Stockfotos nutzen: Rechtliche Risiken und Haftungsfragen

Veröffentlicht: 01.08.2025
imgAktualisierung: 01.08.2025
Geschrieben von: Yvonne Bachmann
Lesezeit: ca. 4 Min.
01.08.2025
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ca. 4 Min.
Viele verschiedene Fotos werden neben einer Kameralinse eingeblendet
alphaspirit / Depositphotos.com
Wer sich auf Bildarchive wie Depositphotos, Shutterstock oder Adobe Stock verlässt, begibt sich zum Teil auf dünnes Eis.


Eine Abmahnung flattert ins Postfach. Vorwurf: Urheberrechtsverletzung wegen eines Bildes auf der Website oder im Shop. Dabei wurde das Foto doch ordnungsgemäß bei einem bekannten Stockfoto-Anbieter gekauft – ganz legal, mit Lizenz, gegen Bezahlung. Die erste Reaktion: Unverständnis. Wie kann das sein?

Was viele nicht wissen: Auch wenn ein Bild offiziell „lizenzfrei“ oder zur kommerziellen Nutzung angeboten wird, bedeutet das längst nicht, dass alle rechtlichen Hürden aus dem Weg geräumt sind. Denn hinter den Kulissen der großen Bilddatenbanken lauern rechtliche Grauzonen – und die Verantwortung für eine fehlerhafte Lizenzierung trägt am Ende fast immer der, der das Bild verwendet.

Warum das so ist und wie man es vermeiden kann, erklären wir jetzt.

Die Illusion vom sicheren Bild

Stockfotos gelten als unkomplizierte Lösung. Aussagen wie „für kommerzielle Zwecke verwendbar“ erwecken verständlicherweise den Eindruck, dass die Nutzung rechtlich unproblematisch sei – zumal man für sie auch bezahlt. Tatsächlich steckt hinter diesen Begriffen lediglich, dass das Bild gegen eine einmalige Lizenzgebühr verwendet werden darf – nicht jedoch, dass es uneingeschränkt einsetzbar ist.

Folgende Konstellationen können zu Problemen führen:

  • Lizenzen nicht beachtet: Je nach Anbieter und Lizenzmodell gelten teils erhebliche Einschränkungen: Standardlizenzen erlauben beispielsweise häufig nur den eingeschränkten Einsatz, nicht automatisch auch die Nutzung auf Printprodukten, Verpackungen oder in Werbung in den sozialen Medien. Werden Stockfotos in einem nicht lizenzierten Kontext verwendet, drohen urheberrechtliche Konsequenzen. Auch die falsche oder fehlende Quellangabe kann zu Problemen führen.
  • Persönlichkeits-/Markenrechte missachtet: Ein weiterer Risikofaktor sind erkennbare Personen, geschützte Gebäude oder Marken im Bild. Für deren Darstellung sind sogenannte Model Releases (Einwilligungserklärungen der abgebildeten Personen) oder Property Releases (Genehmigung durch Eigentümer) erforderlich. Liegen solche Freigaben nicht vor, kann die Veröffentlichung Persönlichkeits- oder Markenrechte verletzen – trotz gekaufter Bildlizenz. In der Regel sind die Logos bekannter Marken redaktionellen Inhalten vorbehalten und dürfen werblich nicht verwendet werden.
  • Bild wird zur unzulässigen Werbeaussage: Aber auch die Aussagekraft eines Bildes kann zum Problem werden. Dann spielt statt des Urheberrechts das Wettbewerbsrecht eine Rolle, was folgendes Beispiel verdeutlichen soll: Wird etwa ein medizinisches Thema bildlich dargestellt, kann die Kombination aus Motiv und Produktversprechen problematisch sein und unzulässige Werbeaussagen erzeugen. Beispielsweise wird bei einer Creme mit schmerzlindernder Wirkung dargestellt, wie eine vormals leidende Person nun plötzlich sportlich aktiv ist.
  • Fehlende Urheberrechte: Hinzu kommt ein strukturelles Problem der Plattformen. Die Anbieter verlassen sich auf die Zusicherung, dass die Person, die das Werk hochgeladen hat, auch über alle erforderlichen Rechte verfügt. Eine inhaltliche Prüfung der Dateien findet in der Regel nicht statt und das wäre auch unmöglich. Shutterstock und Co. können also nie ganz ausschließen, ob das Foto nicht eigentlich geklaut ist – das wird meist erst im Rahmen einer Abmahnung bekannt.

In solchen Fällen trifft die rechtliche Verantwortung nicht den Rechteverletzer, sondern denjenigen, der das Bild verwendet – trotz redlicher Absicht.

Haftung trotz Lizenz – wie das rechtlich möglich ist

Wir sehen also: Trotz ordnungsgemäß erworbener Lizenz besteht auch bei einem Stockfoto ein rechtliches Risiko. Grund dafür ist das Geschäftsmodell vieler Stockfoto-Plattformen. Diese fungieren nicht als Urheber, sondern lediglich als Vermittler zwischen Urheber und Nutzer. Die Anbieter müssen sich auf die Zusicherung der Uploader verlassen, dass alle erforderlichen Rechte vorliegen – eine umfassende Prüfung wäre unzumutbar. So ist es im Übrigen auch bei Amazon oder Ebay. Marktplätze haben nicht die Möglichkeit, jeden einzelnen Artikel auf Verstöße (z. B. Plagiate, Bilderklau) hin zu überprüfen.

