Benötigen handgefertigte Spenden ein CE-Kennzeichen?

Veröffentlicht: 17.02.2022
imgAktualisierung: 17.02.2022
Geschrieben von: Sandra May
Lesezeit: ca. 2 Min.
17.02.2022
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Gehäkelter Tiger
© lilechik-h / Shutterstock.com
Spielsachen benötigen zwingend ein CE-Zeichen. Wie sieht es aber aus, wenn Plüschtiere und Co. für Spenden selbst hergestellt werden?


Mit viel Liebe und Hingabe fertigen Nähbegeisterte nicht nur Sachen für sich selbst, sondern nähen auch für Einrichtungen, wie Krankenhäuser und Kinderheime. Gerade, wenn es darum geht, Kinderherzen höher schlagen zu lassen, werden auch gern Spielsachen, wie zum Beispiel Plüschtiere genäht oder gehäkelt. Dabei brauchen doch gerade Spielsachen eigentlich ein CE-Zeichen, oder ist es bei Spenden anders?

Das Produktsicherheitsgesetz und seine Hürden

Das Produktsicherheitsgesetz sagt aus, dass es verboten ist, CE-pflichtige Produkte ohne CE-Kennzeichen auf dem Markt „bereitzustellen“. Es ist also komplett irrelevant, ob jemand für Spielzeug Geld verlangt, oder dieses kostenlos bereitstellt. Spielzeug, welches innerhalb der EU auf dem Markt bereitgestellt wird, benötigt zwingend ein CE-Zeichen. Dass es nicht mit einem einfachen Aufdruck getan ist, zeigt auch unser Gespräch mit Produktsicherheits-Beraterin Nadja Lüders von „CE für Spielzeug: mach's einfach!“. Bevor ein Spielzeug das CE-Zeichen tragen darf, muss es einige Tests durchlaufen. Denn das Produkt darf kein Risiko für das Kind darstellen. Die Durchführung der Sicherheitsbewertungen, der guten Herstellungsweise und der Tests muss dokumentiert werden und am Ende steht die Konformitätserklärung. Dafür wird zwar keine offizielle Stelle benötigt; der Aufwand und die Verantwortung ist aber dennoch groß.

Privatpersonen brauchen für selbstgefertigte Spenden kein CE-Zeichen

Allerdings gibt es eine Erleichterung für Privatpersonen. Das Produktsicherheitsgesetz gilt nur für Personen oder Unternehmen, die „im Rahmen einer Geschäftstätigkeit Produkte auf dem Markt“ bereitstellen. Das Produktsicherheitsgesetz gilt daher nicht nur für Unternehmen, sondern auch für Vereine. Wer hingegen privat Spenden näht, muss der Pflicht also nicht nachkommen. 

Ganz ähnlich verhält es sich übrigens auch beim Spenden von Kleidung, die eine Textilkennzeichnung benötigt: Werden beispielsweise Onko-Mützen von Privatpersonen genäht, benötigen diese keine Textilkennzeichnung – sobald sich Spendenwillige in einem Verein organisieren hingegen schon. 

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Veröffentlicht: 17.02.2022
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Sandra May

Sandra May

Sandra beleuchtet Streitfälle im E-Commerce: von rechtlichen Fallstricken über Urheberrecht bis hin zu Influencer:innen und Wettbewerbsklagen.

KOMMENTARE
6 Kommentare
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Claudia
25.03.2026

Antworten

Das stimmt, jedoch ist es auch eine Geschäftstätigkeit, wenn eine Regelmäßigkeit dieser Tätigkeit nachgewiesen wird. D.h. wenn regelmäßig in der Absicht z.B. Häkeltiere hergestellt werden und dafür gezielt Material eingekauft wird. Und dann greift die Spielzeugrichtlinie 2009/48/EG 1.3 Artikel 3 unter 1) Bereitstellung auf dem Markt: jede entgeltliche oder unentgeltliche Abgabe eines Spielzeugs zum Vertrieb, Verbrauch oder zur Verwendung auf dem Gemeinschaftsmarkt im Rahmen einer Geschäftstätigkeit. Ich rede nicht von ein oder zwei Tieren, sondern von Gruppen, die gezielt Sachen für Einrichtungen herstellen. Weder die Einrichtungen noch die Gruppen sind meist über die CE-Kennzeichnung informiert. Soll heißen: sie wissen es einfach nicht. Ich spreche aus Erfahrung, da ich selber eine solche Gruppe übernommen habe und viele nicht einsehen wollten wozu meine ganzen Änderungen notwendig sind.
Redaktion
25.03.2026
Mag sein, aber Geschäftsmäßigkeit im Sinne vom EU-Recht meint eben nicht unbedingt Regelmäßigkeit. Wenn sich Leute zu Gruppen zusammen tun, lässt sich aber sehr gut dadrüber diskutieren, weil dann quasi eine andere Form von „Scheinprivatität“ vorliegt. Das ändert aber nichts daran, dass die Spende von Einzelpersonen in der Regel unproblematisch ist.
Claudia
20.03.2026

Antworten

Bitte dieses noch einmal genau prüfen, ich habe da von Behördenseiten andere Mitteilungen bekommen. Das auch Privatpersonen, die an öffentliche Einrichtungen wie Krankenhäuser etc. Häkeltiere spenden, besonders wenn dieses extra, also mit Absicht und öfter geschieht, CE-Kennzeichnungspflichtig sind. Es macht auch Sinn, da ich selber schon Häkeltiere aussortiert habe, bei denen das Maschenbild zu groß, die Sichheitsaugen sich leicht lösen ließen und angenähte Teile den Zugtest nicht bestanden. Von den verwendeten Materialien ganz zu schweigen. Wolle und Watte noch nicht mal mit dem OekoTex Standard Siegel. Wenn ich mir vorstelle, solch Tiere landen bei Kleinkindern …
Redaktion
23.03.2026
Hallo Claudia,

du sprichst einen wichtigen Punkt an – hier muss man rechtliche Pflicht und praktische Handhabung unterscheiden.

Rechtlich gilt:
Die CE-Kennzeichnungspflicht greift nur, wenn ein Produkt im Rahmen einer Geschäftstätigkeit auf dem Markt bereitgestellt wird. Reine Privatspenden fallen grundsätzlich nicht darunter.

In der Praxis ist es aber oft so:
Öffentliche Einrichtungen wie Krankenhäuser oder Kitas nehmen Produkte ohne CE-Kennzeichnung häufig nicht an. Hintergrund ist weniger eine gesetzliche Pflicht für die spendende Person, sondern vielmehr die Haftungs- und Organisationsverantwortung der Einrichtung.

Die Einrichtungen müssen sicherstellen, dass eingesetzte Produkte bestimmten Sicherheitsanforderungen entsprechen – und die CE-Kennzeichnung dient hier als einfacher, standardisierter Nachweis.
Claudia
20.02.2026

Antworten

Hallo, ich hätte gerne gewusst, auf welcher Rechtsgrundlage sie diese Aussage tätigen.
Redaktion
23.02.2026
Hallo, wie im Text geschrieben: Das Produktsicherheitsgesetz gilt nur für Personen oder Unternehmen, die „im Rahmen einer Geschäftstätigkeit Produkte auf dem Markt“ bereitstellen. Steht direkt in § 1 des Produktsicherheitsgesetz.