Retoure-Paket nach China soll 40 Euro kosten
Zurück zu unserem Fall: Kathleen Prokop ermittelt über PayPal schließlich die Adresse des Händlers in China und beschriftet das Rücksende-Paket mit den nötigen chinesischen Schriftzeichen. Doch bei der Aufgabe bei der Post folgt die nächste böse Überraschung: Die Retoure nach China soll sie rund 40 Euro kosten – etwa so viel, wie sie bereits für das falsche Produkt gezahlt hat. „Das blöde Brett habe ich jetzt immer noch. Alles in allem habe ich so Geld verloren. Seitdem vertraue ich diesen Do-it-yourself-Webseiten wie Etsy nicht mehr“, so das Fazit der Online-Shopperin.
Falsche Artikel im Paket: Welche Rechte hat der Kunde?
Nach dem deutschen Recht steht die Lieferung einer anderen Sache als der geschuldeten einem Sachmangel gleich. Das bedeutet, dass sich für den Käufer Gewährleistungsrechte ergeben, also zum Beispiel ein Recht auf Lieferung einer mangelfreien Sache. Auch die notwendigen Transportkosten würden in diesem beschriebenen Fall auf die Kappe des Verkäufers gehen. Funktioniert das nicht ordnungsgemäß, kann der Rücktritt vom Kaufvertrag möglich sein.
In der Praxis treten hier allerdings häufig zwei Probleme auf: Insbesondere wenn der Händler außerhalb der EU sitzt, ist womöglich gar nicht das deutsche materielle Recht anwendbar. Und selbst wenn es das ist, kann sich die Durchsetzung gegenüber diesem Händler aber schwierig gestalten, selbst mit einem gerichtlichen Titel ist die Vollstreckung in einem Drittstaat komplex und allzu oft würde sich der Aufwand nicht lohnen.
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Ursachen für Falschlieferungen: Falsches Adresslabel
Doch natürlich ist nicht jeder falsch gelieferte Artikel ein vermeintlicher Betrug – das weiß auch Online-Händler Dirk Carolus. „Falschlieferungen kommen schon mal vor – gerade in Hochdruckzeiten. Zum Beispiel kann im Lager versehentlich das Adresslabel vertauscht werden und das Paket wird an den falschen Adressaten gesendet. Kommt bei uns im Schnitt zehnmal im Jahr vor“, sagt er.
Er setzt bei der Lösung vor allem auf Kundenservice und etwas Humor. „Wir haben da Textbausteine mit ’Was sind wir denn für Deppen ….. !’“, so Carolus. Bei Artikeln über 40 Euro sendet der Händler ein kostenloses Rücksendelabel an den Kunden. Bei einem niedrigeren Warenwert kann der Kunde die falschen Artikel sogar behalten, sagt Carolus.
Das größere Problem sei es, in dem Fall den richtigen Adressaten des Paketes herauszufinden. „Hier sind wir bei Bestellungen über Portale völlig blind“, sagt Online-Händler Carolus. „Wir schaffen es aber in fast allen Fällen, über den Kunden, der sich meldet, die Auftragsnummer auf dem Label zu erfahren. Darüber finden wir den eigentlichen Kunden.“
Das müssen Online-Händler bei Lieferfehlern beachten
Liefert der Händler das falsche Produkt, sollte er damit rechnen, dass sich der Käufer meldet, nicht zufrieden ist und Ansprüche geltend macht – etwa auf Nacherfüllung. Dabei kann der Händler auch für bestimmte weitere Kosten aufkommen müssen, etwa für erforderliche Transport-, Liefer- oder Arbeitskosten.
Die falsch gelieferte Ware kann dabei nicht in jedem Fall vom Käufer zurückverlangt werden. Das gilt besonders für den Fall der unbestellten Leistung nach § 241a BGB. Handelt es sich um eine versehentliche Falschlieferung, ist die Lage meist günstiger. Die konkrete Rechtslage lässt sich allerdings nur im Einzelfall bestimmen. Stress und Auseinandersetzungen lassen sich am Ende jedoch oft gut mit einem entgegenkommenden Verhalten vermeiden oder eindämmen.
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