Wenn der deutsche Staat ausrangierte Geräte, Fahrzeuge oder Ähnliches loswerden möchte, dann kann er sein Angebot freilich nicht einfach auf Ebay feilbieten. Die Verwertungsgesellschaft des Bundes (Vebeg) kümmert sich um den Verkauf der gebrauchten Ware, unter anderem über eine eigene Online-Plattform – „gewissermaßen ein Bundes-Ebay“, beschreibt die Süddeutsche den Marktplatz. Angeboten werden dort zum Beispiel Feldküchen, Laborgeräte oder sogar U-Boote. Und auch klassischen Bürobedarf wie Laptops mit Altersschwäche.
Im Jahr 2018 ersteigerte ein Förster aus Oberbayern vier Laptops – nicht mehr ganz leistungsfähig, aber robust. Auf einem der Geräte war noch das Betriebssystem installiert. Schon das sollte eigentlich vermieden werden, aber als der Förster auf gut Glück als Passwort den zuletzt verwendeten Benutzernamen eingab, konnte er sich auch noch einloggen. Und es wurde noch schlimmer: Direkt auf dem Startbildschirm fand sich die vollständige Betriebsanleitung des Raketenwerfers „Mars“, inklusive technischer Beschreibungen und Warnhinweisen.
Diese Betriebsanleitung gilt als „Verschlusssache – Nur für den Dienstgebrauch“ (kurz: VS-NfD). Das bedeutet, so die Süddeutsche, dass „die Kenntnisnahme durch Unbefugte für die Interessen der Bundesrepublik Deutschland oder eines ihrer Länder nachteilig sein kann“. Die Anleitung hat also nichts in den Händen von oberbayrischen Förstern verloren. Normalerweise müssten bei Laptops, auf denen Verschlusssachen gespeichert sind, die Festplatten ausgebaut und vernichtet werden. Laut Verteidigungsministerium seien die Laptops falsch kodiert gewesen, daher kam es zu dem Fehler.
Nachforschungen der Süddeutschen ergaben allerdings, dass dies kein Einzelfall ist und dass sich auf einem der Rechner sogar noch personenbezogene Daten befanden, nämlich Fotografien von Bundeswehrangehörigen. Der Förster gab dem Ministerium Bescheid und die Beamten leiteten einen Rückkauf des betroffenen Gerätes über die Vebeg ein. Die anderen drei Laptops behält der Förster.
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