Was auf der Strecke bleibt
Natürlich, es gibt Schöneres, als an einer vollen Kackewindel zu schnuppern. Aber wer sich bei der Fürsorge des Nachwuchses auf so eine Überwachsungs-App stützt und vielleicht hofft, dadurch besser und sicherer mit dem Baby umzugehen, bewirkt meiner Ansicht nach eher das Gegenteil: Man verzichtet ein großes Stück weit darauf, selbst direkt mit seinem Kind zu interagieren, es zu beobachten, seine Schreie und andere Kindeslaute zu deuten und darauf aufbauend Achtsamkeit und Routinen zu entwickeln oder auf die Erfahrung, dass es völlig ok sein kann, nicht bei jedem Furz umgehend zu reagieren.
Auch wird es bei künftigen Entwicklungsphasen des Nachwuches schwerfallen, Kontrolle abzugeben und loszulassen. Auf die smarte Windel folgt sehr wahrscheinlich der GPS-Tracker im Schulranzen. Und, wie Bloggerin Patrica Camarata (das Nuf) passend dazu ausführt, verlassen sich nicht nur die Eltern, sondern auch die Kinder darauf, dass ständig getrackt und geortet werden kann. Dadurch wiederum kann dann eine weitere Reihe wichtiger Kompetenzen gar nicht recht erlernt werden, etwa „Telefonnummern auswendig lernen. Uhrzeit lesen lernen und Zeit im Blick behalten. Besprechen, wie man im Notfall welche Leute anspricht. Besprechen, wie man reagiert, wenn andere einen ansprechen. Immer einen Notgroschen dabei haben.“ Und letztlich wirkt sich das auch auf ganz wichtige menschliche Skills aus, nämlich auf die Fähigkeit, zu vertrauen und sich auf seine Intuition zu verlassen.
Sicher, es ist eine Gradwanderung und nicht immer leicht, genug, aber letztlich nicht überfürsorglich für das eigene Kind da zu sein, damit es irgendwann selbstständig wird. Doch die Verantwortung dafür auf eine App auszulagern, erscheint wenig sinnvoll.
Ob sich das Produkt in unserer immer digitaleren Welt durchsetzt oder nicht, wird sich zeigen. Unterm Strich können wir uns zumindest auf die Aussage dieses Twitter-Nutzers zum Thema einigen:
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