Stellt sich jedoch nachträglich heraus, dass der Rechteinhaber gar nicht zur Lizenzvergabe berechtigt war – etwa weil keine Einwilligung der abgebildeten Person vorlag oder das Fotos eines Fremden ungefragt hochgeladen wurde – haftet nach außen hin und gegenüber dem Abmahner daher nicht die Plattform, sondern der Verwender des Bildes. Es kann also im Abmahnfall nicht auf das Stockarchiv verwiesen werden

Wie kann das sein? Zahlreiche Anbieter schließen in ihren AGB eine weitergehende Haftung ausdrücklich aus oder beschränken sie auf den Rückerstattungswert der Lizenzgebühr. Aus rechtlicher Sicht sind solche Klauseln in B2B-Verträgen häufig wirksam, solange sie nicht gegen grundlegende gesetzliche Regelungen verstoßen. Im Ergebnis bedeutet das: Die rechtlichen Folgen eines fehlerhaft lizenzierten Bildes können vollständig beim Nutzer verbleiben – selbst wenn dieser im guten Glauben gehandelt hat. Wenn aber ein konkreter Hinweis auf eine Urheberrechtsverletzung vorliegt und der Anbieter nicht handelt, haftet er sehr wohl.

Strategien zur sicheren Nutzung

Um rechtliche Fallstricke bei der Verwendung von Stockfotos zu vermeiden, sind präventive Maßnahmen erforderlich. Entscheidend ist nicht nur der Erwerb einer Lizenz. Man muss sich auch mit den Bedingungen auseinandersetzen und die Anforderungen an die Nutzung kennen. Das mag lästig sein und erfordert etwas Zeit, zahlt sich aber aus.

Wie kann man rechtliche Risiken bei der Verwendung von Stockfotos minimieren?

  1. Lizenz beachten: Du musst eine gültige Lizenz für das Foto haben. Bei vielen Stockarchiven gibt es z. B. Standard- und Erweiterte Lizenzen.
  2. Zweck prüfen: Die Lizenzbedingungen legen fest, wofür du das Bild verwenden darfst. Vor der Nutzung sollte überprüft werden, ob die Lizenz die geplante Verwendung abdeckt – insbesondere bei Print, Werbung, Produkten oder Social Media Kampagnen.

Selbst bei sorgfältiger Auswahl und scheinbar lückenloser Lizenzierung bleibt ein Restrisiko bestehen – denn ob alle Rechte tatsächlich vorliegen, lässt sich vorab kaum mit letzter Sicherheit überprüfen.

Veröffentlicht: 01.08.2025
img Letzte Aktualisierung: 01.08.2025
Lesezeit: ca. 4 Min.
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Yvonne Bachmann

Yvonne Bachmann

Yvonne bringt juristische Klarheit in komplexe Fragen – zu Abmahnungen, EU-Recht, Wettbewerbsregeln und Urheberrechtsfragen.

KOMMENTARE
5 Kommentare
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Detlev
04.08.2025

Antworten

Wäre nicht der, der das Bild illegalerweise beim Anbieter hochgeladen hat, schadenersatzpflichtig? Hein Mück bekommt sicher über dessen Identität keine Auskunft (Datenschutz), aber sein Rechtsanwalt vielleicht?
ralf
04.08.2025

Antworten

Stutzig macht mich diese Aussage: "eine umfassende Prüfung wäre unzumutbar. So ist es im Übrigen auch bei Amazon oder Ebay. Marktplätze haben nicht die Möglichkeit, jeden einzelnen Artikel auf Verstöße (z. B. Plagiate, Bilderklau) hin zu überprüfen." Stimme dem zwar zu, aber: Händler, die zig Tausende Angebote bei Ebay oder Amazon haben, müssen täglich prüfen, ob die Plattform, auf der sie anbieten, keine Anzeigefehler in deren Angeboten macht, was praktisch ebenso absolut unmöglich ist, dies dauernd zu prüfen. Das ist interessanterweise dann nicht unzumutbar. Schon komisch wie mit zweierlei Maß gemessen wird. Die Plattformen können also getrost "Hehlerware" anbieten ohne zu haften und dürfen sich mit unzumutbar entschuldigen. Hier gilt also nicht der Grundsatz wie bei den Händlern, dass sie nicht gewzungen sind auf den Plattformen zu verkaufen. Shutterstock und Co. sind ja auch nicht gezwungen, Bilder zu vermitteln.
Avenger
04.08.2025

Antworten

Wie sieht das denn mit KI-generierten Bildern aus?
TS
04.08.2025

Antworten

Könnte bitte noch ein Artikel zu pixabay.com, unsplash.com folgen? Dort zahlt man nichts und erhält kommerzielle Verwendungsrechte. Theoretisch könnten auch hier Urheberrechtsverletzungen oder Probleme mit dem Markenrecht auftreten. Aber selbst alle Fotos machen? Wie sieht es bei KI-Bilder aus?
cf
01.08.2025

Antworten

Wenn man den Artikel liest, dann wäre das Ergebnis, dass keine Stockfotos mehr rechtlich sicher genutzt werden können, denn kaum eine Plattform übernimmt die rechtliche Haftung für die Inhalte. Und wenn schon der Plattform eine Prüfung auf Bilderklau, etc. nicht möglich ist, wie sollte es dann der Erwerber der Lizenz prüfen?