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Dürfen Händler:innen Aufkleber gegen missbräuchliche Widerrufe verwenden?

Veröffentlicht: 12.11.2024
imgAktualisierung: 12.11.2024
Geschrieben von: Sandra May
Lesezeit: ca. 2 Min.
12.11.2024
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ca. 2 Min.
Das Bild zeigt eine Person, die ein Kleidungsstück mit einem großen gelben Aufkleber präsentiert. Im Hintergrund ist ein geöffneter Karton und eine Pflanze zu sehen, alles in warmen, einladenden Farbtönen.
Erstellt mit Dall-E
Unternehmen kleben große Hinweise auf Produkte, um Missbrauch einzudämmen. Aber ist das rechtlich zulässig?


Das Widerrufsrecht stellt Händler:innen im E-Commerce immer wieder vor Herausforderungen. Vor allem Verbraucher:innen, die Schindluder mit diesem Recht betreiben, sind ein echtes Ärgernis. Missbrauch versuchen manche Unternehmen einzudämmen, indem sie beispielsweise auf Kleidung sehr große Aufkleber anbringen. Werden die Sticker von den Käufer:innen entfernt, soll das Widerrufsrecht verfallen. Aber: Geht das überhaupt?

Dürfen solche Aufkleber verwendet werden?

Die kurze Antwort darauf ist: nein. Im Rahmen des Widerrufsrechts dürfen Verbraucher:innen die Produkte, wie etwa Kleidung, einer Beschaffenheitsprüfung unterziehen. Dies schließt das Anprobieren ein, um Aussehen und Sitz der Kleidung zu überprüfen. Ein Aufkleber, der dies verhindert, ist daher nicht zulässig. Verbraucher:innen können solche Aufkleber entfernen, ohne negative Folgen befürchten zu müssen.

Zusätzlich ist das Anbringen solcher Aufkleber generell nicht empfehlenswert, da es die Kundschaft möglicherweise davon abhält, ihr Widerrufsrecht auszuüben, obwohl sie rechtlich gesehen die Etiketten entfernen dürfen. Ein solches Vorgehen seitens der Anbieter ist rechtlich bedenklich, da es das gesetzlich verankerte Widerrufsrecht untergräbt.

Muss der Widerruf akzeptiert werden, wenn Textiletiketten und Co. entfernt werden?

In diesem Kontext ist es wichtig zu verstehen, wie Fälle zu bewerten sind, in denen Verbraucher:innen beispielsweise Textiletiketten entfernen und anschließend die Ware zurücksenden. Grundsätzlich darf ein Widerruf nicht allein deshalb abgelehnt werden, weil  ein Etikett entfernt wurde. Es muss jedoch differenziert werden: Wenn es sich um ein normales Etikett handelt, das das Anprobieren der Kleidung nicht verhindert, ist dessen Entfernung nicht durch die bloße Beschaffenheitsprüfung gerechtfertigt. In solchen Fällen könnten Händlerinnen und Händler berechtigt sein, einen Wertersatz zu fordern, da die Entfernung des Etiketts die Ware möglicherweise in einem Zustand hinterlässt, der weiteren Aufwand erfordert, um sie wieder als neuwertig zu verkaufen.

Veröffentlicht: 12.11.2024
img Letzte Aktualisierung: 12.11.2024
Lesezeit: ca. 2 Min.
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Sandra May

Sandra May

Sandra beleuchtet Streitfälle im E-Commerce: von rechtlichen Fallstricken über Urheberrecht bis hin zu Influencer:innen und Wettbewerbsklagen.

KOMMENTARE
4 Kommentare
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André
03.01.2025

Antworten

Unglaublich was Kunden alles im Onlinehandel dürfen, bei uns reißen sie auch regelmäßig Filme und Games auf, schauen sie an und spielen sie gemütlich durch, um sie dann nach Wochen zurückzuschicken, selbst wenn wir da versuchen was dagegen zu sagen, erstatten die Plattformen alles inklusive Rücksendekosten anstandslos und so steht den Kunden vollkommen kostenloser Verleih zur Verfügung, wer hat da noch Lust ein Onlinehändler zu werden bei diesem ganzen Nonsens.
Ralf
13.11.2024

Antworten

Entzieht sich irgendwie der Logik. Warum muss ich einen Aufkleber entfernen um auszuprobieren, ob mir das Kleidungsstück passt? Es gibt nur einen Grund diesen zu entfernen und zwar weil man das Kleidungstück behalten will. Oder man es nur für einen Anlass benötigt um nach der "Ausleihung" zurückzuschicken. Weder für das Anprobieren noch für die Konzistenzprüfung ist es notwendig den Aufkleber oder das Ettikett zu entfernen, genau wie im Stationären Handel auch.
K.I
13.11.2024

Antworten

Meinung: Ist das nicht super was "Kunden" alles dürfen im Onlinehandel Wer entfernt bitte im stationären Handel Etiketten bei der Anprobe? Aber Online ist das erlaubt. Da dürfen die "Kunden" auch die Verpackung zerstören und in einer Amazon Papiertüte das Produkt zurück senden. Einfach nur noch abartig was Amazon so zum eigenen Wohl und auf Kosten der Händler fördert.
DA
18.11.2024
Das fördert nicht amazon, sondern die EU. Manchmal glaube ich, die sind so abgehoben, die wissen nicht wie es wirklich draußen zugeht. Wie soll ein Händler wiseen, wie der Same aussah, mit dem der Baum gepflanzt wurde, der irgendwann abgeholzt wurde, um das Papier herzustellen, dass er heute von einem Händler zum Verkauf anbietet? Bald gibt es keinen Handel mehr, weil wir nicht alle ständig nach Brasilien reisen können, um wegen 3 Blatt Papier den Hersteller zu überprüfen. Wen juckt da, ob die Ware alle Aufkleber noch hat?