passwort-Manager, genutzt werden. Hier kann nach der Eingabe eines Master-Passworts oder einer anderen Verifikation, beispielsweise per Fingerabdruck am Smartphone eine Datenbank mit den gespeicherten Passwörtern abgerufen werden. Sie funktionieren je nach Variante systemübergreifend oder sind sogar schon im Betriebssystem implementiert, wie es etwa mit dem „Schlüsselbund“ bei Apple der Fall ist. Viele dieser Tools unterstützen über die bloße Speicherung hinaus zudem durch das Erstellen sicherer Passwörter. Dass Passwort-Manager hilfreich sein können, betont auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik. Doch natürlich gibt es Schattenseiten: Hier muss nur das Master-Passwort geknackt werden, und sämtliche gespeicherten Passwörter liegen ggf. offen – ein Einfalltor für Identitätsdiebstahl. Will man solch einen Manager nutzen, sollten in Frage kommende Modelle daher dringend auf ihre Gestaltung und Absicherung hin geprüft werden.
Kommentar schreiben
Antworten
Ihre Antwort schreiben