Kleinunternehmer: Keiner schuftet so hart

Veröffentlicht: 20.03.2025
imgAktualisierung: 20.03.2025
Geschrieben von: Christoph Pech
Lesezeit: ca. 2 Min.
20.03.2025
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ca. 2 Min.
Vielarmiger Unternehmer bedient mehrere Endgeräte gleichzeitig
alphaspirit / Depositphotos.com
Kleinunternehmer arbeiten besonders viel und machen besonders wenig Urlaub und Pausen. 60-Stunden-Wochen sind eher Norm als Ausnahme.


„Selbst und ständig“ ist die gern gewählte Antwort, wenn man Selbstständige nach ihrem Arbeitsaufwand fragt. Je kleiner das Unternehmen dabei ist, desto härter wird offenbar gearbeitet, wie eine neue Händlerbefragung von SumUp nahelegt. Demnach gehören Kleinunternehmer:innen in Deutschland zu den Selbstständigen, die am härtesten arbeiten. Bei 27,9 Prozent der Befragten liege die wöchentliche Arbeitszeit zwischen 40 und 60 Stunden.

Dem Handwerksblatt zufolge liegt Deutschland damit hinter Irland und Großbritannien, wo ein Drittel der Kleinunternehmer:innen so viel arbeitet und vor Italien (25,6 Prozent). In Frankreich lässt man es hingegen eher entspannt angehen. Dort geben 15 Prozent der Befragten an, 40 bis 60 Stunden pro Woche zu arbeiten. Zurück nach Deutschland: Knapp ein Drittel der Befragten (31,9 Prozent) arbeitet wöchentlich nach eigenen Angaben zwischen 20 und 40 Stunden, 26 Prozent weniger als 20 Stunden.

Wenig Pausen, kaum Urlaub

Hinzu kommt: Kleinunternehmer:innen arbeiten nicht nur viel, sie lassen auch die Erholung häufig zu kurz kommen. 39 Prozent der Befragten machen aus Zeitgründen keine regelmäßige Mittagspause. In anderen Ländern sind die Zahlen teils deutlich geringer. In Italien machen nur zehn Prozent keine Mittagspause. Wenn Kleinunternehmer:innen in Deutschland Pause machen, dann aber durchaus auch mal länger: Knapp 22 Prozent lassen die Arbeit zwischen 30 Minuten und einer Stunde ruhen.

Auch beim Jahresurlaub schränken sich Kleinunternehmer:innen im Vergleich zu regulär Angestellten eher ein. 23 Prozent machen nur ein bis zwei Wochen pro Jahr Urlaub, gut elf Prozent sogar weniger als eine Woche. Aber: Über ein Drittel orientiert sich mit drei bis vier Wochen am Standard-Urlaubspensum und knapp 13 Prozent nehmen sogar ein bis zwei Monate frei – das kann man sich dann aber wohl nur leisten, wenn der Laden läuft.

Artikelbild: http://www.depositphotos.com

Veröffentlicht: 20.03.2025
img Letzte Aktualisierung: 20.03.2025
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Christoph Pech

Christoph Pech

Christoph schreibt über KI, digitale Innovationen und Payment-Lösungen – immer mit einem Blick auf smarte Technologien.

KOMMENTARE
5 Kommentare
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Cakir
23.03.2025

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Ich zahle 25% Steuern für mein Gewinn, am Ende bleibt nicht viel übrig, sehr viel Nebenkosten, Einkauf und Ausgaben und die Steuern machen auf Dauer mein Geschäft kaputt, Ist leider so! Minijob 520€ Verdient mehr als ich im Jahr und zahlt keinen Steuern, das ist nicht gerecht!!!
Klaus
21.03.2025

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Wie heißt es so "schön": Selbstständig, also "selbst und ständig". Da bleibt keine Zeit zum Streiken für 3 Tage mehr frei usw. Wenn Selbstständige streiken würden bzw. könnten, was wäre eigentlich dann...? Meine Arbeit macht bisweilen immer noch spaß, irgendwann kommt halt mal ein Punkt.
ralf
21.03.2025

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Genau hier müsste auch eine Steuerentlastung kommen. Wir haben ja verschiedene Steuerklassen für Ledige, verheirat mit Kind etc. Aber wir haben keine Unterscheidung wie das Geld verdient wird. Jemand der 10 Stunden in der Woche in einem gut bezahlten Job genauso viel verdient, wie ein Unterneher mit vollem Risiko, der 80 Stunden die Woche arbeitet, bezahlt genauso viel Steuer. Hier finde ich unser Steuersystem völlig ungerecht. Gerade Kleinunternehmer sollten steuerlich anders behandelt werden. Vor allem in der Anfangszeit. Der im gut bezahlten Job hat viel weniger aufwand, als derjenige der Selbständig 80 Stunden die Woche arbeitet. D.h. der im Job hat mehr verdient, zwar vom Betrag her die gleiche Menge an Geld, aber auch 70 Stunden Freizeit. Oder andersum der Unternehmer musste 70 Stunden Lebenszeit mehr opfern, das kostbarste was man hat. Aber er bekommt nichts dafür, noch nicht mal eine steuerliche Erleichterung. Wir müssen aufhören Gewinn immer nur als reine Geldbeträgen zu sehen. In der Bilanzierung geht es ja auch, da werden auch Güter und Anlagen etc. in die Gewinnermittlung eingerechnet, warum auch nicht die Arbeitszeit?
K.I
21.03.2025

Antworten

Meinung: dem stimmen wir voll und ganz zu!
cf
21.03.2025

Antworten

Meinung: Wer hätte das vermutet, dass kleine Unternehmen richtig arbeiten müssen - könnte vielleicht sogar an den ständig neuen und sich ändernden gesetzlichen Rahmenbedingungen liegen, die einen irgendwann tatsächlich nicht mehr schlafen lassen - aber nicht aus innerem Stress, sondern ganz faktisch, weil man tatsächlich nächtelang im Lager steht und irgendwelche Artikeldaten nachpflegt, neue Etiketten aufklebt und demnächst vermutlich auch noch "Geolokationsumrisse unter Angabe des Alters und der Haarfarbe des letzten Menschen, der ein Produkt hergestellt hat, auf jedes Produkt malen muss". Aber wer interessiert sich schon für diese ganzen kleinen lästigen Unternehmen - hauptsache den großen geht es gut und die Milliardengewinne werden jährlich höher.