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Neue Betrugsmasche: Händler berichten von systematischen Kleinstbestellungen

Veröffentlicht: 06.11.2024
imgAktualisierung: 06.11.2024
Geschrieben von: Yvonne Bachmann
Lesezeit: ca. 2 Min.
06.11.2024
img 06.11.2024
ca. 2 Min.
Ebay-Logo auf einem schwarzen Matrix-Untergrund
bilalulker / Depositphotos.com
Eine neue Betrugsmasche auf Ebay scheint sich abzuzeichnen, bei denen unversicherte Sendungen „verloren“ gehen, um dann Geld zu fordern.


Eine neue Masche im E-Commerce-Bereich sorgt aktuell für Aufregung bei Online-Händlerinnen und Händlern. Mehrere Ebay-Shops bestätigen das gleiche Muster: Eine Person tätigt wiederholt Kleinstbestellungen und fordert später Rückerstattungen und Mahngebühren ein. Die Praxis wird zunehmend zu einem Problem für die betroffenen Unternehmen.

Verdächtige Häufung von Kleinstbestellungen

Konkret wird berichtet, dass eine Person bei Ebay innerhalb von wenigen Tagen mehrere Kleinstbestellungen abgegeben hat. Auffällig ist, dass wiederholt ein sehr preiswerter oder sogar der günstigste Artikel im Shop bestellt wurde. Einige Tage nach Versand der Bestellungen geht dann jedoch die Nachricht der vermeintlichen Kriminellen ein. Darin heißt es, dass der oder die bestellten Artikel nicht angekommen seien und es wird eine Rückerstattung verlangt.

Dahinter steckt Kalkül, denn die gezielt niedrigpreisigen Waren werden meist ohne Sendungsverfolgung versendet. Damit wiederum soll schließlich die Erstattung der Beträge erzwungen werden. Selbst wenn man einen Sendungsnachweis vorlegen kann, wird der Verlust der Ware behauptet und eine Zustellung verneint. Mit der gleichen Folge: Die vermeintlichen Kriminellen übersenden eine Mahnung, die eine zusätzliche Verzugspauschale und Zinsen enthält.

Ein Muster bestätigt sich

Dieser Fall bleibt kein Einzelfall: Zahlreiche weitere Ebay-Shops meldeten ähnliche Vorfälle und vermuten eine gezielte Betrugsmasche. Alle berichteten von gehäuften Kleinstbestellungen und darauffolgenden Rückzahlungsforderungen mit Drohung von Mahngebühren und Zusatzkosten. Verdächtig ist auch, was ein weiterer Händler berichtet: „Der Kunde hatte sich erst wenige Tage zuvor bei eBay angemeldet und bereits fast 1.000 Bewertungen gesammelt. Das erschien uns verdächtig, und wir meldeten den Fall an eBay.“ Die Ebay-Accounts der Kundschaft sind inzwischen gelöscht worden. Ob es sich um verschiedene Personen und Accounts handelt, konnte bislang nicht verifiziert werden.

Handlungsempfehlung für Betroffene

Grundsätzlich gilt im Online-Handel, dass das Risiko für den Verlust der Ware bis zur Übergabe beim Unternehmen liegt. Für den Versand haften Verkäuferinnen und Verkäufer unabhängig von Warenwert und gewählter Versandart und müssen gegebenenfalls den Kaufpreis erstatten, wenn die Ware nicht ankommt. Genau diesen Umstand kann man sich zunutze machen, wenn man böse Absichten hat.

Betroffene Shops, die ein ähnliches Muster feststellen, sollten mit rechtlicher Unterstützung auf die Forderungen reagieren. Es könnte sich um eine gezielte Masche handeln, die darauf abzielt, kleine Summen auf unrechtmäßige Weise zurückzufordern.

Artikelbild: http://www.depositphotos.com

Veröffentlicht: 06.11.2024
img Letzte Aktualisierung: 06.11.2024
Lesezeit: ca. 2 Min.
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Yvonne Bachmann

Yvonne Bachmann

Yvonne bringt juristische Klarheit in komplexe Fragen – zu Abmahnungen, EU-Recht, Wettbewerbsregeln und Urheberrechtsfragen.

KOMMENTARE
5 Kommentare
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JK
09.11.2024

