„Selbst und ständig“ – bei allen, die ihr eigenes Business rocken, ist dies mehr als ein wohlgemeinter Rat. Man muss das eigene Geschäftsmodell am Laufen halten oder den alltäglichen Ausnahmezustand jonglieren und zusätzlich rechtliche, bürokratische oder steuerliche Hürden nehmen, bei oft hohem finanziellen und wirtschaftlichen Druck. Der Wettbewerb schläft nicht, Optimierungsmöglichkeiten lauern an jeder Ecke. Und ein Privatleben gibt es ja auch noch.
Während viele Angestellte nach Feierabend die Arbeit meist einfach hinter sich lassen können, fällt Unternehmer:innen oder Führungskräften das Abschalten oft schwerer. Es gibt immer eine E-Mail, die beantwortet, ein Handgriff, der getan, eine kleine fachliche Weiterbildung, die absolviert oder ein Netzwerk, das gepflegt werden will. Das Business kommt zuerst.
Auch wenn man all diese Dinge gern und selbstbestimmt tut, bleibt ein Risiko für das eigene Wohl: Wer sich ständig fordert und nicht abschaltet, steht dauerhaft unter Strom. Die eigenen seelischen und körperlichen Bedürfnisse geraten ins Hintertreffen. Das kann zu Überlastung, chronischem Stress und Burnout führen. Deshalb haben wir einige Tools und Tricks zusammengetragen, die Unternehmer:innen, Selbstständigen und Führungskräften helfen können, produktiv zu bleiben – und sich ohne schlechtes Gewissen Raum für Pausen zu schaffen.
Zeit-Slots statt To-do-Listen
Mit To-do-Listen ist auf einen Blick ersichtlich, was zu tun ist. Ihr Nachteil: Manchmal weiß man gar nicht, wo man anfangen soll und es kommt immer irgendwas dazwischen.
Einfacher wird es, wenn man stattdessen feste Zeitabschnitte für bestimmte Aufgaben definiert. Beispielsweise:
- Time-Slot für operative Prozesse – im Online-Handel etwa Bestellungen abarbeiten, versenden, Ware bestellen oder herstellen etc.
- Time-Slot für E-Mails und Kundenanfragen
- Deepwork-Phase: Zeit Themen, die intensive Konzentration erfordern, z. B. für strategische, rechtliche oder bürokratische Aufgaben
- feste Pausenabschnitte: Zum Essen, Bewegen, Durchatmen – und wieder kreativ sein.
Dieses Aufgabenmanagement nimmt dir mentalen Stress ab und du kannst dich in die jeweiligen Anliegen richtig reinknien.
Tools und Infos: Hier hilft ein Online-Kalender, in dem du dir täglich feste Zeitblöcke einstellen kannst. Eine ausführliche Anleitung für das sogenannte Time-Blocking bietet z. B. Todoist.
Prioritäten setzen mit der Eisenhower-Matrix
Mit diesem Tool kannst du Aufgaben danach sortieren, wie wichtig und wie dringend sie sind. Dadurch erkennst du, was wirklich zählt – und was beispielsweise delegiert oder sogar gelöscht werden kann. Deine To-dos teilst du vier Kategorien zu und erkennst so auf einen Blick, was zuerst dran ist:
- Wichtig & dringend → sofort erledigen, z. B. Kundenreklamation oder Fristen.
- Wichtig, aber nicht dringend → terminieren, also bewusst einplanen (z. B. Strategie, Werbekampagnen, Weiterbildung).
- Dringend, aber nicht wichtig → delegieren, z. B. Routine-Mails oder Buchhaltung.
- Weder wichtig noch dringend → ignorieren oder streichen, etwa Social Media Scrollen oder unnötige Meetings.
Tools und Infos: Vorlagen für die Eisenhower-Matrix gibt es zahlreich im Netz, einen ersten Überblick bietet z. B. das Portal TrackingTime. Hilfreiche Tipps gibt es u. a. im Organisationshandbuch des Bundesinnenministeriums oder auch bei t2informatik.
Iss den Frosch – gleich morgens!
Identifiziere die wichtigste Aufgabe mit der größten Wirksamkeit – und erledige sie am besten direkt morgens. Denn es fühlt sich gut an, diese hinter sich zu haben – Stichwort: Selbstwirksamkeit. Der „Eat the frog“-Ansatz hilft, solche großen Anliegen nicht aufzuschieben. Nicht selten sind es Dinge, die uns auch emotional fordern und unangenehm erscheinen – sei es, Mahnungen zu bearbeiten, schwierige Retouren zu klären, neue rechtliche Forderungen zu verstehen und umzusetzen oder Qualitätsprobleme bei Lieferanten anzusprechen.
