PayPal: Mahnschreiben der Kanzlei KSP – Was hat es damit auf sich?

Veröffentlicht: 30.10.2024
imgAktualisierung: 04.08.2025
Geschrieben von: Yvonne Bachmann
Lesezeit: ca. 5 Min.
30.10.2024
img 04.08.2025
ca. 5 Min.
Ein Frau sitzt mit Smartphone auf dem Schoß, welches das Paypal-Logo zeigt
prykhodov / Depositphotos.com
Was passiert, wenn man einen negativen Saldo bei PayPal nicht begleicht, erfahren derzeit gehäuft Menschen.


Derzeit werden viele Menschen Adressaten von Mahnungen, in denen die Kanzlei KSP Rechtsanwaltsgesellschaft mbH als Vertreter von PayPal auftritt. In den Schreiben werden Beträge gefordert, die aufgrund von offenen Zahlungen im PayPal-Account des jeweiligen Nutzers entstanden sein sollen. Die Kuriose daran: Die Schuld am negativen Saldo weisen die Betroffenen teilweise von sich.

Kurz & knapp

👉 Das ist passiert: Nutzer erhalten Mahnschreiben der Kanzlei KSP im Auftrag von PayPal wegen angeblich offenem Negativsaldo, oft ohne eigenes Zutun. 

👉 Fest steht: Forderungen beinhalten Hauptbetrag, Zinsen und Anwaltskosten – schnell kann sich ein moderater Betrag in ein größeres Problem verwandeln. 

👉 Wichtig ist nun: Betroffene sollten genau prüfen, bei Zweifeln formal widersprechen, PayPal kontaktieren und Fristen beachten.

PayPal Mahnschreiben: Forderung steigt von 78 Euro auf 108 Euro

Die Schreiben sind relativ schlicht gehalten und betreffend in den uns vorliegenden Fällen keine Unsummen. Recht nüchtern, kurz und knapp wird auf eine ausstehende Hauptforderung hingewiesen. Durch den Zahlungsverzug fallen jedoch Zinsen und zusätzliche Kosten wie Anwaltskosten an, was zu einem deutlich höheren Gesamtbetrag führen kann. Die Adressaten werden schließlich dazu aufgefordert, die Zahlung bis zu einem bestimmten Datum zu tätigen, um weitere rechtliche Schritte zu vermeiden.

Beispiel-Schreiben vom Oktober 2024

Zusammenfassend muss gesagt werden, dass das Anwaltsschreiben ernst zu nehmen ist und es sich zumindest bei den uns vorliegenden Beispielen nicht um Fakes handelt.

Das Brisante ist jedoch, dass immer mehr Betroffene behaupten, die roten Zahlen in ihrem PayPal-Account gar nicht selbst verschuldet zu haben. Ein Identitätsdiebstahl könnte in solchen Fällen dahinter stecken, wenn Zahlungen ohne das Wissen der echten PayPal-Nutzer:innen angewiesen werden. Um dann mit PayPal in Kontakt zu treten und den Fall aufzuklären, muss man gute Nerven und viel Geduld haben.

Checkliste: Was tun bei PayPal-Mahnschreiben durch KSP Rechtsanwälte?

Die Schreiben verdeutlichen, dass PayPal bei Zahlungsrückständen Ernst macht und dann nicht nur die ursprünglichen Beträge, sondern auch zusätzliche Kosten wie Anwaltsgebühren und Zinsen geltend gemacht werden. Nachfolgend ein Leitfaden, wie man bei solchen Forderungsschreiben reagieren sollte:

1. Mahnschreiben prüfen: Zunächst sollten die Details des Mahnschreibens genau geprüft werden. Ist die angegebene Forderung nachvollziehbar und passt zum jeweiligen PayPal-Account? Besteht wirklich ein negativer Kontostand in dieser Höhe? Bereits an dieser Stelle kann rechtlicher Rat eingeholt werden.

2. Verdacht auf Identitätsdiebstahl melden: Wer den negativen Saldo nicht selbst verschuldet hat, sollte sich umgehend an PayPal wenden und den Verdacht auf einen möglichen Identitätsdiebstahl mitteilen.

