Teil 4: Online-Shop rechtssicher mit KI? Was ChatGPT erkennt – und was nicht

Veröffentlicht: 20.08.2025
imgAktualisierung: 20.08.2025
Geschrieben von: Sandra May
Lesezeit: ca. 5 Min.
20.08.2025
img 20.08.2025
ca. 5 Min.
Frau mit Schürze und KI-Roboter betrachten gemeinsam einen Laptop mit Einkaufswagensymbol.
Erstellt mit KI
KI-Tools wie ChatGPT erleichtern Online-Händler:innen die Arbeit – doch rechtliche Stolperfallen lauern.


ChatGPT und andere KI-Modelle erleichtern ungemein den Alltag. Sie helfen bei Texten, der Bilderstellung und verwandeln das kreative Chaos wie von Zauberhand in verwertbare Ergebnisse.

Entsprechend sind die technischen Arbeitskollegen auch für viele Online-Händler:innen Teil des Alltags. Aber: Kann die KI auch dabei unterstützen, Abmahnfallen im Shop zu erkennen?
Unsere bisherigen Tests mit ChatGPT findest du hier:

Für den Test verwenden wir folgenden Prompt und füttern die KI mit Links und Screenshots aus Shops. Dabei haben wir bewusst Shops gewählt, die offensichtliche Fehler aufweisen. Verwendet wurde das Model ChatGPT 5.

Du bist eine erfahrene Anwältin im IT-Recht mit Schwerpunkt auf Wettbewerbsrecht, Preisangabenverordnung und Datenschutzrecht. Deine Aufgabe ist es, den folgenden Online-Shop umfassend auf seine Rechtssicherheit zu prüfen.

Gehe dabei insbesondere auf folgende Punkte ein:

  • Wettbewerbsrecht: Irreführende Angaben, Informationspflichten, Impressum, AGB
  • Preisangaben: Korrekte Darstellung von Endpreisen, Versandkosten, Grundpreisen
  • Datenschutz: DSGVO-Konformität, Einbindung von Tracking-Tools, Datenschutzerklärung

Formuliere deine Bewertung strukturiert, nachvollziehbar und mit konkreten Hinweisen, wo rechtliche Risiken bestehen und wie diese behoben werden können.

Für den Test haben wir uns auf einfache Fehler konzentriert, die jeder Person mit etwas Hintergrundwissen – und damit auch Abmahner:innen – leicht ins Auge springen. Beachte: Die Rechtssicherheit im Shop ein komplexes, vielschichtiges Thema, welches sich in aller Regel nicht durch die Beurteilung von Screenshots regeln lässt. 

Versuch 1: Link des Shops zur Überprüfung

Im ersten Versuch haben wir der KI einfach den Link zum Shop als ganzes gegeben. Erfreulich ist, dass sie sich dabei tatsächlich auf der Seite umgesehen hat. Sie liefert Einschätzungen zum Impressum, der Datenschutzerklärungen und natürlich auch den Preisangaben. Das schlechte: Die offensichtlichen Fehler wurden nicht erkannt. So fand die KI, dass bei den Preisen stets der Mehrwertsteuerhinweis erfolgte. Dem war aber nicht so. Auch die Versandangabe ist rechtswidrig, da keine Versandkosten genannt werden.

Mit dem Link kommt man hier also nicht weiter.

Versuch 2: Screenshot von der Startseite

Im zweiten Versuch wollten wir schauen, wie die KI es händelt, wenn wir ihr nicht den kompletten Shop als Grundlage geben, sondern eben nur einen Screenshot von Angeboten der Startseite. Dafür haben wir den Prompt etwas verfeinert und die KI angewiesen, vor allem einen Blick auf die Preisangaben zu werfen.

Du bist eine erfahrene Anwältin im IT-Recht mit Schwerpunkt auf Wettbewerbsrecht, Preisangabenverordnung und Datenschutzrecht.
Deine Aufgabe ist es, den folgenden Online-Shop umfassend auf seine Rechtssicherheit zu prüfen.
Überprüfe hier insbesondere, ob die Preisangabe rechtssicher ist.
Formuliere deine Bewertung strukturiert, nachvollziehbar und mit konkreten Hinweisen, wo rechtliche Risiken bestehen und wie diese behoben werden können.
 

Drei Produkte nebeneinander: Familienkalender 2026, Jahresplaner Stripes 2026 und Ringbuch, jeweils mit Preisangabe.
Hier leistet die KI gute Arbeit. Die fehlenden Hinweise auf die Versandkosten und die Mehrwertsteuer werden erkannt. Zusätzlich gibt die KI proaktiv noch den Hinweis, dass keine Grundpreisangabe erforderlich ist. Entsprechend lautet das zusammenfassende Feedback korrekt: „Die Preisangaben im Shop sind derzeit nicht rechtssicher. Es fehlen die Pflichtangaben ‚inkl. MwSt.’ und ‚zzgl. Versandkosten’. Beides sollte unmittelbar beim Preis ergänzt werden, um Abmahnungen und Bußgelder zu vermeiden.“

Versuch 3: Detailansicht

Weil es so gut geklappt hat, versuchen wir es gleich noch mit der Detailansicht. 

