Öffentliche Auf- und Fehltritte
Die vielen Skandale rund um Cambridge Analytica und zu unrecht weitergegebenen Nutzerdaten, welche Facebook im Sommer 2017 ereilten, ließen Zuckerberg nicht umhinkommen, sich vor der Öffentlichkeit zu rechtfertigen. In einem mehrstündigen Verhör musste er sich dem US-Kongress stellen und machte in seinem Auftreten wieder einmal deutlich, dass er kein Fan von öffentlichen Auftritten ist, sondern insgeheim noch immer der Nerd, der 2004 Facebook gegründet hat. Mit seiner fast schon roboterhaften Mimik und Gestik gepaart mit den nichtssagenden Aussagen, wurde er schnell zum Gespött im Internet.
Während einige ihn mit der künstlichen Intelligenz Data aus dem Science-Fiction-Klassiker Star Trek verglichen, sorgte die Tatsache, das er auf einem Sitzkissen Platz nahm, ebenfalls für einige bissige Kommentare. Dass die gesamte Debatte größtenteils zum Reinfall wurde, lag allerdings nicht nur an Zuckerberg und seinen schwammigen Aussagen und dem vielfach gesagten Satz "Mein Team wird sich dazu bei Ihnen melden". Es lag vor allem auch an den Senatoren, die durch erhebliches Unwissen rund um die Themen Internet, Facebook, Digitalisierung, Datenschutz und Online-Werbung glänzten. Zeitweise schien es, als ob Zuckerberg seinen 80-jährigen Großeltern die Grundlagen des Internets erklären musste, statt fundierte Aussagen über den Datenschutz von mehreren Milliarden Menschen weltweit zu liefern.
Ein noch größeres PR-Desaster wurde allerdings sein Virtual-Reality-Auftritt im Katastrophengebiet von Puerto Rico im Oktober 2017. Der Facebook-CEO wollte gemeinsam mit Rachel Franklin, Leiterin von Facebooks Social-VR-Abteilung, die neuen Oculus-Produkte bewerben. Dafür ließen sich die beiden virtuell nach Puerto Rico versetzen, wo zuvor Hurrikan Maria heftigst gewütet hatte. Dass eine solche Naturkatastrophe genutzt wird, um die neuesten Technologien des Unternehmens zu bewerben, ging nach hinten los und wurde vielfach in den Medien kritisiert.
Wolf im Schafspelz?
Ein abschließendes Urteil über Mark Zuckerberg zu treffen fällt schwer. Auf der einen Seite wirkt er mit seinen kindlichen Gesichtszügen und seiner Jeans-T-Shirt-Kombi noch immer wie ein Nerd aus der Uni, der ganz nebenbei das größte soziale Netzwerk der Welt aufgebaut hat und der es stets vorzieht, hinter seinem PC zu sitzen statt in der Öffentlichkeit zu stehen. Auf der anderen Seite hat er sich nicht ohne Grund zum jüngsten Selfmade-Milliardär aller Zeiten gemausert und mit Facebook ein riesiges Imperium geschaffen. Damit kommen natürlich auch gewisse Verantwortungen auf ihn zu, die Daten seiner Milliarden Nutzer zu schützen und nicht für Werbezwecke zu verkaufen. Zuckerberg und Facebook haben in den vergangenen Monaten oft Besserung geschworen, es wird Zeit, dass sie diese Versprechen nun auch einhalten.
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