3. Kontakt zur KSP Kanzlei aufnehmen: Falls die Forderung unklar oder unrichtig ist, sollte man dies schriftlich der KSP Kanzlei mitteilen beziehungsweise über einen eigenen Rechtsbeistand mitteilen lassen. Auch von dort kann eine detaillierte Information zur angeblichen Schuld eingefordert werden, um den Sachverhalt zu klären. Falls die Forderung unbegründet ist, ist schriftlich Widerspruch bei der Kanzlei sowie bei PayPal einzulegen und dieser zu begründen.

4. Fristen beachten: Die Schreiben enthalten eine Frist zur Zahlung. Selbst wenn der Sachverhalt ungeklärt ist, sollte man diese Frist ernst nehmen, um weitere Kosten und rechtliche Schritte zu vermeiden.

Fazit: Wer sich mit einer Mahnung von PayPal und KSP konfrontiert sieht, sollte ruhig bleiben, die Forderung sorgfältig prüfen und frühzeitig handeln, um weitere Kosten zu vermeiden. Allerdings wird von einer Zahlung aus Angst vor Repressalien ins Blaue hinein dringend abgeraten.

Die uns vorliegenden Schreiben betreffen derzeit nur Privatpersonen. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass auch Händlerinnen und Händler mögliche Empfängerinnen und Empfänger solcher Schreiben werden, wenn sie mit ihrem Account in die roten Zahlen geraten.

Vorsicht vor Betrugsversuchen

Auch wenn die Mahnschreiben der Kanzlei KSP im Auftrag von PayPal derzeit als echt gelten, ist Wachsamkeit geboten. In der Vergangenheit kam es immer wieder zu ähnlich gestalteten Fake-Schreiben von Trittbrettfahrern. Betroffene sollten Absender, Aktenzeichen und Zahlungsinformationen genau prüfen und bei Zweifeln direkt bei KSP oder PayPal nachfragen – insbesondere bei E-Mails ohne offizielle Absenderdomain oder mit fehlerhaften Anhängen.

FAQ zu den PayPal Mahnschreiben

Warum erhalte ich ein Mahnschreiben von der Kanzlei KSP im Namen von PayPal?

PayPal beauftragt die Kanzlei KSP mit dem Einzug offener Forderungen, etwa bei lang anhaltenden negativen Kontosalden oder unbezahlten Beträgen.

Was sind typische Inhalte solcher Mahnschreiben?

Die Schreiben enthalten meist Forderungen über den ursprünglichen Betrag, zusätzlich Zinsen und Anwaltskosten – oft mit knappen Zahlungsfristen.

Kann ich die Forderung anzweifeln oder zurückweisen?

Ja. Wer Zweifel an der Rechtmäßigkeit hat, sollte die Forderung schriftlich bestreiten, PayPal kontaktieren und gegebenenfalls rechtlichen Rat einholen.

Welche rechtlichen Chancen habe ich, wenn ich eine Mahnung erhalten habe, obwohl ich keinen Negativsaldo verursacht habe?

Wer die negative Buchung nicht selbst verursacht hat oder den Betrag bestreitet, sollte schriftlich Widerspruch einlegen. Kann nachgewiesen werden, dass z. B. das Konto kompromittiert wurde, steigen die Chancen deutlich. Einem Mahnbescheid muss innerhalb von zwei Wochen widersprochen werden.

Was passiert, wenn ich die Mahnung ignorieren?

Einfaches Ignorieren ist riskant: KSP kann das Verfahren mit Vollstreckungsbescheid und ggf. Pfändung fortsetzen – sofern kein Widerspruch erfolgt.

Kann ich die Forderung nur mit Zahlung an PayPal ausgleichen und Inkassogebühren vermeiden?

Nein. Die Zahlung an PayPal allein erfüllt die Verpflichtungen gegenüber PayPal. KSP fordert zusätzlich Zinsen, Anwaltskosten und Auslagenpauschalen – diese entfallen nicht durch eine separate Zahlung an PayPal.

Ich habe keinen Zugriff mehr auf meine bei PayPal hinterlegte E‑Mail: Kann dadurch Mahnung verloren gehen?

Ja, Kunden berichten davon, dass KSP-Schreiben trotz veralteter Kontaktdaten versendet werden – dadurch kann Post nicht ankommen oder ignoriert werden. Zahlungsaufforderungen können sich anhäufen und enden meist erst bei offiziellen Zustellungen.

Ist eine Ratenzahlung bei KSP möglich, wenn ich die volle Summe nicht auf einmal begleichen kann?

