Retourenflut bei Zalando: Dürfen Händler Kunden einfach sperren?

Veröffentlicht: 24.09.2025
imgAktualisierung: 24.09.2025
Geschrieben von: Yvonne Bachmann
Lesezeit: ca. 3 Min.
24.09.2025
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Auf einem Tablet ist das Zalando-Logo zu sehen, das Tablet liegt in Ketten
Erstellt mit ChatGPT
Zalando will Maßnahmen gegen Vielretournierer ergreifen. Zwischen Widerrufsrecht und Hausrecht stellt sich die Frage: Ist das legal?


Zalando geht neuerdings gegen Kund:innen vor, die außergewöhnlich viele Retouren verursachen. Angesichts von Nachhaltigkeit und Kosten nachvollziehbar – doch ist es rechtlich zulässig, wenn ein Modehändler Accounts wegen zu vieler Rücksendungen sperrt? Genau dieser Frage gehen wir nach.

Schluss mit Leihhaus: Darf Zalando Sittenwächter spielen?

Das Wichtigste, was man wissen muss, ist: In Deutschland gibt es das gesetzliche Widerrufsrecht, das bleibt grundsätzlich auch bei Retouren bestehen, seien sie noch so hoch. Dieses Recht darf also weder eingeschränkt noch faktisch untergraben werden. Bereits die Angst, dass eine zulässige Rücksendung zur Sperre führt, kann rechtlich problematisch sein.

Häufige Rücksendungen allein sind auch kein Missbrauch. Missbrauch wäre etwa, wenn gezielt bestellt wird, um Produkte ohne Kaufabsicht zu nutzen – beispielsweise Kleidung für ein Instagram-Shooting. Problem für die Shops: Ein Nachweis dessen ist in der Praxis kaum oder nur mit unverhältnismäßigem Aufwand möglich. Auch der Missbrauch ist kein Grund, eine Sanktion zu verhängen, denn aus der Ferne lässt sich nun mal nicht beurteilen, ob die Kundin oder der Kunde etwas zu oft mit der Absicht bestellt hat, zurückzusenden oder ob die Person einfach nur ziemlich viel Pech mit der Größenauswahl hatte.

Das Spannungsfeld zwischen Widerrufsrecht und Hausrecht

Andererseits haben Unternehmen ein Hausrecht und Vertragsfreiheit. Niemand ist verpflichtet, mit jedem beliebig viele Verträge zu schließen. Wenn Kund:innen dauerhaft ein Geschäftsmodell belasten, darf ein Unternehmen reagieren – zumindest theoretisch. Juristisch wird es dann heikel, wenn nicht transparent ist, wann genau eine Sperre droht, oder wenn legitime Rückgaben faktisch sanktioniert werden.

Nach eigenen Angaben unterscheidet Zalando zwischen normalem Kaufverhalten und „auffallend hoher Retourenquote“. Unklar bleibt jedoch, ab welcher Schwelle eine solche Quote erreicht ist und wie verschiedene Gründe für die Retoure berücksichtigt werden, z. B. die unterschiedliche Größeninterpretation der Modehäuser. Damit ist die Maßnahme für Verbraucher kaum vorhersehbar.

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Ganz von der Hand zu weisen sind die Argumente zugunsten einer Sperrung auch aus anderer Sicht nicht. Retouren sind teuer, verursachen zusätzliche Transportwege und vernichten im Zweifel Ware. Zudem gibt es Fälle, in denen Kund:innen das Widerrufsrecht tatsächlich zweckentfremden. Wer 80 Prozent oder mehr seiner Bestellungen regelmäßig zurückschickt, bringt jede Kalkulation ins Wanken. Aus ökologischer Sicht ist ein Umdenken ohnehin dringend erforderlich. Rechtlich halten lässt sich das gegenüber dem starken Widerrufsrecht jedoch nicht.

Kaum Rechtsprechung – viel Grauzone

Bisher gibt es kaum Urteile, die diese Konstellation konkret entschieden haben. Verbraucherschützer halten das Thema sicher für spannend, da hier eine Kernfrage berührt wird: Dürfen Unternehmen durch Sperrungen Druck auf Verbraucherrechte ausüben? Amazon hat dafür bereits eine Rüge erhalten, wobei statt des reinen Warenkaufes andere Dienste wie Kindle-Dateien an der Sperrung hingen.

Einzelne Betroffene werden wohl kaum gegen Zalando klagen, weil es „nur“ darum geht, nicht mehr bei einem Shop einkaufen zu können.

Rechtlich bewegt sich Zalando also auf dünnem Eis. Sperrungen sind nicht von vornherein verboten – sie dürfen aber niemals dazu führen, dass Verbraucher ihr Widerrufsrecht nicht mehr frei ausüben. Notwendig sind klare, transparente Kriterien und verhältnismäßige Maßnahmen. Bislang fehlen eindeutige Gerichtsentscheidungen, sodass vieles eine Grauzone bleibt. Sicher ist nur: Solange Produktbilder unrealistisch wirken und Größen ausfallen wie ein Lotteriespiel, tragen auch die Händler selbst Mitschuld an hohen Retourenquoten.

Veröffentlicht: 24.09.2025
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Yvonne Bachmann

Yvonne Bachmann

Yvonne bringt juristische Klarheit in komplexe Fragen – zu Abmahnungen, EU-Recht, Wettbewerbsregeln und Urheberrechtsfragen.