Antworten

Liebe Händlerkollegen, habt ihr euch jemals gefragt, was jeder einzelne Prozess bei diesen Kleinstaufträgen tatsächlich kostet? Ich spreche hier gar nicht von Ärger durch Betrug! Reale, unvermeidbare Kosten wie Steuerberater- und Verwaltungskosten, Verpackungsmaterial, Entsorgungslizenzen, Marktplatz- und ADS-Gebühren bis hin zu Zahlungs- und Versandgebühren – und nicht zu vergessen die Kommissionierung, die locker 25 €/Stunde kostet! Wenn ihr all das durch euer gesamtes Versandvolumen teilt, dürfte euch das Ergebnis die Augen öffnen. Viele werden feststellen: Die Erträge aus diesen "Mini-Aufträgen" decken oft kaum die Spesen – oder führen sogar in die roten Zahlen. Warum also noch Energie in Aufträge investieren, die kaum etwas bringen? Es ist betriebswirtschaftlich schlicht nicht tragbar, Kleinstmengen zu immer kleineren Preisen anzubieten. Die Zeit, die in Verwaltung und Verpackung solcher Aufträge fließt, könnte viel sinnvoller in ertragreichere, wirklich gewinnbringende Produkte investiert werden. Natürlich drängt der Wettbewerb (Vergleich auf Marktplätzen) zum Sparen im Niedrigpreissegment – oft auch auf Kosten der Sicherheit durch unversicherten Versand. Doch unversicherte Sendungen öffnen Tür und Tor für „Kunden“, die sich so um die Bezahlung ohnehin kaum profitabler Aufträge drücken können. Seid weise: Achtet auf eure Wirtschaftlichkeit, passt euer Sortiment, die Verpackung und den Versand so an, dass sie wirklich Profit bringen. Stärkt eure betriebswirtschaftlichen Ergebnisse und konzentriert euch auf Produkte, die sich lohnen. Und nehmt eine Weisheit mit, Geld kann man nur mit Menschen verdienen die Geld haben.
Ralf
07.11.2024

Antworten

Genau davon waren wir auch Opfer. Der Kunde bestellte über 2 bis 3 Wochen Kleinartikel und schrieb dann für jede einzelne Bestellung einen vorgefertigten Standardtext, dass er die Ware nicht erhalten hat. Darauf schaute ich mir den Kunden genauer bzw. sein Bewertungsprofil. Natürlich hat man als Käufer 100 %, aber man sollte sich bei Ebay immer die Bewertungen bei Käufern anschauen die dieser anderen abgegeben hat. Und da sah es sehr rot aus. Ich rief daher Ebay an und die schauten sich den Fall an, und waren auch der gleichen Meinung und haben diesen Käufer erst mal für uns blockiert, damit er keine negativen Bewertungen abgeben konnte, mit der Begründung, dass er bei Nichterhalt dafür Fälle aufmachen kann, was er nicht getan hat und zu dem war Ebay der Meinung, das es vorkommen kann, das mal eine Sendung verloren gehen kann, aber nicht alle in dieser Menge getätigten. 2 Wochen später schickte dieser Käufer auf unsere Firmen E-Mail ausserhalb Ebay einen ellenlangen Mahntext mit Fristsetzug für jeden einzelnen Artikel. Er bezieht sich darin auf den fehlenden Zustellnachweis und nicht auf den Nichterhalt. Antworten hatten wir von ihm übrigens nie erhalten, wenn wir ihn kontaktiert hatten. Ich meldete dies auch Ebay und sah nebenbei auch, dass er sein Bewertungsprofil zwischenzeitlich als Privat gemacht hatte. Seit ich mit einer Strafaneige gedroht hatte war bis jetzt alles ruhig geblieben. Mal sehen ob es da weiter geht.
Andreas Schlagenhauf
07.11.2024

Antworten

Was ich dabei nicht verstehe: Was genau haben die Betrüger davon, wenn sie Waren zu Kleinstbeträgen bestellen und dann das Geld zurückfordern? Sie haben kleines Geld bezahlt und fordern ihr eigenes Geld anschließend wieder zurück, machen dabei also erst mal keinen Gewinn. Die angeblich nicht erhaltene Ware müssten sie dann ja auch erst mal wieder verkauft bekommen. Also worin liegt da dann deren Vorteil bzw. tatsächliche Absicht? Lediglich die Verkäufer schädigen weil es Spaß macht? Oder am Ende „nur“ das massenweise Sammeln positiver Bewertungen, um damit dann später den Eindruck zu erwecken, sie wären ja ach so vertrauenswürdig, wenn sie selbst etwas „verkaufen“ wollen? Da muss doch mehr dahinterstecken…
kein Experte
09.11.2024
Die Absicht liegt in der geltend gemachten Mahngebühr. Der Käufer fordert für jeden Artikel pauschal 40 Euro. Die ganze Sache scheint dabei automatisiert abzulaufen.
CF
09.11.2024
Ich schätze es hat mehrere Gründe… 1. „Kleinvieh macht auch Mist“, wenn man hunderte von kleinen Artikeln kostenlos bekommt könnten diese als Bundle verkauft werden. 2. Konkurrenz schädigen oder verdrängen, denn nach der x-ten Betrugsbestellung geben sicher einige den Vertrieb dieser Produkte auf und derjenige tritt dann irgendwann als Verkäufer auf, da er ja schon genug Ware kostenlos bekommen hat und auch viele gute Bewertungen hat. 3. Schädigung der Wirtschaft, wenn dieses in großem Stil betrieben wird. 4. Langeweile und einfach etwas kaputtmachen wollen. Daran sieht man aber wieder, dass all die Verbraucherschutzgesetze nur immer mehr Türen für Betrug aufmachen und die Politik nicht versteht, dass auch Händler einen gewissen Schutz benötigen wenn sie ein redliches Geschäft betreiben.