Jedes Jahr wieder präsentieren Samsung, Apple, Google und Co. ihre Neuigkeiten im großen Rahmen und jedes Jahr wieder tritt im Anschluss eine gewisse Ernüchterung ein, weil es jedes Jahr wieder bei neuen Versionen der bekannten Verkaufsschlager bleibt. Wenn also Apple-Chef Tim Cook am Montagabend deutscher Zeit auf die Bühne tritt, müsste man das nächste iPhone und ein „revolutionäres“, aber eigentlich nur aufgebohrtes iPad erwarten. Eigentlich. Denn bei Apple stehen die Zeichen offenbar auf Veränderung. Ohne Übertreibung darf man beim Apfelkonzern den größten Umbruch seit der Enthüllung des ersten iPhones erwarten. Mindestens.
Apple will offenbar künftig auf Content statt auf Hardware setzen. Seit Wochen verdichten sich die Gerüchte, dass das Unternehmen an einem eigenen Streaming-Dienst arbeitet. Für diverse Serien wurden bereits Stars wie Jennifer Aniston und Reese Witherspoon verpflichtet und diese sollen ihr Zuhause nicht bei Netflix finden, sondern bei einem, wie Spiegel Online spekuliert, seit Jahren vorbereiteten, eigenen Angebot. Anders als Netflix aber, will sich Apple nicht vornehmlich auf Eigenproduktionen konzentrieren, sondern Verträge mit Produktionsfirmen und Fernsehsendern abschließen. Dann würde man Inhalte zum Beispiel von HBO und Showtime anbieten können, so PC Games Hardware. „Game of Thrones“ oder „The Walking Dead“ könnten ihr Streaming-Zuhause also bald bei Apple finden – nicht die schlechtesten Lizenzen, um Kunden zu gewinnen.
Allerdings, merkt Tim O’Shea von der Investmentbank Jefferies LLC an, sollte man zunächst nicht den nächsten Branchen-Primus erwarten. Er hat hochgerechnet, dass Apple, selbst wenn man 250 Millionen Abonnenten bis 2023 erreichen würde (was utopisch ist), mit dem Streaming-Dienst nur fünf Prozent des Jahres-Umsatzes generieren würde – bei einer Monatsgebühr von 15 Dollar und 30 Prozent Einbehalt von Drittinhalten. Die Umstrukturierung zum Medienunternehmen wird also einen langen Atem brauchen. Parallel zum Streaming-Dienst wird aber auch über eine Nachrichten-Flatrate, eine eigene Kreditkarte und einen Chromecast-Konkurrenten spekuliert. Tim Cook will sein Unternehmen offenbar grundlegend neu ausrichten.
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