Lizenzgebühren für Sounds und Musik sind teuer, professionelle Synchronsprecher ebenso. Deutlich günstiger – teilweise sogar kostenlos – sind KI-Tools, die Songs, Geräusche oder eingesprochene Texte erzeugen. Doch dürfen diese Ergebnisse wirklich bedenkenlos eingesetzt werden?
Zufällige Ähnlichkeit zu bekannter Stimme sorgt für Schadensersatz
Grundsätzlich gilt: KI erzeugt ihre Ergebnisse zufällig. Solche Inhalte sind daher urheberrechtlich nicht geschützt und sollten auf den ersten Blick auch unbedenklich sein. Ein aktueller Fall zeigt jedoch, dass die Realität komplizierter ist.
Ein YouTuber nutzte für zwei Videos ein KI-generiertes Voiceover. Zuschauer:innen bemerkten schnell: Die Stimme klingt verdächtig nach Bruce Willis. Tatsächlich ahmte die KI die markante Stimme des Synchronsprechers Manfred Lehmann nach, der nicht nur Bruce Willis, sondern auch Gérard Depardieu und Kurt Russell seine Stimme leiht. Das Ergebnis: Der YouTuber musste nachträglich 4.000 Euro Lizenzgebühr zahlen.
KI kann eine rechtswidrige Vervielfältigung sein
Der Fall macht deutlich: Auch KI-Inhalte können eine unzulässige Vervielfältigung und Verbreitung darstellen – wenn sie einem Original zu ähnlich sind. Das betrifft nicht nur Stimmen, sondern auch Sounds, Musik oder Bilder. Dabei spielt es keine Rolle, ob man bewusst ein Vorbild im Prompt angesteuert hat oder die Ähnlichkeit zufällig entstanden ist.
Im Fall Lehmann reichte offenbar schon der Versuch, eine „heroische Stimme“ zu erzeugen. Da die KI auf bestehenden Daten basiert, landete sie letztlich bei einer der bekanntesten Stimmen des deutschen Sprachraums – mit teuren Folgen für den Nutzer.
Praxistipp: Prüfen, prüfen, prüfen
KI-Tools sind verlockend: Sie liefern schnell und günstig Sounds, Musik oder Stimmen. Doch Vorsicht – auch KI-Ergebnisse können Rechte verletzen, wenn sie einer bestehenden Stimme, Melodie oder Aufnahme zu ähnlich sind.
Unsere Tipps für die Praxis:
- Genau hinhören und prüfen: Klingt die Stimme oder Musik auffällig ähnlich wie ein bekanntes Original? Dann besser nicht verwenden.
- Transparente Nutzung: Wenn möglich, klarstellen, dass es sich um KI-generierte Inhalte handelt.
- Lizenzen vergleichen: Für kommerzielle Projekte kann eine rechtssicher erworbene Lizenz am Ende günstiger sein als ein Rechtsstreit.
- Im Zweifel: Finger weg. Bist du unsicher, ob ein KI-Ergebnis Rechte verletzt, nutze lieber lizenzierte Alternativen.
So sparst du nicht nur Kosten, sondern auch das Risiko teurer Abmahnungen.
Artikelbild: http://www.depositphotos.com
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