Die Münchner Traditionsbrauerei Paulaner steht seit Jahren im Mittelpunkt zahlreicher juristischer Auseinandersetzungen. Es geht um Flaschendesign, Markennamen und Lizenzforderungen – alles, um ihre Marke „Spezi“ zu schützen. Sowohl im Streit um das Design der Flaschen als auch um die Markenrechte konnte sich Paulaner in den meisten Fällen durchsetzen. Doch nicht alle Gegner haben sich kampflos geschlagen gegeben. Ein Überblick über die wichtigsten Entwicklungen.
Streit um Flaschendesign: Karlsberg gibt Brauerlimo auf
Den Anfang machte ein Rechtsstreit zwischen Paulaner und der Karlsberg Brauerei aus dem Saarland. Im März 2025 entschied das Münchner Landgericht (Urteil vom 25.03.2025, Az. 33 O 14937/23) zugunsten von Paulaner, nachdem die Karlsberg „Brauerlimo“ aufgrund ihrer Ähnlichkeit mit dem Flaschendesign von Paulaners „Spezi“ verklagt wurde. Kern des Streits war die sogenannte „Fünf-Farben-Welle“, die auf den Flaschen von Paulaner markenrechtlich geschützt ist. Das Gericht sah eine Verwechslungsgefahr und gab der Klage statt.
Anstatt das Design zu ändern, entschied sich Karlsberg, die „Brauerlimo“ komplett vom Markt zu nehmen. „Das Produkt gibt es in dieser Form nicht mehr“, bestätigte eine Sprecherin von Karlsberg gegenüber SR. Damit endete die kurze Geschichte der „Brauerlimo“.
Berentzen verliert vor Gericht: Mio Mio Cola+Orange im Fokus
Kurz darauf musste sich Paulaner gegen den Emsländer Getränkehersteller Berentzen wehren, der mit seiner „Mio Mio Cola+Orange“-Mischung ebenfalls in Konflikt mit Paulaners Spezi-Design geriet. Auch hier ging es nicht um den Geschmack, sondern um die Gestaltung des Flaschenetiketts. Das Münchner Landgericht (Urteil vom 05.08.2025, Aktenzeichen: 33 O 14496/24) kam zu dem Schluss, dass die Farbgestaltung von Berentzen eine „Verwechslungsgefahr im kennzeichenrechtlichen Sinne“ darstelle und entschied zugunsten von Paulaner.
Berentzen argumentierte, dass das Design von einer Tapete aus den 70er-Jahren inspiriert sei, die das Studentenzimmer des damaligen Marketingchefs zierte. CEO Oliver Schwegmann bezeichnete den Prozess laut BR24 als „absurd“ und meinte, dass „viel Fantasie“ nötig sei, um die Flaschen zu verwechseln. Dennoch wurde Berentzen zur Unterlassung und zur Zahlung von Schadensersatz verurteilt. Die genaue Summe steht noch aus, das Urteil ist jedoch noch nicht rechtskräftig.
Markenrechtsstreit mit Riegele: Paulaner setzt sich durch
Ein weiterer Konflikt drehte sich um den Markennamen „Spezi“ selbst. Die Augsburger Riegele-Brauerei, die den Namen bereits 1956 schützen ließ, hatte 1974 eine Koexistenzvereinbarung mit Paulaner getroffen. Diese erlaubte es den Münchnern, den Namen für ihre Cola-Orangen-Mischung zu nutzen, gegen eine einmalige Zahlung von 10.000 D-Mark.
Doch 2022 kündigte Riegele diese Vereinbarung auf und forderte von Paulaner jährliche Lizenzgebühren in Millionenhöhe. Paulaner weigerte sich zu zahlen und zog vor Gericht. Im Oktober 2023 entschied das Landgericht München (Urteil vom 11.10.2022, Aktenzeichen: 33 O 10784/21) zugunsten von Paulaner. Auch die Berufung vor dem Oberlandesgericht (OLG) München blieb erfolglos, da der Richter die alte Vereinbarung als weiterhin gültig bewertete. Riegele zog daraufhin die Berufung zurück.
Riegele-Geschäftsführer Sebastian Priller zeigte sich gegenüber BR24 enttäuscht: „Die Entscheidung der Gerichte widerstrebt dem Gerechtigkeitsempfinden.“ Dennoch sah sich das Familienunternehmen nicht mehr in der Lage, den juristischen Kampf fortzusetzen.
Spezi in den USA: Ein neuer Name muss her
Während Paulaner in Deutschland erfolgreich die Rechte an „Spezi“ verteidigt, sieht die Lage in den USA anders aus. Da die Koexistenzvereinbarung mit Riegele nur in Deutschland gilt, darf Paulaner den Namen „Spezi“ dort nicht verwenden. Stattdessen wurde das Getränk unter dem Namen „Paulaner Sunset“ eingeführt. Dies sorgte unter deutschen Fans für Unruhe, die befürchteten, dass der Name auch hierzulande geändert werden könnte.
Fazit: Paulaner verteidigt seine Marke konsequent
Ob Flaschendesign, Markenname oder Lizenzforderungen – Paulaner hat in den letzten Jahren zahlreiche juristische Auseinandersetzungen geführt und dabei überwiegend erfolgreich seine Markenrechte verteidigt. Dabei zeigt sich, wie wichtig der Schutz von Markenelementen im hart umkämpften Getränkemarkt ist. Der Fall zeigt aber auch die Spannungen, die zwischen großen Unternehmen und kleineren, familiengeführten Brauereien entstehen können.
Warum der harte Kampf?
Die Verteidigung der Marke nimmt hier schon klemmbausteinartige Züge an, denn: Auch Lego ist für erbitterte Kämpfe bekannt. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Verteidigt man die Marke nicht, droht eine Verwässerung. Lässt man als Markeninhaber:in diese Verwässerung zu, kann das über kurz oder lang zum Verlust des Markenrechts führen.
Artikelbild: http://www.depositphotos.com
Sandra May
Sandra beleuchtet Streitfälle im E-Commerce: von rechtlichen Fallstricken über Urheberrecht bis hin zu Influencer:innen und Wettbewerbsklagen.
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