KOMMENTARE
5 Kommentare
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Helmut
25.09.2025

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"sie dürfen aber niemals dazu führen, dass Verbraucher ihr Widerrufsrecht nicht mehr frei ausüben." Darum geht es bei den Fälle von Zalando und hoffentlich bald auch allen anderen großen Internetfirmen nicht, sondern um den Missbrauch des Widerrufsrecht durch exzessives Bestellen, oft ohne die Absicht, die bestellten Artikel zu behalten. Es wird Zeit, dass dem König Kunden mal eine der diversen Krönchen abgenommen wird, die im der Handel auf das Haupt gesetzt hat, weil das zu sowohl ökologisch als auch ökonomisch unsinnigen Verhalten geführt hat.
AH
25.09.2025

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Sind das nicht genau die die damit angefangen haben mit kostenlosen Versand und Rückversand !? Schrei vor Glück oder schicks zurück ! Warten wir noch 3-4Jahre dann kaufen wir alle direkt beim chinesen ein. Die Kunden mögen es preiswert die EU reguliert uns zu Grunde und für kleine Händler bleibt kein Platz da diese das nicht durchhalten werden es sei denn man bedient eine Nische die kein anderer hat und der Chinese noch nicht entdeckt hat ! Meine Meinung nach 20 Jahren Onlinehandel bei Ebay und eigenen Shops !
dirk
25.09.2025

Antworten

Wenn ausgerechnet Zalando jammert, kann man nur sagen - "die Geister, die ich rief... Zalando baute schließlich mit der extrem nervtötenden Werbung "Schrei vor Glück oder schick's zurück!" seine Firma auf. Und den penetranten Spots mit den kreischenden Protagonisten konnte man sich kaum entziehen. Zalando hat damit einen erheblichen Anteil daran, dass deutsche Onlineshopper als Retouren-Weltmeister gelten - mit deutlich höheren Retourenraten gegenüber den europäischen Nachbarn und selbst im Vergleich zu den USA, wo Kundenfreundlichkeit einen noch viel höheren Stellenwert hat als hierzulande. Bisweilen sollte die Rücksendequoten bei Zalando bei 60-70 Prozent lagen. Mir ist schleierhaft, wie sich daraus jemals ein profitables Geschäftsmodell entwickeln ließ. Aber es hat seinen Grund, warum Zalando satte 10 Jahre brauchte, um überhaupt in die Gewinnzone zu kommen. Mittlerweile soll die Retourenquote bei Zalando immer noch bei 50% liegen. Was ja nichts anderes bedeutet, als dass jede 2. Lieferung keinen Ertrag sondern ZUSÄTZLICHE KOSTEN verursacht, die den Ertrag der anderen 50% mindern. Selbst wirtschaftlich schlecht bewanderten Verbrauchern müsste dämmern, dass das nicht wirklich für ein Unternehmen funktionieren kann. Aber das interessiert die Menschen einfach icht. Ich frage mich dann immer, wie diese als Arbeitnehmer reagieren würden, wenn ihr Chef zu 50% ihrer täglichen Arbeit sagt, die Leistung ist nicht ausreichend oder dein Arbeitsergebnis gefällt mir nicht - dafür gibt's kein Geld. Ich bezahlen nur die Hälfte deiner Arbeitsstunden. Ja, gerade Online-Kauf von Mode ist nicht einfach. Aber mit ein bisschen MItdenken und LESEN der angebotenen Informationen zu dem Artikel könnten viele Retouren vermieden werden. Ja - die Androhung einer Sperre könnte Käufer von der Ausübung ihres Widerrufsrechtes abhalten. Aber so wie die Artikeldetails, Fotos, Angaben zu Preis und Lieferzeit im Falle eines Rechtsstreit zu den vertraglichen Details des Kaufes gehören, so kann sich der andere Vertragspartner, der Käufer, nicht hinstellen und sagen, habe ich nicht gesehen/gelesen, weil ich dachte, wenn ich dieses Kleid kaufe, sehe ich genauso schön aus wie das Model auf dem Foto, obwohl ich 30kg mehr wiege... Und wenn Kunden einen oder sogar mehrere Artikel in mehreren Größen ordern, liegt auf der Hand, dass sie von vornherein beabsichtigten, zumindest Teile davon nicht zu behalten. Wenn man an Kunden nichts verdienen kann, gefährden sie den Unternehmenserfolg. Punkt.
JL
25.09.2025

Antworten

Na einfach mal Retoure v0m Kunden selber zahlen lassen. Wir sehen jeden Tag was bei uns ab geht bei den Retouren (betreiben eine Postfiliale im Ladengeschäft). Wie teilweise zurück gesendet wird, läuft unter Frechheit und keinerlei Respekt gegenüber fremden Eigentum. Sobald es im Geldbeutel an kommt, wird es automatisch weniger und auch konsequent Schadensersatz verlangen, wenn es 'gebraucht' zurück kommt. Schließlich hat der Kunde die Pflicht es so zurück zu senden wie es gekommen ist und z.B. bei Schuhen, nicht erst mal je Woche ne Gehprobe damit veranstalten. Das kann ein Kunde auch in einem stationären Laden nicht. Das Widerruf ist nur dafür da, das selbe zu machen oder prüfen wie in einem Ladengeschäft üblich. Alles darüber hinaus kann ein Schadensersatzforderung vom Händler aus lösen (wir machen das Grundsätzlich, wobei wir mit weniger wie 1% Retouren gesegnet sind). Aber fie Großen haben alle Angsr Marktanteil eu verlieren. Persönlich würde ich ne gesetzliche mindest Retoure Preis für Kunden von 5€ begrüßen. Dann wird sicherlich überlegter bestellt.
SHIRT-GALERIE.de
25.09.2025
Das kann ich nur befürworten. Wir verlangen Versandkosten von 2,95€ pro Paket. Die müssen wir dem Kunden bei einer Retoure plus die Versandkosten der zurückgeschickten Ware zurückerstatten. Retourengeld von 3,--€ würden auch schon ausreichen, um dieses Ausnutzen einzudämmen.