Produktseite für Jahresplaner Stripes 2026 in Rosa, Preis 14,95 €, lieferbar in 2–3 Tagen, mit PayPal-Zahloption.Auch hier stellt die KI fest, dass der Satz ‚Versand wird beim Checkout berechnet’ problematisch ist und gibt stattdessen den Tipp, ‚zzgl. Versandkosten’ inklusive einer Verlinkung zu den Versandkosten zu schreiben.

Was leider nicht moniert wird, ist der Hinweis, dass die Ware „gewöhnlich“ in 2 bis 4 Tagen abholbereit ist. Dabei handelt es sich um eine ungenaue Angabe, die abgemahnt werden kann.

Versuch 4: Überprüfung der Versandbedingungen

Als Nächstes geben wir der KI die Versandbedingungen als Text und lassen diese bewerten.

Du bist eine erfahrene Anwältin im IT-Recht mit Schwerpunkt auf Wettbewerbsrecht, Preisangabenverordnung und Datenschutzrecht.
Deine Aufgabe ist es, zu überprüfen, ob die folgenden Versandangaben rechtssicher sind. 
Formuliere deine Bewertung strukturiert, nachvollziehbar und mit konkreten Hinweisen, wo rechtliche Risiken bestehen und wie diese behoben werden können.

Dabei fällt der KI erfreulicherweise ein Fehler auf: Im Shop existiert eine Regelung zur Nachberechnung der Versandkosten. Grundsätzlich ist der Versand ab 100 Euro versandkostenfrei. Wenn ein Teilwiderruf erfolgt und der Wert dann unter 100 Euro sinkt, sollen die Versandkosten nachberechnet werden. 
Weniger erfreulich: Die KI schlägt einfach eine verbesserte Formulierung vor. Richtig wäre, die Formulierung ganz zu streichen, da das Nachberechnen von Versandkosten generell unzulässig ist. Schließlich hat man sich im Kaufvertrag auf Versandkosten in Höhe von null Euro geeinigt. 

Versuch 5: Check-out-Prozess

Als Letztes werfen wir noch einen Blick auf einen Teil des Check-out-Prozesses. Dieser ist so gestaltet:

Checkout-Seite mit Express-Zahlungsoptionen, Versandformular und Bestellübersicht für zwei Artikel im Wert von 15,90 €.

Die KI schlägt erneut korrekt bei den Versandkosten an. Diese müssen stets transparent angegeben werden. Besser wäre hier eine sichtbare Verlinkung. Ob das kleine Info-Symbol reicht, ist jedenfalls zweifelhaft.

Außerdem wird moniert, dass der Hinweis auf die AGB, das Widerrufsrecht und den Datenschutz fehlen. Diese Verlinkungen tauchen auch bei der finalen Bestellübersicht nicht auf. Zudem fehlen die wesentlichen Informationen zum Produkt. Es wird lediglich ein Bild und der Name gezeigt.

Für eine positive Überraschung sorgt weiterhindie Einschätzung zum Newsletter: „‚Neuigkeiten und Angebote via E-Mail erhalten’ ist vorangekreuzt → unzulässig nach Art. 7 DSGVO & UWG § 7 Abs. 2 Nr. 3“, sagt ChatGPT korrekt.

Das abschließende Feedback lautet daher: „Das Checkout-Formular ist aktuell nicht rechtssicher. Hauptprobleme: fehlende Transparenz bei Versandkosten, unzulässige voreingestellte Newsletter-Einwilligung, keine AGB/Widerruf-Links und unklare Button-Beschriftung. Ohne Korrekturen besteht akute Abmahngefahr.“

Fazit: Gute Stütze, aber es wird Vorwissen benötigt

Die KI erkennt erstaunlich gut Stolperfallen, allerdings nicht alle. Darüber hinaus sollte man bei der Verwendung schon wissen, was man da tut. Entsprechend sind Vorkenntnisse notwendig. Beachtet werden muss auch, dass für diesen Versuch eher einfache Fehler gewählt wurden. Diese einfachen Fehler wurden von der KI nicht zuverlässig erkannt. Die Lösungen waren teilweise ebenfalls rechtswidrig.

Größtes Manko ist aber die Haftung: Für die Tipps der KI haftet niemand, außer man selbst. 

Veröffentlicht: 20.08.2025
img Letzte Aktualisierung: 20.08.2025
Lesezeit: ca. 5 Min.
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Sandra May

Sandra May

Sandra beleuchtet Streitfälle im E-Commerce: von rechtlichen Fallstricken über Urheberrecht bis hin zu Influencer:innen und Wettbewerbsklagen.

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