Bei der Handy-Ortung von Infizierten des Coronavirus rudert Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) offenbar zurück. In der vergangenen Woche äußerte Spahn den Vorschlag, durch das Auslesen von Bewegungsdaten von Mobiltelefonen die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Dieser Vorstoß sorgte allerdings für erhebliche Kritik. Sowohl SPD als auch FDP stellten sich gegen den Vorschlag, der Hamburger Datenschützer Johannes Caspar sagte laut Handelsblatt: „Der derzeitige Handlungsdruck darf eine sorgfältige rationale Abwägung und Aufarbeitung der komplexen Fragestellungen nicht verhindern. Die Grundrechte und rechtsstaatlichen Verfahren haben ihre besondere Bedeutung gerade auch in Zeiten der Krise.“
Die zuständigen Gesundheitsbehörden sollten mit Hilfe von Handy-Standortdaten die Bewegungen von Corona-Kontaktpersonen verfolgen können. Das Tracking war Teil eines Gesetzes, dessen Entwurf am heutigen Montag beraten und im Laufe der Woche beschlossen werden soll. Das Gesetz soll dem Bund mehr Kompetenzen bei der Bekämpfung von Epidemien einräumen. Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz begrüßte den Rückzieher von Gesundheitsminister Spahn: „Auf den Umstand, dass eine solche Auswertung rechtlich höchst umstritten und zudem auch wenig zielführend zur Eindämmung der weiteren Ausbreitung von Corona-Infektionen ist, hatten wir gemeinsam mit dem Bundesdatenschutzbeauftragten wiederholt hingewiesen“.
Die Idee, Corona-Patienten zu tracken ist nicht neu. Das Robert-Koch-Institut arbeitet zusammen mit anderen Einrichtungen schon seit Anfang März an einer datenschutzkonformen Lösung. In Kürze wolle man ein „überzeugendes Konzept“ vorstellen, sagte RKI-Chef Lothar Wieler. Auch dafür gab es von Datenschützern laute Kritik. Der ehemalige schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert äußerte, dass es für „Epidemie-Fußfesseln“ keine Rechtsgrundlage gebe. Diese wird es nun zunächst auch weiterhin nicht geben.
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