Kunden für zu viele Rücksendungen bestrafen – Geht das?

Veröffentlicht: 13.09.2024
imgAktualisierung: 13.09.2024
Geschrieben von: Yvonne Bachmann
Lesezeit: ca. 3 Min.
13.09.2024
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ca. 3 Min.
Auf einer Tatstur klebt ein Zettel mit "Return Policy"
artursz / Depositphotos.com
Retouren gehören zum E-Commerce. Doch wenn diese zur Gewohnheit werden, müssen Shops Mittel und Wege finden. Gibt es eine legale Möglichkeit?


Der britische Online-Modehändler Asos führt für Kund:innen mit einer hohen Retourenquote eine Gebühr ein, sofern diese nur einen Teil der Bestellung mit geringem Wert behalten. Ziel ist es, die hohen Kosten durch häufige Rücksendungen zu decken und weiterhin kostenlose Retouren für die meisten Kund:innen anzubieten. Kund:innen kritisieren die Maßnahme und verweisen auf Asos' unzuverlässige Größenauswahl oder Qualität.

Wir haben uns gefragt: Ist das überhaupt legal und welche Möglichkeiten gibt es für betroffene Händlerinnen und Händler stattdessen?

Kommt man am Widerrufsrecht vorbei?

Wer die Pläne von Asos liest, wird zunächst einen Gedanken haben: Und was ist mit dem Widerrufsrecht? Und in der Tat hat der Verbraucherschutz bei uns einen so hohen Stellenwert, dass man kaum am Widerrufsrecht vorbeikommt. Es scheint wie in Stein gemeißelt, dass Verbraucherinnen und Verbraucher ihre Vertragserklärung innerhalb einer bestimmten Frist ohne Angabe von Gründen widerrufen dürfen – und das fast grenzenlos. Eine Strafe passt mit dem Widerrufsrecht nicht wirklich zusammen, denn warum sollte man bestraft werden, wenn man ein gesetzlich garantiertes Recht ausübt?

Und so dürfte auch die Argumentation gegen Asos’ Pläne ausfallen. Verbraucherinnen und Verbraucher sollen ihr Widerrufsrecht aus freien Stücken ausüben können und nicht deshalb von einer Retoure absehen, weil sie eine Sanktion befürchten müssen. Allein die Drohung, man bekommt eine Gebühr auferlegt, kann schon ein verändertes Retourenverhalten bewirken und dazu bewegen, aus Angst vorsichtshalber freiwillig auf eine Rücksendung – und damit letztendlich auf den Gebrauch des Widerrufsrechts – zu verzichten. Gerade vor diesem Hintergrund scheint die Strafgebühr für notorische Vielretournierer zumindest fragwürdig.

Was ist zu viel?

Zudem muss man sich eine solche Vorgehensweise hinsichtlich der Transparenz anschauen. Wo fängt ein normales Rücksendeverhalten an und was ist in den Augen von Asos schon zu viel? „Für eine kleine Gruppe von Kunden, deren Verhalten dafür sorgt, dass ein nachhaltiger Service nicht aufrechtzuerhalten ist, ziehen wir von der Rückerstattung eine Rücksendegebühr [...] ab“, heißt es bei Asos. Zum einen darf eine solche Gebühr nicht rückwirkend verlangt werden, das ist das eine.

Für die betroffenen Personen ist es zudem nicht nachvollziehbar, wie sie sich nun verhalten müssen, um ohne die Gebühr zurücksenden zu können und welche Möglichkeit es gibt, den eigenen Status wieder zu verbessern. Ganz zu schweigen von den vielen Betroffenen, die im guten Glauben bestellt haben, aber mit den verschiedenen Konfektionsgrößen der unterschiedlichen Labels einfach keine Chance auf Passgenauigkeit haben.

Faktisch bedeutet Asos’ Idee auch, dass man im System je nach Kundengruppe zwei verschiedene Widerrufsbelehrungen hinterlegen müsste – praktisch wohl eher nicht umsetzbar.

