Warum muss ich meine Rechtstexte anpassen, wenn Amazon die Rücknahmegarantie ändert?

Veröffentlicht: 15.03.2024
imgAktualisierung: 15.03.2024
Geschrieben von: Sandra May
Lesezeit: ca. 3 Min.
15.03.2024
img 15.03.2024
ca. 3 Min.
Paket mit dem Logo von amazon, welches auf dem Boden liegt
© ifeelstock / Depositphotos.com
Amazon hat an der Frist für die Rückgabegarantie geschraubt. Aber: Was geht das eigentlich die Amazon-Händler:innen an?


Amazon hat kürzlich für Aufsehen gesorgt, indem der Online-Riese die Rückgabefrist für ausgewählte Produktkategorien erheblich verkürzt hat. Anstelle der bisher üblichen 30 Tage wird nun für Produkte wie Kameras, Computer, andere Elektronikartikel, Videospiele, Videos, DVDs, Musik, Bürobedarf und kabellose Produkte eine Rückgabefrist von nur noch zwei Wochen eingeräumt. Diese Änderung betrifft auch die von Amazon selbst angebotenen Artikel. Eine Ausnahme bilden lediglich die Amazon-eigenen Geräte wie der Kindle oder das Fire Tablet.

Im Zuge dieser Neuregelung müssen Händler:innen ihre Widerrufsbelehrungen aktualisieren. Doch stellt sich die Frage: Warum ist das überhaupt so?

„Freiwillige“ Rückgabegarantie ist eine Pflicht

Schauen wir uns genauer an, was Amazon verändert hat: Der Online-Riese hat die Rückgabefrist im Rahmen seiner sogenannten freiwilligen Rückgabegarantie für bestimmte Produktkategorien verkürzt. Der Begriff „freiwillig“ bedeutet hier allerdings nicht, dass Verkäufer:innen die Möglichkeit haben, selbst zu entscheiden, ob sie diesen zusätzlichen Service anbieten möchten oder nicht. Vielmehr hebt Amazon damit hervor, dass es sich um einen über das gesetzliche Widerrufsrecht hinausgehenden Service handelt, den Verkäufer:innen auf der Plattform nun ebenso gewähren müssen.

Belehrung notwendig

Um sicherzustellen, dass Verkäufer:innen die von Amazon vorgesehene freiwillige Rückgabegarantie anbieten, ist es notwendig, in der Widerrufsbelehrung über diese Garantie sowie ihre Bedingungen und Fristen zu informieren. Dies bedeutet, dass die Rechtstexte angepasst werden müssen, sobald Amazon Änderungen vornimmt. Wer etwas Erfahrung im Verkauf auf Amazon hat, kennt diesen Vorgang bereits aus der Weihnachtszeit, wenn die Rückgabefristen temporär verlängert und anschließend wieder auf den Standard zurückgeführt werden.

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Kurz erklärt: Unterschiede zwischen Widerrufsrecht und Rücknahmegarantie

Das gesetzlich festgelegte Widerrufsrecht ermöglicht es Verbraucher:innen, die Ware nach Erhalt auf ihre Eigenschaften und Funktionsweise zu prüfen – sie dürfen diese also auspacken und testen, um eine endgültige Kaufentscheidung zu treffen.

Die freiwillige Rücknahmegarantie von Amazon bietet darüber hinaus einen zusätzlichen Service mit spezifischen Bedingungen. Anders als beim Widerrufsrecht setzt die Garantie voraus, dass die zurückgegebene Ware in dem Zustand bleibt, in dem sie empfangen wurde. Amazon betont: „Artikel müssen in dem Zustand zurückgesendet werden, in dem sie empfangen wurden. Neue Artikel müssen demnach unbenutzt, unbeschädigt und vollständig sein. Gebrauchte Artikel dürfen keine zusätzlichen Gebrauchsspuren oder Schäden aufweisen.“

Der Hauptvorteil dieser Garantie für die Kundschaft ist die erweiterte Frist für Rückgaben. Während das gesetzliche Widerrufsrecht eine Frist von zwei Wochen vorsieht, gewährt die Rücknahmegarantie bei ausgewählten Produktkategorien mehr Zeit, um über den Kauf nachzudenken. Zudem ist die Rückgabe unter der Garantie oft kostenfrei, wohingegen im Rahmen des Widerrufsrechts die Verkäufer:innen die Kosten für den Rückversand auf die Kundschaft übertragen können.

Artikelbild: http://www.depositphotos.com

Veröffentlicht: 15.03.2024
img Letzte Aktualisierung: 15.03.2024
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Sandra May

Sandra May

Sandra beleuchtet Streitfälle im E-Commerce: von rechtlichen Fallstricken über Urheberrecht bis hin zu Influencer:innen und Wettbewerbsklagen.

KOMMENTARE
2 Kommentare
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Ralf Ternes
20.03.2024

Antworten

Die "freiwillige" Rücknahmegarant ie von 30 Tagen gibt es doch schon seit Jahren bei Amazon und ist auch in unserer Widerrufsbelehr ung enthalten. Also warum müssen die Rechtstexte geändert werden und bitte mal eine nützliche Antwort. Bisher kamen die Antwort nur um das Thema herum und auf die Frage wurde konkret nicht geantwortet. BTW. Ich habe mal im Internet rechechiert. Ihr seid die einzigsten die behaupten das Rechtstexte geändert werden müssen. Ihr behauptet sogar dass alle Amazonhändler, selbst die, die keine Produkte aus den betroffenen Kategorien verkaufen, die Rechtstexte anpassen müssen. Eine Erklärung blieb von euch bisher aus.
Geissler
18.03.2024

Antworten

etwas unklar weiterhin, was habe ich denn mit amazon entscheidgungen zu tun? der kunde hat mit mir den kaufvertrag, was der vermittler noch anbietet sollte doch den kv zwischen kunde und händler nicht betreffen. die frage ist eher, wenn ich das garnicht in den rechtstexten habe könnte ich mich doch weigern das umzusetzen, sprich, der kunde unterliegt eben meinen rechtstexten.

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Antwort der Redaktion

Hallo,

Amazon darf Händlern natürlich bestimmte Pflichten auferlegen. Im April 2017 informierte Amazon die Händler darüber, dass diese Rücknahmen im gleichen Umfang wie Amazon selbst anbieten müssen. Eine gesetzliche Pflicht gibt es zwar nicht; wer dem aber nicht nachkommt, riskiert eine Kontensperrung.

Mit den besten Grüßen
die Redaktion