Betrug bei Ebay-Verkauf? Kunde meldet Eimer statt PC im Paket

Veröffentlicht: 16.05.2025
imgAktualisierung: 16.05.2025
Geschrieben von: Sandra May
Lesezeit: ca. 2 Min.
16.05.2025
img 16.05.2025
ca. 2 Min.
Verblüffter Mann zieht einen Wischmopp aus einem Karton mit aufgedrucktem Computerbild.
Erstellt mit Dall-E
Ein Online-Händler verkauft einen PC – und bekommt vom Kunden ein Foto zurück: Im Paket soll nur ein Eimer gewesen sein. Ist das Betrug?


In unserer Reihe „Dreist oder berechtigt?“ nehmen wir Forderungen und Fragen von Verbraucher:innen, der Kundschaft und Beschäftigten unter die Lupe.

In dieser Woche geht es um folgenden Fall: Ein Verkäufer glaubt, zum ersten Mal Opfer von Diebstahl oder Betrug bei einem Verkauf geworden zu sein. Er hatte einen PC über Ebay verkauft und diesen verschickt. Am Tag der Zustellung meldete sich der Käufer mit der Behauptung, im Paket habe sich statt des PCs ein anderer Gegenstand, nämlich ein Wischmopp, befunden. Ein Foto des geöffneten Pakets, bei dem es sich laut Verkäufer eindeutig um dessen Versandkarton handelt, wurde ihm zugesendet. Handelt es sich um einen dreisten Kunden?

Grundsatz: Für den Versand haften die Händler:innen

Ähnliche Konstellationen hatten wir schon oft: Grundsätzlich haften die Online-Händler:innen im B2C-Geschäft für den Versandweg. Daran gibt es nichts zu rütteln. Die meisten Fragen drehen sich allerdings um das Thema Beweisbarkeit: Ob eine Ware angekommen ist, muss die Kundschaft bezeugen. Auch das Gegenteil muss sie glaubhaft machen: dass das Produkt nicht angekommen ist. 

Weil sich das Nicht-Eintreffen einer Lieferung kaum beweisen lässt, sind die Anforderungen an den Nachweis eher gering. Viel mehr kommt es auf die Beurteilung der Gesamtumstände an, ob man den Schilderungen der Kundschaft glaubt.

Fazit:  Klingt verrückt, ist aber plausibel

Was aber bedeutet das für unseren Fall? Die Frage, die wir uns stellen müssen, ist die, ob die Behauptung des Kunden plausibel ist. Der Händler bietet offenbar keine Putzutensilien an. Daher ist es ausgeschlossen, dass bei der Fertigstellung der Sendung ein Packfehler passiert ist. Entsprechend müsste die Ware auf dem Weg zum Kunden ausgetauscht worden sein. Das klingt auf den ersten Blick unwahrscheinlich. Immerhin wäre es doch viel einfacher, das Paket einfach im Ganzen verschwinden zu lassen, statt die Ware umständlich auszutauschen. Allerdings gibt es tatsächlich solche Vorfälle häufiger, und zwar im Zusammenhang mit Amazon. Die Meldung ist daher tatsächlich plausibel.

Entsprechend handelt es sich bei dem Kunden wohl nicht um einen dreisten. Der Händler muss also das Geld erstatten oder eine Neulieferung veranlassen. Gleichzeitig sollte das Problem beim Versanddienstleister gemeldet und gegebenenfalls Anzeige gegen Unbekannt erstattet werden.

Veröffentlicht: 16.05.2025
img Letzte Aktualisierung: 16.05.2025
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Sandra May

Sandra May

Sandra beleuchtet Streitfälle im E-Commerce: von rechtlichen Fallstricken über Urheberrecht bis hin zu Influencer:innen und Wettbewerbsklagen.