Der goldene Mittelweg

Daher ist die Idee zwar gut gedacht, aber für kleinere Händlerinnen und Händler, die stets das Damoklesschwert der Abmahnung über sich schweben haben, keine valide Option. Allerdings sieht das Gesetz selbst eine vollkommen legale Methode vor, die Rücksendekosten auf die Kundschaft umzulegen: über die ganz normale rechtssichere, gesetzliche Widerrufsbelehrung. „Sie tragen die unmittelbaren Kosten der Rücksendung für paketversandfähige Waren“, heißt es dann in der Widerrufsbelehrung. Eine kleine und legale Hürde, die ebenfalls nicht jeder Verbraucher nehmen will. Was für Asos vermutlich bislang keine Option wäre, ist jedoch für kleine Unternehmen durchaus zu durchdenken.

Es muss aber nicht immer ein Schwarz oder Weiß sein. Unternehmen könnten sich auch fragen, wie es zu den vielen Retouren kommt und am Beispiel von Asos prüfen, wie es um Größenangaben oder Qualität steht. Fehlen Fotos oder gibt es andere Gründe, warum Kundinnen und Kunden Produkte zurückschicken?

Artikelbild: http://www.depositphotos.com

Veröffentlicht: 13.09.2024
img Letzte Aktualisierung: 13.09.2024
Lesezeit: ca. 3 Min.
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Yvonne Bachmann

Yvonne Bachmann

Yvonne bringt juristische Klarheit in komplexe Fragen – zu Abmahnungen, EU-Recht, Wettbewerbsregeln und Urheberrechtsfragen.

KOMMENTARE
6 Kommentare
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KAABEE
27.09.2024

Antworten

Wir sind inzwischen radikal und sperren die Kunden auch, so wie Dirk es beschreibt. Das mal was nicht paßt ist doch völlig in Ordnung bei Textilien, aber für 1500 EUR Artikel zu bestellen, alles auszupacken "verknüddelt" wieder zurückzuschicken...das darf nicht mehr sein. Schluß, der Kunde ist dann kein König mehr, sondern soll sich woanders austoben!
Marius
22.09.2024

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Ich bestelle meine Kleidung immer bei bei einem Online-Kleidungshändler, bei dem die Rücksendekosten durch den Kunden zu tragen sind... ABER: Man kann dort 100 Tage lang shoppen so viel man will und wird in fast jedem Newsletter fündig mit kostenloser Lieferung ab 29€, zusätzlich gibt es laufend 7% (MBW 60€) oder 10% (MBW 99€) Gutscheine auf alles, das führt dazu, dass ich oft und viel mehr bestelle und behalte, als wir eigentlich brauchen... Alle Bestellungen der 100 Tage kann ich dann mit einem einzelnen DHL Retourenlabel des Händlers zu 5,99€ zurückschicken, der Kunde wird zusötzlich mit Erhalt des Retourenlabels intelligent über die Kosten von Retouren aufgeklärt: "Wusstest Du, dass laut einer Studie der Universität Bamberg einem Händler eine Retoure fast 20€ kostet und zusätzlich die Umwelt belastet? Bitte beachte, dass wir für das von Dir verwendete DHL-Retourenlabel 5,99€ abrechnen. Diese 5,99€ decken nur einen Bruchteil der 20€, den Rest übernehmen wir für Dich!" Das nenne ich cleveres Marketing! 👍👍👍
Sven
16.09.2024

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Schwieriges Thema, gerade im Bereich von Kleidung. Meine Meinung nach sollte nicht alles immer auf den Rücken der Händler geschehen, eine Grenze wäre hier schon sinnvoll.
dirk
16.09.2024

