Arbeitsschutzvorschriften in Unternehmen dienen dazu, Verletzungsrisiken zu minimieren und Ausfälle zu reduzieren. Da mit ihnen auch ein gewisser bürokratischer Aufwand einhergeht, sind sie nicht allerorten gern gesehen. Überspitzt spiegelt sich dies in einer Äußerung von CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann in der ZDF-Sendung Maibritt Illner Mitte März. Der Politiker bezeichnete Prüfvorgaben von Leitern als „Quatsch“, die mit der Begründung „Misstrauen des Staates gegenüber seinen Bürgern“ abgeschafft werden sollten.
Organisationen wie der Verband für Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz bei der Arbeit (VDSI) reagierten empört. Die regelmäßige Prüfung von Leitern sei keine überflüssige Bürokratie, sondern sowohl gesetzlich vorgeschrieben als auch wissenschaftlich begründet, erklärte der Verband. Defekte oder ungeprüfte Leitern würden jedes Jahr zu zahlreichen Unfällen führen. „Diese Regeln schützen Menschenleben. Wer sie abschaffen will, ignoriert die Realität im Arbeitsschutz“, so Margrit Stuhr, kommissarische Vorstandsvorsitzende des VDSI. „Bürokratieabbau darf nicht zum Sicherheitsabbau werden“, kritisiert sie.
Linnemanns Aussage wirft einige grundsätzliche Fragen zum Thema Arbeitsschutz auf: Sind die Vorschriften realitätsfern? Was kann helfen, damit Vorgaben in der Praxis umsetzbar sind und Betriebe und Mitarbeitende nicht überfordern? Darüber haben wir mit Stefan Ganzke, Arbeitsschutzexperte beim Beratungsunternehmen WandelWerker, gesprochen.
Stefan Ganzke ist zusammen mit Anna Ganzke Gründer und Geschäftsführer der WandelWerker Consulting GmbH. Gemeinsam mit ihrem Team unterstützen die beiden mittelständische Unternehmen und Konzerne dabei, die Arbeitsunfälle kontinuierlich und nachhaltig zu senken sowie eine gelebte Arbeitsschutzorganisation zu entwickeln.
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