Shein und Temu liefern sich vor einem Londoner Gericht einen Rechtsstreit. Grund dafür sind mutmaßliche Urheberrechtsverletzungen, die der Billigmodeanbieter Shein dem Marktplatz Temu vorwirft. Temu entgegnet, dass Shein mit den Vorwürfen den Wettbewerb unterbinden will. Nun muss der Fall vor dem Londoner High Court entschieden werden, wie Heise berichtet.
Urheberrechtsverletzung im „industriellen Maßstab“
Shein wirft dem Marktplatz vor, rund 2.300 Produktfotografien rechtswidrig verwendet zu haben. Diese sollen von Shein-Mitarbeiter:innen erstellt und ohne Zustimmung auf Temu verwendet worden sein, so Retail-News. Shein spricht von Urheberrechtsverletzungen „im industriellen Maßstab", um schnell Reichweite und Vertrauen aufzubauen. Temu weist diese Vorwürfe zurück und gab an, die Händler:innen hätten die entsprechende Berechtigung dafür. Shein versuche mit den Vorwürfen den legitimen Wettbewerb zu unterdrücken, heißt es von Temus Anwältin.
In einer Gegenklage forderte Temu Schadensersatz von Shein, da durch Sheins einstweilige Verfügung tausende Produktangebote entfernt werden mussten. Außerdem wirft Temu Shein vor, mit Exklusivvereinbarungen Lieferanten an sich gebunden zu haben und so den Marktzugang für Wettbewerber erschwert zu haben.
Neue Einblicke in Lieferkette
Der Prozess könnte neue Einblicke in die Lieferkette der beiden Online-Händler bieten. Auch die Art und Weise, wie die Fast-Fashion-Anbieter um Lieferanten und sich überschneidenden Produktionsnetzwerke konkurrieren, kann vor dem Londoner Gericht zum Thema werden.
Der Ausgang des Rechtsstreits könnte außerdem sowohl Auswirkungen auf die jeweilige Lieferantenbeziehung haben als auch auf europäische Einzelhändler. Denn Schätzungen zufolge kosten die Billiganbieter den deutschen Einzelhandel mehrere Milliarden Euro.
Hanna Hillnhütter
Hanna hat die juristischen Entwicklungen im Blick – mit Fokus auf Abmahnungen, Wettbewerbsrecht und aktuelle EU-Verordnungen.
Kommentar schreiben