Antworten

"aber mit den verschiedenen Konfektionsgrößen der unterschiedlichen Labels einfach keine Chance auf Passgenauigkeit haben." Da gilt der klare Ratschlag: Lesen hilft! Tatsächlich meinen aber viele - und hier muss man leider sagen - Frauen bevorzugt - "ich trage immer M und das Teil fällt VIEEEL zu klein aus!!!!" Da kannst du zehnmal dazu schreiben, "Achtung, fällt klein aus, wir empfehlen eine Nummer größer!", Fotos, wo die Klamotte knalleng sitzt, also jeder klar sein sollte, da ist nicht viel Spielraum... und auch detaillierte Größentabellen scheinen für viele nur Deko zu sein. Aber Lesen ist von der Insta-TikTok-Generation halt zuviel verlangt. Schönes Bild - also One-Klick-Gekauft. Ist ja egal, wenn's nicht passt, geht's halt mit den ganzen Paketen zurück. Wir sind da knallhart: Jeder hat 3 Strikes - wer 3x nacheinander mehr als 80% zurückschickt, ist raus. Für immer. Denn dieser Kunde wird sein Einkaufsverhalten niemals ändern. Und ehrlich gesagt - nach 20 Jahren in diesem Business weiß man eigentlich: Wenn die 1. Bestellung direkt zurückkommt, dann wird man an diesem Kunde höchstwahrscheinlich kein Geld mehr verdienen. Und dieses ganze Customer-First-Gewäsch ist Bullshit. Dadurch, dass die Retoure möglichst einfach und bequem ist, erhöht man nicht Umsatz und Profit, sondern lediglich die Retourenquote. Das mag bei Marktplatz-Händlern wie Amazon, Otto, Ebay & Co. anders sein - aber für Nischenhändler, die sich auf ein ganz bestimmtes Segment fokussieren, ist das so.
Max Sommer
16.09.2024

Antworten

Jaja, die Händler haben Schuld, weil die ihre Waren online schlecht beschreiben und keine Fotos hinterlegen. Das ist sicherlich in einigen Fällen richtig, aber doch viel zu pauschal. Vielmehr halte ich kostenlose Retouren (und kostenlosen Versand) dafür verantwortlich, dass Menschen unbedacht bestellen. Kostet ja nix, wenn man es zurückschicken muss. Wir beschreiben unsere Ersatzteile ausführlich in Wort und Bild, benennen den Verwendungszweck und bieten persönliche Hilfe bei der Auswahl an. So haben wir verhältnismäßig sehr wenig Widerrufe. , das ist schön richtig. Trotzdem gibt es immer mal wieder Zeitgenossen, die einfach drauflos bestellen und dann merken: ups, das paßt bei mir nicht. Kostenlosen Versand oder Retouren gibt es bei uns nicht, wohl aber sponsoren wir teure Versandarten wie z.B. Sperrgut. Da finde ich das dann schon in Ordnung, wenn der Kunde bei der der Rücksendung merkt, dass so ein Sperrgutversand richtig teuer ist (auch für uns). Der fragt beim nächsten Mal mit Sicherheit vorher nach, ob das gefundene Bauteil das Richtige ist. Man kann die Kunden eben auch entsprechend erziehen, aber das muss der offenbar vorher erst im Geldbeutel merken. Und den gänzlich unbelehrbaren Zeitgenossen sperren wir einfach den Zugang zum Shop mittels Hausverbot. Das hatten wir bislang aber erst einmal, nachdem ein Kunde bestellt und retourniert hat und trotz unserem Angebot, uns Fotos zur Bestimmung zu schicken, damit wir ihm das passende Teil heraussuchen können, das ganze noch 4x wiederholt hat. Dieser mündige Bürger hat nun die Möglichkeit, bei allen anderen Händlern einzukaufen, nur eben nicht mehr bei uns.
H.L.Runz
16.09.2024

Antworten

Klar ist aber auch, dass in der Tat die Retouren-Quote zu hoch ist! Wir sind auf zwei Plattformen, bei der einen ist die Retoure versandkostfreie und bei der anderen Plattform muss sich der Kunde die Rücksendekosten selbst tragen. Bei der Versandkostenfreien Retoure sind die Rücksendungen sehr hoch. Bei den Rücksendungen, die der Kunde tragen muss sehr niedrig! Im Zuge der Nachhaltigkeit sollte man so einen Schritt überlegen.