Eine Unternehmensnachfolge erfordert auch psychologische Fähigkeiten
OnlinehändlerNews: Florian, stell dich doch mal kurz vor. Wie bist du zum Thema Handels- und Gesellschaftsrecht gekommen und welchen Bezug hast du speziell zur Unternehmensnachfolge?
Florian Lenck: Vielen Dank, dass ich dir heute Rede und Antwort stehen kann zu einem Thema, das mich als Rechtsanwalt schon länger begleitet. Mein Name ist Florian Lenck, ich bin 38 Jahre alt, und seit sieben Jahren als Rechtsanwalt tätig.
Das Gesellschaftsrecht ist nicht nur juristisch anspruchsvoll, sondern erfordert auch psychologische Fähigkeiten, da Entscheidungen zur Unternehmensnachfolge in der Regel auch äußerst emotional sind. Fragen wie „Was passiert mit meinem Lebenswerk?“ und „Kommt es in gute Hände?“ stellen sich dabei oft. Auch der Umgang mit ausgeschlossenen oder nicht bedachten Familienmitgliedern bei einer familieninternen Nachfolge ist eine Herausforderung, für die man einiges an Fingerspitzengefühl braucht. Bereits während meines Studiums entwickelte ich daher und aufgrund des begeisternden Vortragsstiles meines damaligen Professors ein Interesse an diesem Rechtsgebiet.
Selbst gründen oder übernehmen? Wo liegen die Vor- und Nachteile und gibt es Unterschiede, welche Persönlichkeit sollte man jeweils mitbringen?
Beides hat natürlich seine Vor- und Nachteile. Ich kann als Neugründer zunächst meine Ideen ohne äußere Einflüsse umsetzen und realisieren. Dadurch habe ich (fast) grenzenlose Freiheit und kann mich und mein Projekt selbst verwirklichen. Der Gründungsaufwand mit den entsprechenden Formalitäten ist jedoch eine Herausforderung. Der größte inhaltliche Aufwand besteht darin, das junge Unternehmen bekannt zu machen und eine Marktposition aufzubauen, was je nach Branche sehr aufwändig sein kann. Allerdings kann man seine Visionen hier ein bisschen selbstbestimmter umsetzen, als bei der Übernahme.
Dahingehend setzt man sich bei der Übernahme eines bereits bestehenden Unternehmens, das sich bereits positiv am Markt etabliert und im Idealfall eine bekannte Marke geschaffen hat, ins gemachte Nest und spart sich jede Menge an Formalitäten. In diesem Fall muss ich „nur“ weitermachen. Ein Nachteil könnte jedoch sein, dass alte, eingefahrene Strukturen vorhanden sind und trotz des Ausscheidens des (alten) Gesellschafters immer noch ein großer Einfluss besteht.
Kommentar schreiben