Die Methode geht übrigens auf ein Zitat von Schriftsteller Mark Twain zurück:
„Wenn es Ihre Aufgabe ist, einen Frosch zu essen, ist es am besten, dies gleich morgens zu tun. Und wenn es Ihr Job ist, zwei Frösche zu essen, essen Sie am besten zuerst den größten.“
Weiterführende Infos: Beschrieben hat die Methode der Produktivitätsberater Brian Tracy in seinem Buch „Eat That Frog: 21 Wege, wie Sie in weniger Zeit mehr erreichen“.
Pomodoro: 25 Minuten für eine Aufgabe
Kein Tag ist wie der andere – und Ablenkung lauert überall. Um trotzdem fokussiert zu bleiben, kann nicht nur eine Arbeit in Time-Slots, sondern auch in Intervallen helfen. Bei der Pomodoro-Technik sind 25 Minuten die magische Zahl: Man stellt man sich einen Timer auf 25 Minuten, arbeitet in dieser Zeit konzentriert an der Aufgabe und macht anschließend fünf Minuten Pause. Das Ergebnis: Mehr Fokus, weniger mentale Erschöpfung.
Man kann also z. B. je 25 Minuten lang 5 Produkttexte für SEO optimieren, Social-Media-Inhalte planen, die Monatsabrechnung erledigen, Kundenfragen beantworten und noch eine Keyword-Analyse durchführen. Nach mehreren Pomodoro-Einheiten empfiehlt sich eine längere Pause – vor allem ohne Bildschirm.
Tools: Pomofocos.io oder Apps wie Flow, einen vertieften Überblick über Timer-Apps gibt es z. B. bei Zapier. Die App Forest motiviert dich, konzentriert zu bleiben, indem sie virtuelle Bäume pflanzt, die wachsen, während du arbeitest.
Wöchentliche Review für Ziele, Aufgaben, Fokus
Geplant werden sollte nicht nur ein Tag, sondern auch in einem längeren Zeitabschnitt. Das geht mit einer Weekly Review. Zu einem festen Zeitpunkt in der Woche – beispielsweise 60 Minuten am Montagmorgen oder am Freitag – überlegst und überprüfst du, wie die Aufgaben und Projekte in der letzten Woche liefen und planst für die neue Woche. Das bringt dir mehr Fokus und Klarheit.
Wichtige Themen in dieser Review können sein:
- Was habe ich letzte Woche geschafft: wöchentliche Auswertung von KPIs wie Bestellungen, Marketingaktionen, welche Produkte wurden gut verkauft – welche schlecht, Umsatz, Retourenquote, Stand bei delegierten Aufgaben prüfen
- Was ist liegen geblieben? Halte diese Punkte schriftlich fest und nimm sie mit in deine Planung für die nächste Woche, etwa mit der Eisenhower-Matrix
- Kreativphase: Was könnten wichtige und auch noch spannende Aufgaben, Projekte etc. sein?
- Neue Ziele setzen und priorisieren, z. B. Lager mit Topsellern auffüllen, AGB-Update klären
- Kalenderabgleich: Welche Termine, Meetings und Fristen sind wichtig? Entstehen Engpässe? Wann ist Zeit für Pausen?
Tools: Boards wie Trello, Todoist, Asana usw. können dabei helfen, einzelne Projekte im Blick zu behalten und zugehörige Aufgaben zu sortieren.
Pausen sind Arbeit
Klingt widersprüchlich – ist es aber nicht. Pausen sind nicht etwas, dass man sich nach getaner Arbeit „gönnt“, sondern sie sind regelmäßig notwendig, damit gute Arbeit möglich ist. Umso wichtiger ist es, diese Erholungszeiten fest in den Tag zu integrieren. Das solltest du über Pausen wissen:
- Pausen sind eine bewusste Unterbrechung deiner geistigen oder körperlichen Aktivität – sei nicht produktiv, sondern lass los.
- Wechsel den Fokus und die Tätigkeit: Also nicht vom Laptop ans Smartphone und ziellos Scrollen, sondern z. B. Aufstehen, Bewegen, ein Getränk genießen, nichts tun.
- Plane Pausen über den Tag fest ein – sowohl fünf- bis zehnminütige Mikropausen als auch längere Erholungsphasen.
Tools: Apps wie Stretchly, Timeout, WorkBreak, BreakTimer, Headspace u. v. m. bieten dir nicht nur die Erinnerung an eine Pause, sondern halten oft auch kleine Übungen für Bewegung oder Entspannung bereit.
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