„Für ‚Epidemie-Fußfesseln‘ fehlt derzeit jede Rechtsgrundlage.“ Das sagt der frühere schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert und kritisiert damit Pläne des Robert-Koch-Instituts (RKI) und anderer Forschungseinrichtungen. Diese – neben dem RKI etwa auch das Heinrich-Hertz-Institut der Fraunhofer Gesellschaft – arbeiten Heise zufolge derzeit an datenschutzkonformen Lösungen, um mit Hilfe von Standortdaten von Mobiltelefonen die Infizierungswelle zu stoppen. Dafür gibt es in Deutschland oder Europa aber erheblich strengere Vorgaben als zum Beispiel in China.
25 Mitarbeiter aus zwölf Instituten würden aktuell einen Ansatz erarbeiten, der sowohl technisch als auch datenschutzrechtlich möglich sei. In Kürze solle ein „überzeugendes Konzept“ vorgelegt werden, so RKI-Chef Lothar Wieler. Unterstützt wird das Projekt auch von der Telekom, die dem Institut bereits ein erstes Set von anonymisierten Daten zur Verfügung gestellt hat. Innerhalb einer Simulation soll die Ausbreitung von SARS-CoV-2 anhand von Bewegungsströmen von Menschen nachvollzogen werden.
Der EU-Abgeordnete Patrick Breyer von der Piratenpartei kritisiert die „massenhafte Herausgabe“ von Standortdaten: „Die Bewegungen der kompletten Bevölkerung vermeintlich anonymisiert zu überwachen, schützt niemanden vor Infektion, erlaubt aber eine bisher ungekannte Massenüberwachung.“ Er sieht einen „Präzedenzfall zur Massenkontrolle nicht-öffentlicher Zusammenkünfte und Begegnungen“, der hier geschaffen werden könnte.
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