Firmen in Deutschland fällt es deutlich schwerer, Fachkräfte zu finden: Bereits 28,1 Prozent der hiesigen Unternehmen beklagen, dass sie zu wenig qualifizierte Arbeitskräfte finden können. Im April lag dieser Wert noch bei 27,2 Prozent – ein Zeichen, dass sich die Lage zugespitzt hat. Damit ist auch künftig zu rechnen, wie aktuelle Erhebungen des ifo-Instituts zeigen.
„Der Fachkräftemangel hat leicht zugenommen – und das trotz einer anhaltend schwachen Konjunktur“, erläutert ifo-Forscher Klaus Wohlrabe. „Langfristig wird sich das Problem weiter verschärfen – der demografische Wandel lässt daran keinen Zweifel.“
Handel, Logistik und Dienstleister stark betroffen
Der Fachkräftebedarf zeigt sich in zahlreichen Branchen – dürfte aber gerade für den Online-Handel langfristig zum Problem werden. Allein in der wichtigen Logistikbranche fehlt schon jetzt in jeder zweiten Firma (51,3 Prozent) qualifiziertes Personal. Im Handel selbst berichtet jeder vierte Betrieb von einem Mangel – das gilt sowohl für den Einzelhandel (25,3 Prozent) als auch für den Großhandel (23,3 Prozent). Etwas weniger kritisch ist der Bedarf im IT-Bereich, der Anteil sank deutlich auf gut ein Fünftel – vor fünf Jahren hatte noch jedes zweite Unternehmen einen hohen Bedarf an IT-Fachkräften. Im Dienstleistungsbereich trifft der Personalmangel aktuell ein Drittel der Firmen.
Bürokratie: Überforderung spiegelt sich im Fachkräftebedarf
Die meisten Fachkräfte suchen Unternehmen allgemein aus den Bereichen Rechts- und Steuerberatung sowie Wirtschaftsprüfung: 72,2 Prozent erklärten, dass sie offene Stellen in diesen Bereichen derzeit schwer besetzen können. Das deute auf ein strukturelles Problem hin: „Der hohe Fachkräftebedarf in diesem Berufsfeld spiegelt auch wider, wie viele Unternehmen auf Unterstützung beim Umgang mit bürokratischen Anforderungen angewiesen sind“, heißt es in der Meldung des ifo-Instituts.
Gerade im Online-Handel sind in den letzten Monaten weitere komplexe bürokratische Anforderungen hinzugekommen – sei es durch die Einführung der Produktsicherheitsverordnung (GPSR), des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes (BSFG) oder die Vorgaben der Erweiterten Herstellerverantwortung. Eine Studie des Händlerbunds aus dem Frühjahr unterstreicht, dass dies für immer Händler:innen zum Problem wird: Ein Viertel der Teilnehmer:innen nimmt das Thema Rechtssicherheit derzeit als herausfordernd wahr.
Kommentar schreiben