Der Beirat der Bundesnetzagentur berät heute darüber, wie die 5G-Frequenzen versteigert werden. Einer der größten Streitpunkte ist nach wie vor das lokale Roaming, das im Prinzip Betreibern erlauben würde, gegen Gebühr auch das Netz von der Konkurrenz zu nutzen. Dagegen wehren sich vor allem die Großen, Telekom und Vodafone, weil mit dem notwendigen Bau von neuen Sendemasten ein erheblicher finanzieller Aufwand verbunden ist. Was die Bundesnetzagentur nun letztlich beschließt, ist nach wie vor offen, Kritik dürfte aber vorprogrammiert sein. Während Digitalisierungs-affinere Gruppen auf einen schnellen und umfassenden Ausbau drängen, fürchten nicht nur Netzbetreiber hohe Kosten, sondern wird das Thema vor allem aus den Reihen der CDU auch nach wie vor nicht ernst genug genommen.
Die neue Galionsfigur dafür ist Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU), die sagte, dass 5G „nicht an jeder Milchkanne notwendig“ sei und dass man sich damit „ein bisschen Zeit“ lassen könne, wie Spiegel Online zitiert. Dafür erntet Karliczek auch Kopfschütteln aus den eigenen Reihen. So dürfte etwa Bundeswirtschaftsminister Peter Altmeier, ebenfalls CDU, keinen Gefallen an Karliczeks Worten gefunden haben. Wenn er im Auto unterwegs ist, nimmt Altmeier keine Anrufe von ausländischen Kollegen mehr an, „weil es mir total peinlich ist, dass ich drei-, viermal anrufen muss, weil ich immer wieder rausfliege“, zitiert Golem den Minister. Sein Problem ist dabei gar nicht die Zukunftsmusik 5G, sondern der aktuelle (theoretische!) Standard LTE. Im europäischen Vergleich ist Deutschland schon an dieser Stelle viel zu teuer und nicht annähernd flächendeckend ausgestattet. Die Koalition ist sich uneinig, die Netzbetreiber wollen keine Verpflichtungen und keine zu hohen Kosten, trotzdem wiederholt die Regierung gebetsmühlenartig den angeblich hohen Stellenwert der Digitalisierung – ein Missverhältnis, das wohl auch nach dem Beschluss der Bundesnetzagentur nicht ausgeglichen werden wird.
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