EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager hatte im Handelsblatt-Interview die Forderung in den Raum gestellt, dass große Digitalkonzerne wie Google und Facebook ihren Datenschatz teilen sollten, um den Wettbewerb gerechter zu machen. Das weckt Skepsis, unter anderem bei Digitalverband Bitkom. Über die Verpflichtung marktbeherrschender Unternehmen zur Herausgabe von Daten könne man dann nachdenken, „wenn diese ihre Marktmacht missbrauchen, um andere zu benachteiligen“, äußerte Bitkom-Rechtsexpertin Susanne Dehmel gegenüber dem Handelsblatt.
Selbst dies wäre ein starker Eingriff, „bei dem klar geregelt werden müsste, wer zu welchen Bedingungen Zugriff auf welche Daten erhalten kann“. Die DSGVO würde Vestagers Idee zusätzlich erschweren, denn dieser zufolge wäre eine Datenweitergabe auch ein „Eingriff in die Rechte der betroffenen Individuen“. „Daher sollten vorrangig weniger eingriffsintensive Ansätze gewählt werden, um die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen zu erhalten und zu stärken“, so Dehmel weiter.
Vestager will das Thema auf der am Montag beginnenden re:publica besprechen. Unterstützung erhält sie von Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD), die ebenfalls forderte, dass große Konzerne ihre Daten teilen müssten. Mit einer Datenteilungspflicht würden nicht nur Monopole aufgebrochen, sondern auch Forschung erleichtert. Barleys Idee ist die Schaffung einer „europäischen Cloud“. „Daten könnten dann für die Forschung, die Stadtplanung, für europäische Startups und NGOs frei verfügbar sein: Mobilitätsdaten zum Beispiel, anonymisierte Gesundheitsdaten, Klima- und Umweltdaten“.
Susanne Dehmel hält eine Herausgabepflicht, die an eine bestehende Marktmacht gebunden ist, für problematisch. Mittelständler, die in ihrer Nische eine beherrschende Stellung haben, könnten ebenfalls betroffen sein. Man sollte eher „über praktische Lösungen für die Verbesserung der Vereinbarkeit von Gewinnung und Verarbeitung von Daten auf der einen und den Schutz der Privatsphäre auf der anderen Seite nachdenken – nicht für die großen internationalen Konzerne, sondern für die gesamte europäische Wirtschaft und Gesellschaft“.
Kommentar schreiben