Ja. KSP bietet im Einzelfall Ratenzahlung an – aber nur bei rechtzeitiger Kontaktaufnahme. Versäumtes Reagieren kann zum Verlust dieser Vereinbarung und eskalierendem Verfahren führen.

Welche Folgen hat eine unbezahlte PayPal-Forderung für mein Online-Business?

Unbezahlte Forderungen können zur Einschränkung oder Schließung des PayPal-Kontos führen – das kann gravierende Auswirkungen auf den Zahlungsverkehr haben.

Wie kann ich mich vor unberechtigten Forderungen schützen?

Regelmäßige Kontrolle des PayPal-Kontos, zeitnahe Klärung von Unstimmigkeiten und Schutz vor Fremdzugriffen (z. B. durch Phishing) sind essenziell.

 Artikelbild: http://www.depositphotos.com

Veröffentlicht: 30.10.2024
img Letzte Aktualisierung: 04.08.2025
Lesezeit: ca. 5 Min.
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Yvonne Bachmann

Yvonne Bachmann

Yvonne bringt juristische Klarheit in komplexe Fragen – zu Abmahnungen, EU-Recht, Wettbewerbsregeln und Urheberrechtsfragen.

KOMMENTARE
3 Kommentare
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Oliver
31.10.2024

Antworten

Paypal verstösst mit der Weiterleitung nicht justiziabler Forderungen, wegen permanenten Verstosses gegen ZAG § 32 sowie EU-Zahlungsdienstleisterrichtlinien permanent gegen Bankenpflichten. Bei Paypal, Luxemburg, ist man scheinbar der Meinung das die Rechte einer Bank gerne ausgeübt werden jedoch die Pflichten nach Gutdünken missachtet zur Kundenschädigung angewandt werden. Die kommt einer finanziellen Selbstjustiz, von Paypal, gleich und jeder Privatkunde wird obsiegen. In Zeiten von zahlreichen anderen Zahlungsmöglichkeiten ist dies sehr unklug, von Pappal, die Kunden dem Inkasso zu übergeben.
Robert
30.10.2024

Antworten

Unserer Erfahrung nach sind Mahnschreiben, ob von Anwälten oder Inkassobüros, das Papier nicht wert. Entscheidend ist, dass man per Einschreiben baldmöglichst Widerspruch einlegt und dabei eine kurze Frist von maximal zwei Wochen setzt. In den meisten Fällen verläuft die Angelegenheit dann im Sande. Sollte jedoch tatsächlich eine berechtigte Zahlungspflicht bestehen, ist es ratsam, die offene Summe direkt an den Gläubiger zu überweisen und diesen darüber in Kenntnis zu setzen. Gerade bei kleineren Beträgen kommt nach der ersten Mahnung oft kein weiteres Schreiben. Grund dafür ist, dass unsere deutschen Gerichte völlig überlastet sind und solche Forderungen in der Regel nicht einmal bearbeiten -sprich es landet im Aktenmüll. Natürlich wirken Mahnschreiben häufig einschüchternd, doch bis ein Gerichtsprozess angestrengt wird, muss in der Regel eine erhebliche Summe ausstehen, damit der Aufwand, einschließlich Anwalts- und Prozesskosten, sich für den Gläubiger lohnt. Bei Forderungen über Plattformen wie hier im Falle von PayPal kommt es höchstens zum Ausschluss von deren Diensten. Ob einem PayPal wichtig ist oder nicht, muss sich dann jeder selbst fragen.
JL
31.10.2024
Na das ist nicht richtig. Es können und werden auch weit kleinere Beträge gerichtlich geltend gemacht, denn die Menge machts und natürlich auch die Abschreckende wirkung wenn es mal die Runde macht. Wenn man Nachweislich auf Mahnungen nicht reagiert, ist man selber Schuld. Wenn es an ein Inkasso Unternehmen geht, muss zumindest dvor bezahlt worden sein (Eingang der Zahlung). Dann hat man ggf noch Chancen diese Kosten nicht tragen zu müssen. Auch wir schrecken nicht davor zurück ein Mahnbescheid für Kleinstbeträge zu beantragen und es ggf. komplett durch zu ziehen. Was nützt es denn wenn man nur droht, man muss es auch dann durchsetzen. Zumindest in Bayern braucht man sich auf überlastete Gereichte nicht einstellen. In NRW oder Berlin sieht das sicher anders aus, aber bearbeiten müssen sie es es dauert nur länger.