Textilproduktion in Billigländern: Opfer von Fabrikbrand verklagen KiK

Veröffentlicht: 09.09.2015
imgAktualisierung: 09.09.2015
Geschrieben von: Yvonne Bachmann
Lesezeit: ca. 3 Min.
09.09.2015
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ca. 3 Min.
Nachrichten über Unfälle sind die traurige Folge der schlechten Produktionsbedingungen in Asien. Opfer wollen den Textildiscounter kik zur Verantwortung ziehen.


Besonders bei Textilien geht der Trend immer mehr zum Verkauf getreu dem Motto: „Es geht noch billiger!“. Schon die Wiener Autorin Nunu Kaller setzt sich in ihrem Buch „Ich kauf nix!“ kritisch mit dem sozialen und ökologischen Wahnsinn, der mit dem Shoppen beim Textilschweden und Co. verbunden ist, auseinander. Zur Verantwortung werden die betreffenden Unternehmen scheinbar nicht gezogen. Nun muss sich der Textildiscounter Kik vor einem deutschen Gericht verantworten - das Urteil könnte richtungsweisend sein.

Kik Firmen-Logo

360b / Shutterstock.com

„Abgebrannte Textilfabrik“, „Tote bei Brand in Textilfabrik“. Meldungen, die in den vergangenen Jahren leider keine Seltenheit in den Medienberichten waren. Mittlerweile haben die teilweise katastrophalen Arbeitsbedingungen in Billiglohnländern wie Indien, Bangladesch und Pakistan unzählige Opfer gefunden. Welche Konsequenzen die verantwortlichen Hersteller – häufig aus der Textilindustrie – zu befürchten haben, wird dabei kaum beleuchtet.

Muster-Verfahren soll Unternehmen zur Verantwortung ziehen

Aktuell wurde bekannt, dass sich der Textildiscounter kik in einem hierzulande beispiellosen Präzedenzfall für zahlreiche Tote in asiatischen Produktionsstätten verantworten muss. Die unzureichenden Sicherheitsvorkehrungen in einer von kik beauftragten Fabrik führten 2012 zu 260 Todesopfern und über 30 Verletzten. Betroffene und Angehörige fordern nun vor dem Landgericht Dortmund von dem Unternehmen die Zahlung von Schadensersatz in Höhe von 30.000 Euro pro Opfer (Az.: 7 O 95/15). Unterstützt werden sie dabei unter anderem vom European Center for Constitutional and Human Rights e.V. (Kurz ECCHR) aus Berlin.

„Wie in vielen Ländern Südasiens haben die Arbeiterinnen und Arbeiter in Karachi mit ihrer Gesundheit und ihrem Leben für die Kleidung von KiK gezahlt“, sagt ECCHR-Generalsekretär Wolfgang Kaleck. Die Richter müssen nun in dem Verfahren klären, ob das in Deutschland ansässige Unternehmen tatsächlich selbst gesetzlich bestehende Pflichten verletzt hat – und viel wichtiger: ob es hierfür auch zur Verantwortung gezogen werden kann.

Zwar steht außer Frage, dass die Fabrikbesitzer und auch die pakistanische Regierung die (Haupt-)Verantwortung für die Brandkatastrophe tragen. „In Zeiten globalen Wirtschaftens tragen eben auch die einkaufenden Unternehmen eine globale (Mit-)Verantwortung. Eine Klage in Deutschland leistet für die Aufarbeitung der rechtlichen Verantwortung von KiK einen wichtigen Beitrag.“, so der ECCHR in den FAQ zur Klage.

kik sieht sich nicht in der Verantwortung

Wie nicht anders zu erwarten, weist kik die Vorwürfe zurück. Es sei nicht die Aufgabe eines privaten Unternehmens, die Grundlage von Mindestlöhnen und Sicherheitsstandards in der Branbekämpfung zu schaffen. Hier seien die nationalen Gesetzgeber gefragt.

Die Textilbranche erwartet daher den Ausgang des Verfahrens mit Spannung, da sich bisher noch keine ausländische Textilfirma für die Arbeitsbedingungen in ihren Tochter- und Zulieferbetrieben in einem asiatischen Land verantworten musste. Egal wie das Verfahren ausgehen wird. Beide Parteien werden die nächsten Instanzen mit Gewissheit für eine Klärung der Rechtsfrage nutzen.

Veröffentlicht: 09.09.2015
img Letzte Aktualisierung: 09.09.2015
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Yvonne Bachmann

Yvonne Bachmann

Yvonne bringt juristische Klarheit in komplexe Fragen – zu Abmahnungen, EU-Recht, Wettbewerbsregeln und Urheberrechtsfragen.

KOMMENTARE
2 Kommentare
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Stephan
11.09.2015

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@Dunkelwelt: "Kik und Co. betreiben diese Fabriken ja nicht selbst, sondern diese haben einen Besitzer" - das mag ja sein, aber Kik und Co. hat sich ja bewusst für diese Fabriken entschieden. Sie haben also (es sei denn Kik und Co. kann gegenteiliges nachweisen) von den Zuständen gewusst und diese stillschweigend akzeptiert. Damit haben sie sich zumindest mitschuldig gemacht.

"Wenn es danach geht, müsste man auch jeden Kunden, der bei Kik, Primark und Co. einkauft, verklagen." Wieso das denn bitte? Es ist als Konsument ungleich schwieriger und nur begrenzt zumutbar sich über die Produktionsorte einer Firma im Detail zu informieren.
Dunkelwelt
09.09.2015

Antworten

Das ist doch lächerlich, das Gericht wird die Klage abweisen. Kik und Co. betreiben diese Fabriken ja nicht selbst, sondern diese haben einen Besitzer, der für die dortigen Zustände verantwortlich ist.
Wenn es danach geht, müsste man auch jeden Kunden, der bei Kik, Primark und Co. einkauft, verklagen.