Im Netz fallen alle Hemmungen
Social Media und Politiker, das scheint keine echte Liebesbeziehung zu sein, oft nicht mal eine Zweckehe. Robert Habeck hatte seinen Rückzug damit erklärt, dass Twitter zu einem „Instrument der Spaltung“ geworden sei. Wer Diskussionen in Facebook-Gruppen, Online-Foren oder auch nur Kommentare unter politischen Themenbeiträgen verfolgt, weiß: Im Netz fallen oft alle Hemmungen, da wird mit offenem Visier verbal gehauen, gestochen und getreten, dass man sich verzweifelt eine Haager Landkriegsordnung für den Umgang im Social Web wünscht. Klar, dass man da als Mensch und Politiker wenig Lust hat, sinnlose Debatten zu führen, sich beleidigen zu lassen oder sogar sein Privatleben öffentlich ausgebreitet zu bekommen.
Aber: Politiker ist nun mal ein besonderer Job. Das Sondieren der öffentlichen Meinung – wie und wo auch immer sie gerade geäußert wird –, der Austausch mit Leuten mit anderer Einstellung und das Kommunizieren von Themen und Problemen sind Kernaufgaben dieser Profession. Da kann man sich nicht immer aussuchen, mit wem man in den argumentativen Infight geht. Im Grundgesetz, Artikel 38, heißt es ja auch: „Die Abgeordneten sind Vertreter des ganzen Volkes, (...).“ Wenn demokratische Politiker sich einfach aus der Social-Media-Meinungsarena zurückziehen, überlassen sie diese Netzwerke denen, die möglicherweise ungefiltert und unwidersprochen Hass und Falschinformationen säen. Nebenbei bemerkt: Die Partei, die mit fast 500.000 und damit weitem Abstand die meisten Fans auf Facebook hat, ist die AfD.
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