KOMMENTARE
5 Kommentare
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PG
20.05.2025

Antworten

Über das gemessene Gewicht von DHL und Videos vom Packplatz läßt sich doch sehr schnell überprüfen, ob die Behauptung stimmt. Den Fall hatten wir auch schon paar Mal und haben ohne Vorwarnung Strafantrag gestellt. Solche Dreistigkeit lassen wir nicht durchgehen. Aber grad Amazon animiert die Kunden immer mehr zu Betrug und Unverschämtheiten
Diana Sternberg
19.05.2025

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Hallo zusammen, ich verkaufe seit 20 Jahren erfolgreich bei eBay im C2C Bereich. Die ein oder andere Lieferung kam auch schon nicht oder falsch an. In letzter Zeit häufen sich Lieferprobleme aber! Mein eigenes verrücktes Lieferergebis war bei einem Hermes Paket. Es sollten 3 hochwertige Shirts und eine Jeans sein. Als das Paket ankam, war eine leere Bierflasche und ein Stück Käse drin! Die komplette Vorderseite des ursprünglichen Pakets mit den Versandlabels war herausgeschnitten und mit durchsichtigem Paketband auf einen neuen Karton geklebt worden. Natürlich zeigte sich Hermes nicht verantwortlich, da das Paket ja angekommen sei. Was zeigt uns das? Es ist für Lieferanten eindeutig leichter, das auszuliefern Paket neu zu befüllen, als es komplett zu stehlen!!! Die Menschen, die mir meine Pakete bringen, sind zunehmend unfreundlich, können kein Wort deutsch und man hat das Gefühl, sie werden zu diesem Niedriglohn-Job gezwungen. Ich würde spekulieren, da ist die Liebe zum Job und die Zuverlässigkeit beim Ausliefern nicht so hoch. Der ein oder andere mag auch neidisch sein, dass ständig Pakete ankommen, während der Empfänger "faul" zu Hause sitzt (Homeoffice!) Hermes hat mir gesagt, das umpacken von Paketen sei bekannt. Man habe verboten, dass Lieferfahrzeuge Klebeband und leere Kartons mit an Bord haben! DAS SAGT SCHON ALLES!
Störte Micha
19.05.2025

Antworten

Amazon hätte den irrtümlich gelieferten Artikel im Lager. Wenn der Händler seinen Versandkarton wiedererkennt ist die Situation also deutlich anders und der Händler ist sicher nicht der Verursacher. Es gibt auch Lager-Picksysteme mit denen ganz gut nachvollzogen werden kann was wirklich verpackt wurde.
IP
19.05.2025

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Ich weiß ja nicht, ob man es in dem Fall dem Kunden nicht eher zu einfach macht. Er kann auch den PC aus dem Karton geholt und dann einen Mop für das Foto in den Karton gelegt haben. Wie oft hab ich schon gesehen, dass Retouren nicht das Produkt beinhalten, welche retourniert werden sollte, sondern einfach nur Verpackungsmaterial, ein Stück Karton oder anderer Müll. Leider haben Kunden mehr kriminelle Energie, als man sich denken mag und am Ende ist der Händler der blöde. Wie soll er dem Versandunternehmen nachweisen, dass sie sein Karton geöffnet und die Ware ausgetauscht haben? Das einzige was er als Beweis vielleicht hat, dass der PC verschickt wurde, ist das Gewicht des Kartons, als es bei dem Versandienstleister eingeliefert wurde. Aber am Ende ist es dennoch 50:50 das entweder der Kunde oder einer der Mitarbeiter des Versanddienstleisters den PC entwendet hat und im "besten Fall" war es der Kunde, welcher jetzt einen neuen PC gratis bekommen hat. Paypal, Klarna, Amazon und Etsy helfen da auch noch aktiv, da sie fast immer auf der Seite des Kunden sind, egal was man als Händler alles an Beweisen vorlegt.
Daniel Bohnacker
19.05.2025

Antworten

Ich hatte einen ähnlichen Fall, in dem der Kunde behauptet, ich hätte zu wenig von dem bestellten Produkt geliefert. Aber doch unsere geeichte Waage und durch das Wiegen der Paketunternehmen konnten wir anhand des Gewichtes das Gegenteil behaupten. Versandgewicht prüfen lassen wäre eine Möglichkeit..